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Best Practice

Frankfurt: Dank BIDS-Programm zum Studium an Main und Oder

BIDS
Ein Studium in Deutschland? Für viele Absolventinnen und -Absolventen an PASCH-Schulen ein konkretes Ziel. Auch deutsche Hochschulen wollen möglichst früh Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland für sich gewinnen. Das BIDS-Programm unterstützt sie dabei.


Die BetreuungsInitiative Deutsche Auslands- und PartnerSchulen (BIDS) verfolgt das Ziel, deutsche Hochschulen mit PASCH-Schulen im Ausland zu vernetzen. BIDS motiviert PASCH-Absolventinnen und -Absolventen, ein Studium in Deutschland aufzunehmen und unterstützt sie dabei, es erfolgreich abzuschließen.
 
Gefördert werden Maßnahmen zu Kontaktpflege und Marketing in den Zielländern wie auch an den Hochschulen in Deutschland, beispielsweise die Teilnahme von Schülern und ihren Lehrern an Informationsveranstaltungen der Hochschulen. PASCH-Absolventen an deutschen Hochschulen können im ersten Studienjahr in Deutschland monatliche Teilstipendien erhalten.
 
Im laufenden Projektjahr 2018 unterstützt BIDS 16 Hochschulen. Zwei von ihnen berichten von ihren Erfahrungen mit BIDS und geben Tipps für die Umsetzung: Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) ist mit dem BIDS-Projekt „Perspektive Viadrina“ seit der ersten Förderphase 2008 im Programm. Die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) bietet ihr BIDS-Projekt seit 2015 an. Mit ihren je ganz unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen und regionalen Schwerpunkten der Partnerregionen bieten sie einen guten Einblick in die Vielfalt des Programms.

Die ersten Schritte im BIDS-Programm

Vor einer Antragstellung steht oft die Frage „Was möchte unsere Hochschule damit erreichen?“ Eine Teilnahme am BIDS-Programm ermöglicht Hochschulen, sich mit PASCH-Schulen im Ausland zu vernetzen und möglichst früh Absolventinnen und Absolventen anzusprechen. Im Idealfall kommt es durch den frühen Informationsaustausch zu weniger Hochschulabgängen und erfolgreicheren Abschlüssen. Außerdem kann eine Projektteilnahme das eigene Profil der Hochschule schärfen, zum Beispiel bei der Internationalisierungs- und Akquisestrategie.

BIDS-Team der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder): Marco Krinowski und Theresa Weicht BIDS-Team der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder): Marco Krinowski und Theresa Weicht | © Europa-Universität Viadrina

Petra Weber (Leitung Internationale Angelegenheiten, Europa-Universität Viadrina): Die meisten deutschen Universitäten haben damals noch gar keine gezielte Akquise von Studierenden gemacht. Wir haben den Antrag im Jahr 2008 zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, welche Studierenden wir eigentlichen haben wollen. Durch unseren frühen Einstieg sind wir nun sehr viel besser aufgestellt, als es damals der Fall war – viel professioneller.

BIDS-Team der Frankfurt University of Applied Sciences: Gürkan Asci, Elisa Lange, Marion Kosmalla-Dorn und Esperanza Cesar Rocha Espinoza BIDS-Team der Frankfurt University of Applied Sciences: Gürkan Asci, Elisa Lange, Marion Kosmalla-Dorn und Esperanza Cesar Rocha Espinoza | © Frankfurt University of Applied Sciences
 
Gürkan Asci (BIDS Koordination, Frankfurt University of Applied Sciences): Am Anfang war es nicht leicht, Partnerschaften einzugehen, da viele Schulen Fachhochschulen nicht als adäquate Hochschulbildungsstätten sahen. Da war das Interesse anfangs sehr gering. Durch Beteiligung der Alumni wurden aber schnell Kontakte geknüpft. Heute haben wir eine so hohe Nachfrage nach Kooperationspartnerschaften, dass wir sie aus Kapazitätsgründen nicht immer bedienen können.

Welche Kriterien sind bei der Wahl der Partnerschulen und Zielregionen wichtig?

In der Auswahl ihrer Partnerschulen und Zielregionen sind die teilnehmenden Hochschulen frei. Meist entstehen Kooperationen durch schon bestehende persönliche Kontakte: Durch engagierte Alumni, international vernetzte Professoren oder andere Kontakte ins Ausland. Für viele Hochschulen ist es außerdem wichtig, die Zielregionen der BIDS-Maßnahmen mit den eigenen Internationalisierungs- und Akquisestrategien abzustimmen. Die Zielländer sollten im besten Fall zum allgemeinen Hochschulprofil passen.
 
