Deutsch als Fremdsprache

Tablets im DaF-Unterricht: Das digitale Klassenzimmer


Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Nutzung von Tablets im DaF-Unterricht ebenso vorteilhaft auf die Motivation der Lernenden auswirkt, wie auf die gemeinschaftliche und projektbasierte Arbeit. Vor allem in den Bereichen Hören und Sprechen liegen hier Potentiale – vorausgesetzt, die Tablets werden richtig eingesetzt.

Handlichkeit, Apps, Mikrofone und integrierte Kameras: Die technischen Vorteile, die manche Tablets gegenüber herkömmlichen PCs bieten, werden von immer mehr Schulen und anderen Bildungseinrichtungen erkannt. Vorreiter in Deutschland ist die Kaiserin-Augusta-Schule (KAS), ein Gymnasium in Köln, wo im Unterricht von Musik- und Theologielehrer André J. Spang bereits seit 2011 erfolgreich auch Tablets zum Einsatz kommen. In Niedersachsen wird innerhalb des Projekts Mobiles Lernen mit Tablet-Computern bis zum Schuljahrsende 2015 an insgesamt 24 Schulen der Einsatz von Tablets im Unterricht getestet und ausgewertet.

Im Wintersemester 2012/2013 wurde der Einsatz von Tablets im Pilotprojekt Tablet-Klasse erstmals auch im DaF-Unterricht des Goethe-Instituts erprobt, namentlich in Dublin, London und Amsterdam. Die Institute erhielten je einen Klassensatz von jeweils zehn Geräten. Die Pilotphase wurde wissenschaftlich begleitet. Das Ergebnis war überaus positiv, weshalb inzwischen an immer mehr Goethe-Instituten Tablets angeschafft werden.

 

Aktiver und mobiler werden

Die Vorteile von Tablets für das kooperative Arbeiten und die Eigenaktivität der Lernenden in DaF-Unterricht liegen auf der Hand: So können die Lernenden in Projekten am Tablet gemeinsam eigene multimediale Produkte entwickeln, die anschließend in der Gruppe präsentiert und diskutiert werden können. Gleichzeitig nimmt sich die Lehrkraft in ihrer Rolle zurück: Sie wird zum „Coach“, der das Projekt begleitet, Feedback gibt oder das Gespräch im Unterricht strukturiert – und auch zum Durchhalten anregt (Spang 2013:11). Durch die Arbeit mit QR-Codes können Materialien aus dem Internet sehr einfach verfügbar gemacht werden. Ein langes Suchen und das Eingeben von komplizierten URLs bleibt für die Teilnehmenden aus. Zudem fördern Tablets die Mobilität innerhalb und außerhalb des Klassenraums. So können die Lernenden die Geräte auch außerhalb des Klassenzimmers für Projekte wie Fotoreportagen nutzen.

Besser hören

Einen didaktischen Mehrwert bieten die Tablets im DaF-Unterricht insbesondere für Sprechen und Hören: Über Tablets können niveaugerechte Audios oder kurze Filme aus dem Internet im eigenen Lerntempo angehört und angesehen werden – mit Hilfe eines Splitters, der den Anschluss von zwei Kopfhörern ermöglicht, auch von zwei Lernenden gleichzeitig. Mit Tablets im eigenen Lerntempo Audios hören. Letztere müssen dann gemeinsam entscheiden, wie oft sie sich die jeweilige Aufnahme – oder eventuell auch besonders schwierige Passagen – anhören möchten.

Im Projekt Tablet-Klasse des Goethe-Instituts etwa zeigte sich, dass die Lernenden ihr Sprechen und ihre Aussprache im Deutschen bewusster wahrnahmen, weil sie beides im Prozess des Aufnehmens und Anhörens spielerisch korrigierten. Außerdem fiel es den Beteiligten leichter, über ihre Sprachfähigkeiten zu reflektieren. Im Bereich des Hörverstehens ergab die Auswertung der bisherigen Untersuchungsergebnisse gegenüber einem rein „analogen“ Unterricht einen deutlich größeren Lernzuwachs durch den Tablet-Einsatz.

