Jugendliche lernen anders

Warum sind viele Schüler häufig müde und teilnahmslos?

Vielleicht kennen Sie diese Situation: Sie kommen morgens frisch und voller Tatendrang ins Klassenzimmer, doch Ihre Schülerinnen und Schüler scheinen Sie kaum wahrzunehmen.

Statt im Unterricht mitzumachen, hängen die Schüler lustlos auf ihren Bänken, schauen Sie mit teilnahmslosen Blicken an und lassen sich einfach berieseln.

Tatsächlich zeigen Studien aus verschiedenen Ländern, dass fast die Hälfte aller jugendlichen Schüler morgens zu Unterrichtsbeginn auffällig müde ist. Diese Müdigkeit betrifft Jungen häufiger als Mädchen und sie steigt im Verlauf der Jugendphase an. Aber warum ist das so?

Die Müdigkeit im Unterricht rührt in erster Linie daher, dass Jugendliche zu wenig Nachtschlaf bekommen. Sie gehen am Abend später ins Bett als in der Kindheit, obwohl sie aufgrund der vielen körperlichen Veränderungen während der Pubertät deutlich mehr Schlaf bräuchten. Häufig wird das späte Schlafengehen damit begründet, dass Jugendliche ihren Tagesablauf schlecht planen und deswegen spät noch Hausaufgaben machen, dass sie sich nicht vom Internet trennen können oder einfach erwachsen wirken wollen. Inzwischen gibt es jedoch Erkenntnisse, dass die Hormonveränderungen in der Pubertät eine entscheidende Ursache für das späte Zubettgehen sind.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Das Schlafhormon wird bei Jugendlichen viel später am Abend ausgeschüttet als noch in der Kindheit – und zudem auch deutlich später als bei den meisten Erwachsenen. Das führt dazu, dass der Biorhythmus im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren plötzlich umkippt. Bisher waren die meisten Jugendlichen Frühaufsteher. Doch durch die Hormonumstellung in der Pubertät werden sie auf einmal zu Nachteulen. Sie schlafen abends schlecht ein und kommen morgens nur mit Mühe aus dem Bett. Das kann man mit einer Art Jetlag vergleichen, der mehrere Jahre andauert. Daher passen die frühen Unterrichtszeiten an den meisten Schulen einfach nicht zum Biorhythmus der Jugendlichen.

Sie können versuchen, der Müdigkeit der Schüler entgegenzuwirken, indem Sie den Unterricht mit inspirierenden Aufgaben beginnen, zum Beispiel mit Musik statt mit einer Grammatikübung. Sie können Übungen mit körperlicher Bewegung in den Unterricht integrieren oder die Jugendlichen in Gruppen arbeiten lassen – denn das motiviert die Schüler oft mehr, als allein zu arbeiten. Außerdem sollten Sie besonders schwierige Themen lieber später am Tag behandeln statt früh am Morgen.

Dr. Dorothé Salomo
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