Frau Weber: Unsere Hochschule arbeitet vor allem mit PASCH-Schulen in Bulgarien, Polen, Russland und der Ukraine zusammen. Die akademische Ausrichtung unserer Hochschule liegt auf Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Jura. Wir haben diese Länder ausgewählt, weil die Zusammenarbeit von wissenschaftlichem Interesse ist.

Herr Asci: Der Fokus unserer Fachhochschule liegt in naturwissenschaftlichen Fächern. Wir stellten uns die Frage: In welcher Region dieser Welt werden Ingenieurswissenschaften und MINT-Fächer hochgehalten? Da war für uns ganz klar, Lateinamerika würde passen. Auch die Mentalität der Schüler passt – die suchen oft Hochschulen, die eine intensive Betreuung anbieten. Als Fachhochschule können wir ein sehr gutes Betreuungsmodell anbieten.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Partnerschulen im Ausland?

Das A und O einer funktionierenden Zusammenarbeit ist die kontinuierliche Kontaktpflege. Mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort persönlich zu sprechen ist entscheidend. Hierfür bietet das BIDS-Programm kurzzeitige Informations- und Kontaktreisen von deutschen Hochschulangehörigen und Multiplikatoren, wie etwa Studien- und Berufsberatungslehrkräften, an. Auch Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel mit einer Website, Flyern oder Social Media-Aktivitäten, ist hilfreich. Maßnahmen wie ein Botschafterprogramm, Messeauftritte in den Ländern oder Unterstützung von Sprach-Olympiaden tragen dazu bei, intensiven Kontakt zu den Schulen zu halten.

Info-Veranstaltung für das BIDS-Programm
 
Frau Weber: Die Zusammenarbeit ist ganz unterschiedlich: Bei manchen kennen wir die Lehrkräfte schon sehr gut und man kennt sich persönlich. Bei anderen funktioniert das nicht so gut, aber da kann man dann über die Kontaktpersonen bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen oder beim DAAD gehen, um die Schulen explizit anzusprechen. Eine langjährige Zusammenarbeit zahlt sich definitiv aus. Aber dafür müssen eben auch Ressourcen eingesetzt werden, sowohl personell als auch finanziell.
 
Herr Asci: Für uns ist es wichtig, dass wir aus unseren Zielländern nicht nur rekrutieren – es soll ein Netzwerk entstehen und das baut sich gerade auf. Netzwerke helfen später auch bei anderen Projekten. Der ganze Aufwand mit Messebesuchen und persönlichen Austauschformaten rentiert sich definitiv.

Warum ist es für Hochschulen wichtig, Absolventinnen und Absolventen von PASCH-Schulen anzusprechen?

PASCH-Schülerinnen und -Schüler sind schon vor dem Studium an der deutschen Sprache und Kultur interessiert. Außerdem genießen PASCH-Schulen in ihren Ländern ein hohes Ansehen und sind oft sehr gut aufgestellt in der Ausbildung ihrer Deutschlernenden. Frau Weber und Herr Asci sind sich einig, dass die Absolventinnen und Absolventen von PASCH-Schulen oft sehr leistungsstark sind und deutsche Hochschulen mit ihrem Aufenthalt bereichern.
 
Frau Weber: Die Abschlüsse der Stipendiatinnen und Stipendiaten sind oft überdurchschnittlich gut. Sie sind sehr motiviert und wissen, worauf sie sich einlassen: Wenn sie bei einem Schnupperstudium in Deutschland waren, erleben sie vor Ort, wie der Unialltag ist. Ist es wirklich das, was ich möchte? Ist das Studienfach so, wie ich es mir vorstelle? Sie haben eine realistischere Vorstellung davon, wie es ist, im Ausland zu studieren und sie sind extrem gut vorbereitet.
 
Herr Asci: Wir hatten früher nicht so einen hohen Anteil von Studieninteressierten aus Lateinamerika. Wir bekommen eine ganz neue Gruppe an unsere Fachhochschule, die sprachlich schon sehr gut vorbereitet ist und ein sehr großes Interesse für das Technische hat.

Was macht das BIDS-Programm für PASCH-Absolventinnen und -Absolventen attraktiv?

