Interkultureller Austausch

Theater auf Deutsch: Zolala aus Rennes


Jeden Montagabend treffen sich Schülerinnen und Schüler des Lycée Émile Zola in Rennes (Frankreich), um zusammen Theater zu spielen, zu proben, zu improvisieren – und zwar in deutscher Sprache.

Ihr neues Stück heißt „Unterwegs“ und ist eine Collage aus Szenen und Improvisationen zu diesem Thema: von den ersten tastenden Erkundungen der Welt über das gehetzte oder monotone Treiben bis zum Stillstand am Ende. Leiter der Gruppe ist ihr Geschichtslehrer Raphaël Gitton. „Ich wollte etwas Neues probieren. Theaterspielen ist eine Abwechslung im Schulalltag.“ Er selbst spricht ausgezeichnet Deutsch und unterrichtet sein Fach auch in dieser Sprache. „Und komischerweise“, sagt er, „ist es für die Schüler leichter, auf Deutsch zu spielen als auf Französisch.“ Durch die Arbeit in der Theatergruppe gewinnen die Schüler unheimlich an Selbstvertrauen. „Das sagen mir manchmal auch Kollegen: Was ist denn mit dem oder der passiert? Seitdem er Theater macht, redet er im Unterricht, ist präsenter, ist einfach da.“

Unterstützung durch PASCH

Da das Lycée Émile Zola zum PASCH-Netzwerk („Schulen: Partner der Zukunft“) gehört, kann die Truppe regelmäßig bei „Théâtrallemand Vôtre“, dem deutschsprachigen Schülertheatertreffen des Goethe-Instituts Paris teilnehmen und ihre Stücke vor Publikum aufführen. Als eine der besten Schülergruppen in Südwesteuropa wurde Zolala auch schon zu anderen europäischen Festivals eingeladen. So waren sie bereits 2012 zu Gast in Turin/Italien („Deutsch in Szene“). Im Mai dieses Jahres ging es nach Tordera in Spanien, wo das Goethe-Institut ein internationales deutschsprachiges Jugendtheaterfestival zum Thema „Transit“ veranstaltete. Auch für den Lehrer war diese Begegnung mit den Jugendlichen, das gemeinsame Erleben, der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern etwas Besonders.

„Ohne PASCH wäre das alles so nicht möglich“, sagt Raphael Gitton, „denn PASCH unterstützt uns ganz klar. Und hat auch den Anstoß gegeben für das Ganze. Zu wissen, dass es die Möglichkeit gibt, Theater zu üben, mit Theaterpädagogen zu arbeiten, in allen Bereichen besondere Hilfe zu bekommen von PASCH, das hat alles möglich gemacht.“

Fragen stellen, nicht Antworten geben

Thomas (16) und Thibault (17) sind schon seit längerer Zeit bei Zolala dabei. Ist es denn nicht viel schwerer, in einer Fremdsprache Theater zu spielen? Thomas findet das nicht, denn „der Körper ist ja der gleiche. Ein bisschen Schwierigkeiten gibt es manchmal mit den Wörtern, aber wir wollen ja die Sprache lernen.“ Außerdem könne man auch immer improvisieren. Thibault findet es spannend, die Stücke aus den anderen Ländern zu sehen: „Man hat an denselben Themen gearbeitet, aber jede Gruppe hat das Thema „Transit“ anders interpretiert. Zum Beispiel gab es in den spanischen Ländern viele Stücke über die beruflichen Möglichkeiten oder die Migration oder die Flucht in die Freiheit. Ich glaube, dass das internationale Theaterfestival hilft, dass die Völker sich näher sind und sich besser verstehen. Schließlich, so Thibault, sei es wichtiger, Fragen zu stellen als Antworten zu geben. „Und ich finde es toll, mich mit Spaniern auf Deutsch unterhalten zu können!“

Lust auf mehr

Zolala wird auch in Zukunft weiter aktiv sein. „Wir würden gern einmal selbst ein Theatertreffen in Rennes organisieren. Das wäre das Beste für die Zukunft. Nicht nur auf Deutsch, sondern vielleicht auch in anderen Sprachen.“ Und die Schüler? Thomas möchte Medizin studieren und in die Forschung gehen, Thibault hat sich für ein deutsch-französisches Studium entschieden, er möchte Journalist werden – „am liebsten bei Arte!“. „Sicher werden sie auch in Zukunft Lust auf Theater haben, weil sie so schöne Erlebnisse hatten“, sagt Raphael Gitton. „Sie sind alle sehr, sehr begabt, auch wenn sie das vorher gar nicht wussten, und das ist sehr schön.“

Catharina Clemens, PASCH-Projektreferentin, Goethe-Institut Paris
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