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Interaktive Whiteboards: Hype oder Revolution im Klassenzimmer?


Interaktive Whiteboards halten rasant Einzug in Klassenzimmer und Seminarräume. Dennoch ist diese Technologie bei Lehrkräften häufig umstritten. Dabei bietet der Einsatz digitaler Tafeln viele Vorteile und eröffnet neue Optionen zur Arbeit mit digitalen Medien.

Interaktive Whiteboards (IWB) sind das derzeit angesagteste Thema im Bereich Unterrichttechnologie. Auf Bildungsmessen wie der didacta sind die Hersteller zahlreich präsent und auch bei den Verlagen spielte das Thema eine wichtige Rolle. Dabei sind IWB keine neue Entwicklung, sondern werden bereits seit mehr als zwanzig Jahren auf dem Markt angeboten. Aber erst in den letzten vier bis fünf Jahren hat in Deutschland im Bildungsbereich eine regelrechte Whiteboard-Ausstattungswelle eingesetzt. Wenngleich andere Länder – etwa Großbritannien – bereits wesentlich weiter sind. IWB sind also „in“ und heute mehr als nur eine Kombination aus einer technisch ausgestatteten Tafel und einem Beamer. Es werden jetzt auch Lösungen mit Touchdisplays oder spezielle Beamer mit integrierten IWB-Funktionen angeboten, wobei letztere eine kostgünstige und gute Variante darstellen.

Interaktive Whiteborads als universell einsetzbare Unterrichtswerkzeuge

IWB sind eine Unterrichtstechnologie, die wie kaum eine andere Lehrkräfte und Didaktiker polarisiert. Den IWB-Enthusiasten, die sich von den digitalen Tafeln eine Revolution im Klassenzimmer versprechen, steht eine zahlenmäßig größere Gruppe entgegen, die den IWB skeptisch bis ablehnend gegenüber steht.

Das Whiteboard ist zunächst einmal ein breit einsetzbares Werkzeug, das verschiedene etablierte Unterrichtstechnologien wie Tafel, Moderatorenpinnwand, Overheadprojektor, Beamer, DVD-Player usw. in einem Gerät, unter einer Oberfläche vereint und andere Visualisierungsmöglichkeiten bietet. Durch diese Kombination werden eine Reihe neuer Anwendungsszenarien in Lehr-Lernkontexten eröffnet, die zuvor nicht oder nur erschwert möglich waren. Damit einhergehend bietet es den Lehrkräften und Lernenden die Möglichkeit, digitale Inhalte kombiniert anzubieten bzw. zu verändern oder neu miteinander zu arrangieren und kann damit bei den Anwendern zur Veränderung der professionellen Medienkompetenz führen.

Das IWB ist kein Ersatz für die „alte“ Kreidetafel, sondern eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung, die den Einsatz digitaler Medien im Unterricht erheblich erleichtern und erweitern kann. Je nach eigener Medienkompetenz bedeutet dies, dass man mit dem IWB unter anderem

  • Tafelanschriebe digital anfertigen und speichern,
  • Bilder oder Filme zeigen und kommentieren,
  • Musik oder Sprache anhören und bearbeiten,
  • Webseiten betrachten und analysieren,
  • Tests und Übungen absolvieren,
  • mit Landkarten arbeiten,
  • Spiele spielen
und noch vieles mehr tun kann. Dies stellt im Unterricht für sich bereits eine Erleichterung dar, ist doch ansonsten für diese Aufgaben eine Vielzahl von Geräten erforderlich.

 

Interaktive Whiteboards erleichtern die Verwendung digitaler Medien im Unterricht

Didaktisch wird der Mehrwert bei der Verwendung der interaktiven Tafeln erst mit der Kombination verschiedener Anwendungsbereiche sichtbar, indem man etwa mit einem IWB-eigenen Screenshotprogramm Standbilder einer Filmszene erstellt und diese in ein Tafelbild integriert. Oder auch, indem man auf einem Stadtplan arbeitet, Arbeitsergebnisse dort integriert und anschließend ein kleines Übungsspiel dazu spielt. Auch zum Sammeln und Ordnen von Ideen und Teilnehmerbeiträgen eignet sich das IWB hervorragend. Darüber hinaus ermöglicht die Nutzung des IWB aber nicht nur die rasche Kombination vorhandener Medieninhalte, sondern auch die Nutzung und vor allem Integration externer Inhalte in die eigenen Unterrichtsmaterialien. Arbeitsergebnisse und Tafelbilder können gespeichert werden, um diese zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu bearbeiten. Auch eine Weitergabe an die Lerngruppe und ein späteres Aufgreifen und Weiterverarbeiten ist so leicht möglich.