Und auch André J. Spang von der Kölner Kaiserin-Augusta-Schule weist darauf hin, dass „in den modernen Fremdsprachen […] Apps hervorragend eingesetzt werden (können), um mit einfachsten Mitteln das freie Sprechen zu üben, aufzuzeichnen, zu beurteilen, zu verbessern und zu teilen“ (2013: 12).

Digital – und analog!

Allerdings ist die Vermutung, Tablets seien im Unterricht in allen Bereichen und als ausschließliches Medium einzusetzen, nicht richtig. Vor allem die fehlende Tastatur stellt viele Lernende (und Lehrende) vor Probleme. Deshalb geht der Trend – etwa in den USA – hin zu so genannten Chromebooks, die durch ihre Tastatur das Schreiben und die Recherche erleichtern und bei denen Lernsoftware im Unterscheid zu Laptops viel schneller aus der „Cloud“ geladen werden kann (vgl. Murphy 2014).

Um Tablets sinnvoll im DaF-Unterricht einsetzen zu können, sollte ihr Einsatz im Sinn eines „hybriden Lernens“ mit herkömmlichen Methoden verzahnt werden. Es geht also „mithin um ein ‚Sowohl-als-auch’ statt um ein ‚Entweder-oder’ bei der Entscheidung um die Integration von mobilen Endgeräten in den Unterricht“ (Mayrberger 2013:5). Ähnliches zeigt auch das erfolgreiche Trinity Collage iPad Program in Australien: Tablets werden hier ausdrücklich nicht als PC-Ersatz genutzt, sondern explizit als ein Instrument zur Erweiterung des herkömmlichen Unterrichts (vgl. Aufenanger 2013:54f.).

Innerhalb des Pilotprojekts Tablet-Klasse des Goethe-Instituts wurde ebenfalls darauf geachtet, die Arbeit an den Tablets mit der Arbeit im Lehrwerk und den anderen Inhalten des Unterrichts zu verknüpfen. Bei den Lernenden und Lehrenden sollte nicht das Gefühl entstehen, zwischen zwei Unterrichtsformen – „digital“ und „analog“ – hin und her springen zu müssen. Beispielsweise wurden die Audiodateien aus dem Lehrwerk auf den Tablets zur Verfügung gestellt, so dass bei Übungen zum Hörverstehen innerhalb des Lehrwerks die bereits beschriebenen Potentiale der Geräte genutzt werden konnten.

Erfolgreiches Lernen – durch erfolgreiches Lehren

Wichtig für den erfolgreichen Einsatz von Tablets im DaF-Unterricht ist eine detaillierte Schulung und Heranführung von Lehrkräften an die Geräte. Die Erfahrungen im Projekt Tablet-Klasse haben aber gezeigt, dass die Bedienung der Tablets selbst von technisch weniger versierten Lehrenden grundsätzlich einfach und intuitiv erlernt wird. „Es ging eigentlich ziemlich schnell, dass ich gemerkt habe, dass das iPad mir viel mehr Freiheit im Unterricht gibt.“ fasst Frank Wittig, DaF-Lehrer am Goethe-Institut Dublin, seine Erfahrungen zusammen. „Für mich war es wirklich eine Erleichterung, weil das Tablet auch für mich als Anfänger sehr leicht zu bedienen ist.“

Kurzdokumentation zum Einsatz von Tablets im Fremdsprachenunterricht. Pilotprojekt an den Goethe-Instituten Amsterdam, Dublin und London.

   

Kathrin Hahn ist in der Zentrale des Goethe-Instituts im Bereich Online-Sprachkurse tätig. Sie hat 2012/2013 das Pilotprojekt „Tablet-Klasse“ zur Implementierung von Tablets am Goethe-Institut durchgeführt und wissenschaftlich begleitet.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Redaktion Magazin Sprache
April 2015
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