Interkultureller Austausch

Internationaler Jugendumweltgipfel in Berlin: PASCH-Schüler aus China berichten


Mehr als 150 Jugendliche aus zehn Ländern haben sich vom 10. bis 20. Mai 2013 zum 1. Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel in Berlin getroffen.

Sie tauschten sich über Ideen und Initiativen für eine nachhaltige Lebensweise aus und entwickelten Vorschläge, wie man möglichst viele Menschen von einem umweltbewussten Handeln überzeugen könnte. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens, das die Jugendumweltbewegung youthinkgreen veranstaltet hat, gehörten auch PASCH-Schülerinnen und -Schüler aus der 10-Millionen-Metropole Wuhan in China. Hier berichten sie über ihre Erfahrungen.

Zhang Jiaweii, 16 Jahre, setzt sich für eine papierfreie Gesellschaft ein

Wir haben auf dem Nachhaltigkeitsgipfel das Papier-Recyclingprojekt vorgestellt, das wir an unserer Schule betreiben. Vor jedem Klassenzimmer – unsere Schule hat 4.600 Schülerinnen und Schüler – steht eine Sammelbox für Papier. Wir leeren diese Boxen regelmäßig und schicken das Papier weiter, sodass es wiederverwertet und zu Recyclingpapier verarbeitet werden kann. Mein Ziel ist eine papierfreie Gesellschaft, das wäre cool. So viele Dinge lassen sich über E-Mail und elektronische Wege erledigen, das könnte doch funktionieren!

Angesichts der Umweltverschmutzung in China und anderen Ländern ist es wichtig, mehr mit der U-Bahn oder dem Fahrrad zu fahren. Die vielen Fahrradwege in Berlin finde ich beeindruckend. Viele Menschen, die ich hier auf dem Nachhaltigkeitsgipfel getroffen habe, ernähren sich vegetarisch, auch das finde ich bemerkenswert.

Seit Kurzem lernen wir Deutsch in der Schule. Ich habe mich für den Kurs entschieden, weil die deutsche Technologie – und auch deutsche Autos! – bei uns einen sehr guten Ruf haben.

Yi JunRong, 17 Jahre, will weniger Fleisch essen

Mir hat an dem Treffen in Berlin gefallen, dass wir so viele Ideen und Möglichkeiten kennengelernt haben, von Nachhaltigkeit nicht nur zu reden, sondern sie auch in die Tat umzusetzen. Beeindruckend fand ich das Projekt der Gruppe aus Namibia, sie hat mithilfe einer Windmühle samt Pumpe die Wasserversorgung für ein Dorf sichergestellt.

Wir haben im Austausch mit anderen Jugendgruppen, Wissenschaftlern und Umweltaktivisten viele Anregungen bekommen, „Changemaker“ zu werden. Es geht darum, den Mut zu haben, etwas zu verändern, auch in kleinen Schritten. Ich werde mein Bestes geben, um unsere Ziele bekannt zu machen und möglichst viele Menschen für eine nachhaltige Lebensweise zu gewinnen.

Ich persönlich habe mir vorgenommen, noch mehr Strom zu sparen, keine Plastiktüten zu benutzen und weniger Fleisch zu essen. Denn die Produktion von Fleisch verursacht eine Menge Treibhausgasemissionen und ist deshalb einer der Verursacher des Klimawandels.

Berlin habe ich mir als eine Stadt mit viel mehr Hochhäusern vorgestellt, stattdessen sieht es hier fast ein bisschen wie in einem Dorf aus, mit sehr vielen Bäumen auf den Straßen. Besonders schön finde ich historische Gebäude wie Kirchen oder das Brandenburger Tor.

Shu Siqing, 16 Jahre, diskutierte mit hochkarätigen Experten

Mir ist bewusst geworden: Es geht nicht nur darum, Papier zu recyceln oder keine Plastiktüten zu benutzen. Es geht auch darum, wie wir uns ernähren und welche Kleidung wir tragen. Nachhaltigkeit ist kein Thema, das auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt ist. Wir haben uns in China gut auf den Nachhaltigkeitsgipfel vorbereitet. Unser Lehrer hat viel über das Spannungsfeld von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz gesprochen, man muss das richtige Gleichgewicht finden. Besonders toll fand ich an dem Treffen in Berlin, dass wir den vielen hochkarätigen Experten nicht nur zuhören, sondern ihnen auch direkt Fragen stellen konnten. In Workshops haben wir Ideen diskutiert und ausgetauscht.

Mein Ziel ist, gerade auch bei jüngeren Leuten für Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Lebensweise zu werben. Und anfangen werde ich gleich, wenn ich wieder zu Hause bin, bei meinem zwölf Jahre alten Bruder.

Lu Yiyang, 16 Jahre, kämpft gegen Wegwerf-Essstäbchen

Ideen präsentieren, Öffentlichkeit für Umweltschutz herstellen: Darüber haben wir beim Nachhaltigkeitsgipfel sehr viel gelernt. Ich habe auch schon ein konkretes Ziel, es hat mit den Unmengen von Wegwerf-Essstäbchen zu tun, die in China jeden Tag benutzt werden. Millionen von Bäumen werden für die Massenproduktion dieser Eingwegstäbchen gefällt. Ich will dafür sorgen, dass die Leute diese Stäbchen nicht mehr benutzen und stattdessen zu wieder verwendbaren greifen. Das ist umweltfreundlicher. Die Idee ist, Musik-, Film- oder Fernsehstars zu gewinnen, die dann für dieses Ziel werben. Außerdem könnten Slogans in Restaurants die Leute zum Umdenken bewegen, und man könnte einen Preis für das umweltfreundlichste Restaurant ausloben.

Ding Han, 15 Jahre, möchte an einem Ort mit viel Grün leben

Der Austausch mit Jugendgruppen aus der ganzen Welt über das Thema Umweltschutz hat mich auf eine Idee gebracht. Ich werde für das Recyclingprojekt an unserer Schule einen Leitfaden für richtige Mülltrennung entwickeln: Was kann man recyceln, was nicht. Es geht darum, die Leute aufmerksam zu machen. Sogar an unserer Schule wissen noch viel zu wenig Menschen von unserem Projekt.

Ich bin zum ersten Mal hier in Deutschland, habe aber zuvor schon viele Bücher darüber gelesen und Bilder gesehen. Es gibt hier sehr viele Bäume! Für meine Zukunft ist mir wichtig, an einem Ort mit viel Grün zu leben. Denn die Atmosphäre kann Menschen verändern. Das sehe ich an mir selber. Wenn die Luft gut ist und ich Grün um mich habe, habe ich viel mehr Energie!

Die Interviews führte Elisabeth Schwiontek.

Schülerinnen und Schüler der PASCH-Schulen „Mittelschule Nr. 1 der zentralchinesischen pädagogischen Universität“ in Wuhan, China und der „High School for Math, Science and Engineering“ in New York, USA nahmen am ersten Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel in Berlin teil. Schon im Vorfeld setzen sie sich mit Umweltfragen auseinander und entwickelten Projekte zum Thema Nachhaltigkeit.

Datum: 27.05.2013
Quelle: Elisabeth Schwiontek
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