BIDS-Info-Veranstaltung

Ein besonderes Erlebnis des BIDS-Programms sind die Schnupperwochen: Die Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen erhalten sehr gebündelt die notwendigen Informationen über ein Studium in Deutschland. Sie lernen persönlich und authentisch den Hochschulalltag kennen und können ihre eigenen Erwartungen mit der Realität abgleichen. Außerdem erhalten sie die Möglichkeit, mit Studierenden und Alumni an der Universität zu sprechen. Nicht zuletzt verbessern sie durch diesen Aufenthalt auch ihre Fach- bzw. Deutschkenntnisse. Die Deutschlernenden begegnen den Ansprechpersonen und haben so schon Kontakte an der Uni. Das nimmt ihnen viele Ängste. Auch das zweisemestrige Motivationsstipendium ist eine tolle Möglichkeit für die Programmteilnehmenden, in Deutschland Fuß zu fassen.
           
Frau Weber: Das Motivationsstipendium im Rahmen von BIDS bietet eine sehr enge Betreuung – das beinhaltet zum Beispiel eine gute Anbindung an das International Office oder die Teilnahme an Veranstaltungen. Außerdem nimmt das Motivationsstipendium die finanziellen Sorgen im ersten Jahr. Im zweiten Jahr ist es oft schon leichter, einen Nebenjob zu finden.
 
Herr Asci: Wir bieten unseren Motivationsstipendiatinnen und -stipendiaten eine „Rund um Betreuung“. Wir zielen nicht unbedingt auf die Masse, sondern auf eine intensive Betreuung, was ja auch den Studienerfolg bringen soll.

Welche Probleme oder Hürden können auftreten?

Herr Asci: Die Wohnungssuche stellt oft die erste Herausforderung dar. In vielen deutschen Städten ist die Wohnungssituation angespannt. Daher bieten wir den Stipendiaten Unterstützung bei der Wohnungssuche: Wenn die Absolventinnen und Absolventen in Frankfurt am Main ankommen, haben sie meist schon ein Zimmer zur Verfügung. Außerdem kann – je nach Partnerregion – die Finanzierung eines Studiums in Deutschland schwierig sein.
 
Frau Weber: Gerade in der Ukraine und in Russland ist das Einkommen nicht sehr hoch. Für die Eltern bedeutet es eine große Belastung, wenn die Kinder im Ausland studieren. Viele haben nach der Anfangsfinanzierung von einem Jahr Probleme mit der Weiterfinanzierung des Studiums. Da sehen wir uns auch in Pflicht, ihnen auch darüber hinaus behilflich zu sein, zum Beispiel bei der Jobsuche.
 
Herr Asci: BIDS bietet auch Probestudienwochen in Deutschland. Doch manchmal ist eine Freistellung der Schülerinnen und Schüler hierfür schwierig. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Maßnahmen auf den Schulalltag und auf die Bedürfnisse der Schulen im Ausland abgestimmt sind, damit sie mit deren Terminplanung und mit dem Ablauf des Schuljahres zusammen passen.

Zum Schluss: Welche Tipps möchten Sie Hochschulen mitgeben, die am BIDS-Programm interessiert sind?

Herr Asci: Ich kann nur den Rat geben, dass man vorab feststellt, ob es an der Hochschule schon Alumni von PASCH-Schulen gibt und mit ihnen ins Gespräch kommt. Das macht vieles einfacher, vor allem wenn man Kontakte zu den Schulen aufbauen will. Wichtig ist auch, dass man eine ansprechende Öffentlichkeitsarbeit hat.
 
Frau Weber: Wichtig sind regelmäßige persönliche Kontakte mit Schulen. Außerdem empfehle ich den Fokus auf ausgewählte Länder und vielleicht auch bestimmte Schulen zu legen. Bei größeren Universitäten wäre es auch vorstellbar, den Fokus auf einzelne Fachbereiche zu legen, um das eigene Profil gut wiederzugeben.

Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Mit rund 6.500 Studierenden aus derzeit 107 Ländern liegt der Anteil internationaler Studierender an der Universität bei fast 25 Prozent. Zielländer sind Bulgarien, Polen, Russland und die Ukraine. Die akademische Ausrichtung liegt auf Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Jura.

Frankfurt University of Applied Sciences
Der Anteil der ausländischen Studierenden liegt bei 25 Prozent. Die Fachhochschule ist seit 2015 in der BIDS-Förderung. Ihr regionaler Schwerpunkt liegt in Lateinamerika mit den Partnerländern Argentinien, Brasilien, Chile, Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua und Uruguay. Die akademische Ausrichtung liegt bei den technischen Studiengängen und Ingenieurswissenschaften. 
 
Rebekka Köhler
PASCH-net-Redaktion
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