Diese beschriebenen Anwendungsszenarien werden zumeist mit der vom Boardhersteller mitgelieferten Software realisiert. Sie bildet die Basis für die alltägliche Unterrichtsarbeit. Die Boardsoftware vereint Elemente aus Präsentations- und Autorenprogrammen und beinhalt Funktionen zur Nutzung des IWB als Tafel, zur Vorbereitung von Übungen sowie zur Integration verschiedener Medien. Einige Hersteller bieten zudem auch Tools an, mit deren Hilfe IWB-Funktionen in Word und Powerpoint integriert werden. Leider herrscht hier noch kein einheitlicher Standard hinsichtlich der Dateiformate vor. Das hat zur Folge, dass Material, welches für das IWB eines bestimmten Herstellers erstellt wurde, auf dem Board eines anderen Anbieters nicht verwendet werden kann. Hier lohnt ein Blick auf boardunabhängige Angebote wie Easiteach oder Open Sankoré. Neben diesen speziell für den IWB-Einsatz entwickelten Programmen eignen sich auch eine Vielzahl anderer Programme und Webtools hervorragend für den Einsatz mit dem IWB. Genannt seien hier stellvertretend das Autorentool Learning Apps und die Kartenanwendung Scribblemaps.

Interaktive Whiteboards eignen sich für Anfänger und Profis

Bei all diesen faszinierenden Möglichkeiten darf aber nicht übersehen werden, dass die Arbeit mit dem IWB entgegen der Versprechungen vieler Hersteller eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert, bis man die zweifellos vorhandenen Potenziale des IWB voll nutzen kann. Dazu gehört neben der Handhabung der Hardware vor allem der souveräne Umgang mit den Grundfunktionen der IWB-Software. Die berufsbezogene Medienkompetenz, die ein Lehrender hier benötigt, bezieht sich zum einen grundsätzlich auf die unterrichtliche Verwendung digitaler Medien und deren didaktischer Möglichkeiten, zum anderen muss man die Software mindestens in deren Grundfunktionen bedienen können, um verschiedene Medien miteinander kombinieren zu können.

Hier zeigt sich eine große Stärke dieser Geräte. Ein IWB erlaubt es einer Lehrkraft, angepasst an die eigene Medienkompetenz und den eigenen Unterrichtsstil in verschiedenen Kompetenzstufen zu arbeiten. Der Einstieg kann über die Verwendung des IWB als eine Art „Beamer deluxe“ erfolgen, um dann als digitale Tafel für (vorbereitete) Tafelanschriebe oder für Brainstorming eingesetzt zu werden. Als Einstieg bieten auch die Plattformen verschiedener Boardhersteller zahlreiche Unterrichtsmaterialien an, die zumeist kostenlos heruntergeladen, verwendet und umgestaltet werden können. Vor allem der letzte Punkt ist wichtig, da viele Materialien zu umfangreich gestaltet sind und deshalb nicht flexibel verwendet werden können. Hier empfehlen sich Materialien nach dem Baukastenprinzip, die einen zielgerechten Einsatz in unterschiedlichen Kontexten erlauben. Dafür sind dann umfangreichere eigene Anpassungsarbeiten notwendig, die das entsprechende Knowhow voraussetzen. Die professionelle Medienkompetenz kann so systematisch erweitert und weiterentwickelt werden.


Dr. Annette Schulze und Holger Meeh arbeiten im Bereich Mediendidaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen neben interaktiven Whiteboards, Lernen mit Web 2.0-Angeboten, Autorenwerkzeuge und Mobile Learning.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Redaktion Magazin Sprache
Oktober 2014
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