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DAAD-Stipendien – beste Forschungsbedingungen in Deutschland

Qixuan Yang hält eine Rede bei der Podiumsdiskussion der Fremdsprachenschule Xiamen, 2016.
Für Qixuan Yang war schon beim Besuch seiner PASCH-Schule klar, dass er in Deutschland studieren möchte. Ein Vollstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat ihm das ermöglicht. Seine Empfehlung: detaillierte Vorbereitung und ein gutes Motivationsschreiben.


In der zehnten Klasse hat Qixuan Yang angefangen, deutsche Zeitungen zu lesen, um sich auf ein Studium der Sozialwissenschaften in Deutschland vorzubereiten. Die Inspiration dazu kam von seinem Deutschlehrer, der nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch Wissen über Geschichte, Kultur und Politik vermittelte. Gerade hat Yang seine Bachelorarbeit in Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz abgegeben.

Für das Bachelorstudium wurde er drei Jahre lang mit einem Vollstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gefördert. Der DAAD hat 2008 im Rahmen der PASCH-Initiative die Zahl der Stipendien für ein Vollstudium in Deutschland von jährlich 60 auf 120 verdoppelt. Damit waren in der laufenden Förderung zum Wintersemester 2015/16 rund 550 Stipendiatinnen und Stipendiaten im Programm. Für Qixuan Yang bot dies die Möglichkeit, direkt nach seinem Abschluss an der Fremdsprachenschule Xiamen, an der er auch das Deutsche Sprachdiplom (DSD) II der Kultusministerkonferenz ablegen konnte, ein Studium in Deutschland zu beginnen.

Was hat Sie bewegt, ein Studium in Deutschland zu beginnen?

Da gibt es zwei Gründe: Ich habe eine Fremdsprachenschule besucht, an der das DSD-Sprachdiplom angeboten wird. Durch PASCH wird der deutsche Sprachzweig sehr gut gefördert, weshalb ich mich für Deutsch entschieden habe, weil man nur hier bis zum Sprachniveau C1 kommen kann. Das ist auch die Voraussetzung, um in Deutschland zu studieren. Eine andere Motivation ist, das Deutschland wirtschaftlich stark und damit ein attraktives Land ist. Und dann kam auch die Möglichkeit, ein DAAD-Stipendium zu bekommen, ein Programm, das es in anderen Ländern so nicht gibt.

Der zweite Grund ist mein Fach Politikwissenschaften. Da ist in China das Forschungsspektrum einfach nicht so breit. In Deutschland habe ich als Akademiker einen viel umfassenderen Zugang zu öffentlichen Daten, zum Beispiel vom Bundespresseamt, Umfragen, die die Bundesregierung selbst gemacht hat. Diese Daten ermöglichen mir zum Beispiel, den Effekt der öffentlichen Meinung auf Bundeskanzlerin Merkels politische Positionen zu erforschen. Diese Forschungsfreiheit, die leider noch keine Selbstverständlichkeit in meinem Heimatland ist, hat mich sehr fasziniert.

Wie war Ihre erste Zeit in Konstanz?

Ich habe 2014 mein Studium in Konstanz begonnen und war schon einen Monat vorher hier, um die ganze Bürokratie zu erledigen und etwas zu reisen. Dann habe ich am Orientierungsprogramm der Uni Konstanz teilgenommen. Es war gut, diese Zeit vorher zu haben, um anzukommen. Sprachlich hatte ich kaum Schwierigkeiten. Nur mit Jugendsprache oder Namen von Lebensmitteln im Supermarkt kannte ich mich nicht so gut aus. Solche Kleinigkeiten waren mir noch fremd.
 
Auch zwischenmenschliche Beziehungen sind anders als in China. Da musste ich mich erst dran gewöhnen, als ich mit 18 Jahren, direkt nach der Schule, hier ankam. Wenn man jung ist, kann man sich aber leichter integrieren. In China haben wir uns eher in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel Einkaufszentren getroffen, was üblich ist unter den chinesischen Jugendlichen, die in großen Städten leben. Mit meinen Kommilitonen in Baden-Württemberg besuchen wir uns eher gegenseitig zu Hause. Es ist ganz anders für mich, aber es gefällt mir auch.
 
Was auch ganz anders ist, sind Vereine und Verbände in Deutschland. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig für ausländische Studierende. Wenn man sich schnell integrieren möchte, sollte man sich einem interessanten Verein anschließen. Ich engagiere mich bei United Nations Association Konstanz e. V. (Model United Nations). Zusammen organisieren wir Konferenzen und Planspiele zum Thema Vereinte Nationen. Da habe ich gute Freunde gefunden, die meine Interessen teilen.

Wie hat der Besuch einer DSD-Schule Ihren bisherigen Lebensweg bestimmt? 

