Deutsch als Fremdsprache

Tablets im Unterricht: Digital, mobil und vernetzt


Seit sich mobile Endgeräte in Form von Smartphones und Tablets in der alltäglichen Nutzung zur Kommunikation und Interaktion gerade bei Jugendlichen zunehmend verbreiten (vgl. u.a. MPFS 2013, S. 6), erfährt das sogenannte „mobile Lernen“ erneut an Aufmerksamkeit. Es steht die Frage im Raum, wie und in welchem Maße Lehrende digitale Medien didaktisch sinnvoll als Werkzeug und Medium in einen zeitgemäßen Unterricht integrieren können.

Mobiles Lernen oder Lernen mit mobilen Endgeräten

Entsprechend lässt sich mobiles Lernen weiter als ein Lernen verstehen, das es Lernenden mithilfe von mobilen Endgeräten ermöglicht, potenziell an jedem (Lern-)Ort und zu jeder Zeit computerunterstu¨tzt mit Personen und Inhalten in Interaktion zu treten. Mobiles Lernen findet in formalen wie informellen Kontexten statt und idealerweise in ständiger Verbindung mit dem Internet. Im unterrichtlichen Kontext braucht es (noch) didaktische Szenarien für ein Lernen unterwegs mit und ohne Netzanbindung, denn der Internetzugang ist (noch nicht) überall gesichert. Die Besonderheiten für die Gestaltung von lernerorientierten Lehr- und Lernprozessen mit mobilen Endgeräten liegen in der Mobilität selbst, in der alltagsnahen Situierung und damit in einem authentischen Lernkontext. Dieser bietet auch Möglichkeiten zur Handlungsorientierung, beispielsweise mit einem Besuch und der Dokumentation von historisch oder geographisch wichtigen Orten – auch im Sprachunterricht.

Übergibt man die Geräte in die Hände der Lernenden, so eröffnet sich ein besonderes Potenzial hinsichtlich der Personalisierung mobiler Endgeräte. Lernende können zum Beispiel für einen längeren Zeitraum, die für sie nützlichen Apps auf einem Tablet selbst anordnen und durch eigene ergänzen, eine eigene Dateiorganisation vornehmen oder über eine längere Zeit einen Problemlöseprozess dokumentieren. So kann das Informationsmanagement und der Prozess des Wissenserwerbs auf die persönlichen Bedarfe – durchaus mit Anleitung und Begleitung durch die Lehrperson – ausgerichtet werden. Das zentrale Potenzial ist aus pädagogischer Sicht daher in den Möglichkeiten der Individualisierung oder der (Binnen-)Differenzierung zu sehen.

Didaktischer Mehrwert

Medien spielen zwar eine wichtige Rolle für die Gestaltung von zeitgemäßen, schülerorientierten Lehr- und Lernprozessen, doch zeigt sich wiederholt, dass mediendidaktische Potenziale sich nur dann nutzen lassen, wenn ein guter Unterricht hierfür bereits eine fruchtbare Basis bietet – also Medien vor allem eingesetzt werden, um einen „didaktischen Mehrwert“ zu erreichen. Somit wäre es Wunschdenken anzunehmen, dass die Integration von Tablets einen mäßigen Unterricht automatisch verbessere.

Gerade der Sprachunterricht, der in besonderem Maße fach- und mediendidaktische Möglichkeiten der Individualisierung mit mobilen Endgeräten bietet, ist ein gutes Beispiel, um einen didaktischen Mehrwert mit und durch mobile Endgeräte zu erreichen. Lernende können beispielsweise allein oder im Team Video- und Audiobeiträge im eigenen Tempo rezipieren und bearbeiten oder die Kamera- und die Aufnahmefunktion nutzen, um eigene Sprachprodukte aufzuzeichnen und zu analysieren. Daneben stehen Apps, die Videokonferenzen ermöglichen sowie Online-Wörterbücher zur Verfügung wie auch (Bildungs-)Apps zum Aussprachetraining oder als Vokabeltrainer. Besonders letztere müssen in der Regel von den Lehrpersonen hinsichtlich ihrer Qualität für den eigenen Unterricht geprüft werden. Der Umgang und die Bedienung von mobilen Endgeräten im Unterricht ist zumeist ein geringeres Problem, als die Herausforderung für die Lehrperson kreative und passende sowie fachlich relevante Lernszenarien zu entwickeln. Dieses ist gerade zu Beginn relativ aufwändig und bietet sich an, dies in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen vorzunehmen.

Medienpädagogische Kompetenz für Lehrende

Neben der fachdidaktischen Kompetenz ist auch eine medienpädagogische Kompetenz auf Seiten der Lehrenden von Vorteil (Mayrberger, 2014). Insbesondere wenn Tablets in Form einer 1:1-Ausstattung eingeführt werden, also jeder Lernende ein eigenes Tablet zur ständigen Verfügung erhält. Eine medienpädagogische Kompetenz geht über die persönliche Medienkompetenz der Lehrenden hinaus, die eine Voraussetzung für die Integration von digitalen Medien im Unterricht darstellt. Sie umfasst das Wissen, um die aktuelle medienbezogene Welt der Lernenden (Mediensozialisation) und die Kompetenz in schwierigen Situationen beim Tablet-Einsatz (z.B. Cybermobbing, Ablenkung) die Lernenden in ihrer Medienkompetenz zu fördern. Ebenso umfasst dies die Fähigkeit, Technologien für die Unterrichts- und Schulentwicklung einzusetzen, einen zeitgemäßen Unterricht mit digitalen Medien zu planen und zu gestalten sowie Bildungsapps und Online-Materialien in ihrer zunehmenden Vielfalt zu überblicken und auszuwählen (Mediendidaktik), ohne die fachliche bzw. fachdidaktische Perspektive zu vernachlässigen.

Fazit: Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von Tablets

Ein wesentlicher Mehrwert des Einsatzes von mobilen Endgeräten im Unterricht besteht gerade darin, dass sie in die Hände der Lernenden zur orts- und auch zeitunabhängigen Nutzung übergeben werden können, um damit selbstständig zu arbeiten. Die ständige Verfügbarkeit der Technologie und deren einfache Handhabung unterstützen diese Chancen sehr gut, wenngleich damit auch eine höhere Technikabhängigkeit mit Blick auf ein stetig verfügbares Internet vorliegt. Für die Institutionen selbst liegt daher die größte Herausforderung darin, neben einem funktionsfähigen W-LAN auch für die netzbasierte Verfügbarkeit und Speicherung der Lernerdaten eine passende Lösung zu finden.

Der Einsatz von Tablets stellt didaktisch wie organisatorisch für die Lernenden wie auch die Lehrenden eine Herausforderung dar. Zugleich bieten sich aber auch didaktische Potenziale, die einen guten Unterricht mit Hilfe digitaler, mobiler Endgeräte verändern und gar verbessern können. Hierbei ist besonders in der Vernetzung der Lernenden, Lehrenden und der Schule mit der Welt die größte Chance zu sehen, um in Verbindung zu bleiben – egal an welchem Ort oder in welcher Zeitzone sich Lernende wie Lehrende aktuell aufhalten.




Prof. Dr. Kerstin Mayrberger ist Professorin für Mediendidaktik an der Universität Augsburg. In Ihren Forschungsprojekten beschäftigt sie sich mit der Rolle von digitalen Medien für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen vorwiegend in formalen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Redaktion Fachmagazin Sprache
Juli 2014
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