Ich wollte an einer Fremdsprachenschule nicht nur Englisch lernen und Deutsch war einfach das beste Programm. Es baut sehr gut aufeinander auf, zuerst das DSD-Programm und dann das DAAD-Stipendium. Außerdem gibt es zum Beispiel Wettbewerbe wie die Deutscholympiade und seit Neuestem auch Jugend debattiert. Das ist eine tolle Gelegenheit, die Sprachfähigkeiten weiterzuentwickeln und sich über die eigene Stadt hinaus mit anderen Schülerinnen und Schülern auszutauschen.

Welche Schritte haben Sie als nächstes geplant und welche Rolle spielt Deutsch dabei? 

In den nächsten zwei Monaten wird sich entscheiden, ob ich im Masterstudiengang Social and Economic Data Analysis eher Richtung Computer Science gehe oder in die Wirtschaftswissenschaften. Aber eigentlich möchte ich gern interdisziplinär forschen. Das ist nicht nur akademisch gut, sondern auch beruflich hilfreich. Wenn ich nach dem Master dann akademisch arbeiten sollte, möchte ich das am liebsten in den USA machen. Der Forschungsstandard ist dort einfach hervorragend. Wir haben in Deutschland auch hochkompetente Professoren, aber in den USA gibt es eine noch breitere Auswahl der Forschungsmöglichkeiten. Ich schreibe jetzt schon fast alles auf Englisch, aber es wäre wohl besser, eine Weile im englischsprachigen Raum zu leben. Die USA sind aber jetzt gerade aufgrund der politischen Turbulenzen auch etwas weniger attraktiv als früher.
 
Wenn ich außerhalb der Wissenschaft einen Job suche, möchte ich gerne im deutschsprachigen Raum in die Politikberatung zu gehen. Ich kann mir gut vorstellen, in Deutschland zu bleiben, vielleicht lieber in Berlin. Dort habe ich bereits mein Pflichtpraktikum im Bundespresseamt und einer Politikberatungsfirma absolviert und es hat mein Interesse in diesem Feld geweckt. So oder so werde ich nach dem Master dann fünf Jahre in Konstanz gewesen sein und würde gerne in eine größere Stadt gehen.

Was bedeutet die deutsche Sprache für Sie persönlich? 

Meine Eltern können gar keine Fremdsprachen, und als ich Deutsch gewählt habe, habe ich noch nicht viel über die Sprache und die Kultur gewusst. Mein ganzes Interesse an deutscher Sprache und Kultur wurde erst danach geweckt. Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und wir hatten sehr gute Lehrkräfte, die neben der Sprache auch immer einen gewissen kulturellen Kontext vermittelt haben.
 
Sie waren aber auch sehr streng, vor allem ein Lehrer aus Deutschland, der wirklich jeden grammatikalischen Fehler korrigiert hat. Das Format seines Unterrichts war aber wirklich gut. Wir haben über Themen wie Demokratie, das Grundgesetz oder Energiewende gesprochen. Solche Diskussionen waren sehr aktuell und haben mich auch zur Wahl der Politikwissenschaften als Studienfach inspiriert. Es hat mich also unheimlich beeinflusst, dass Deutschland das Deutsch lernen sehr stark auch im Ausland fördert.

Welche Tipps und Erfahrungen möchten Sie anderen DSD-Schülerinnen und -Schülern mitgeben, die in Deutschland studieren möchten?

Eine gute Vorbereitung ist auf jeden Fall, das Fachinteresse so früh wie möglich festzustellen. Das gilt aber eigentlich für alle Studierenden. Aber für ausländische Studierende ist es noch wichtiger, weil wir mehr unter Druck stehen. Wenn ich zum Beispiel mein Studium unterbrechen würde, dann wäre es schwierig, meine Aufenthaltsgenehmigung zu behalten. Außerdem studiert man ja nicht nur für einen Beruf, sondern um sein Interesse zu verfolgen.
 
Inhaltlich und sprachlich hat es mir aber vor allem geholfen, ab der 10. Klasse jede Woche deutschsprachige Zeitungen zu lesen – den Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und andere. Ohne diese sehr bewusste Vorbereitung wäre es mir am Anfang doch sehr schwer gefallen. Da wusste ich aber schon, dass ich etwas im Bereich Sozialwissenschaften studieren möchte.

Ein weiterer Tipp ist eine gute und detaillierte Recherche, zum Beispiel darüber, wie man sich hier bewerben muss. Auch Kleinigkeiten wie die Prüfungsordnung können wichtig sein, damit man eine qualitative Entscheidung für eine Universität treffen kann. Ich habe zu sieben bis acht Universitäten sehr detailliert recherchiert, eine Tabelle gemacht und Indikatoren und Eckdaten verglichen. Am Ende habe ich mich dann für Konstanz entschieden. Und man muss eine gute Idee für das Motivationsschreiben für das DAAD-Förderprogramm und die Universitäten entwickeln. Die Leute, die sich um ein Stipendium bewerben, haben alle gute Noten. Das bedeutet, dass das akademische Interesse und die Zukunftsaussicht der Stipendiatinnen und Stipendiaten den Unterschied macht.
   
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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