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PAD-Preisträgerprogramm – eine neue Familie in Deutschland

Kabuba Masule bei einer Veranstaltung am Goethe-Institut Windhoek | Filmstill aus Digital Afros, Oshosheni Hiveluah
Kabuba Masule aus Namibia ist als Stipendiatin des Internationalen Preisträgerprogramms des PAD nach Deutschland gereist. Der Kontakt zur deutschen Gastfamilie bestärkt sie nun darin, nach der Schule ein Studium in Deutschland zu beginnen.


Jedes Jahr lädt der Pädagogische Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz 450 Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen aus rund 90 Ländern ein, die sich im Fach Deutsch besonders ausgezeichnet haben. Sie reisen mit dem Internationalen Preisträgerprogramm für vier Wochen nach Deutschland. Dort lernen sie verschiedene Städte kennen und leben für zwei Wochen in einer Gastfamilie. Für viele von ihnen ist es nicht nur ein unvergesslicher Aufenthalt, sondern auch ein weiterer Schritt auf einem Bildungsweg, auf dem Deutsch eine wichtige Rolle spielt.

Kabuba Masule (18) aus Windhoek in Namibia hat die vom Goethe-Institut betreute Fit-Schule St. Paul's College besucht und 2016 am PAD-Preisträgerprogramm teilgenommen.

Was bedeutet der Deutschlandaufenthalt mit dem Internationalen Preisträgerprogramm des PAD für Ihr Leben?

Kabuba: Für mich war es eine sehr tolle Gelegenheit, um mein Deutsch zu verbessern. Und das hat sogar noch viel besser geklappt, als ich es mir erhofft hatte. Außerdem habe ich viele neue Freundschaften geschlossen, mit den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern und vor allem mit meiner Gastfamilie. Es war eine tolle Erfahrung in dem Drei-Generationen-Haus mit Töchtern, Eltern und der Großmutter zu wohnen. Wir sind auch jetzt noch immer in Kontakt und schreiben über WhatsApp zusammen. Wenn ich mein Studium in Deutschland aufnehme, möchte ich sie oft besuchen und sie möchten mich auch hier in Namibia besuchen. Es ist schön, zu wissen, dass ich mit der Familie einen Anlaufpunkt in der Nähe habe. All das zusammen hat mich darin bestätigt, mein Studium auf jeden Fall in Deutschland zu machen.

Kabuba Masule mit anderen Preisträgerinnen und Preisträgern in Schloss Nymphenburg in München.

Was waren die wichtigsten Erlebnisse während Ihrer Zeit in Deutschland?

Während der Reise mit den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern waren die Länderabende besonders toll. Wir haben uns gegenseitig unsere Kulturen vorgestellt und traditionelle Tänze oder Essen aus verschiedenen Ländern kennengelernt. Wir hatten eine tolle Zeit, obwohl wir zuerst nur gemeinsam hatten, das wir alle Deutsch sprechen. Mit meiner Gastfamilie habe ich auch einige Ausflüge gemacht, zum Beispiel nach Göttingen, da wollte ich schon immer hin, weil ich die Gänseliesel so gerne mag. Das ist eine Statue auf dem Marktplatz, die von Studierenden nach Abschluss ihres Studiums geküsst und mit Blumen geschmückt wird. Das ist eine tolle Geschichte und es war schön, sie zusammen mit meiner Gastfamilie zu besuchen und diesen Tag zu erleben.

Wie hat der Besuch einer Fit-Schule Ihren bisherigen Lebensweg beeinflusst?

Es gibt verschiedene Schulen in Windhoek, an denen man Deutsch lernen kann. Aber meine Schule arbeitet mit PASCH am Goethe-Institut zusammen und wir können dort zum Beispiel das Goethe-Zertifikat A2: Fit in Deutsch machen. Darum konnte ich auch an dem Sprachwettbewerb teilnehmen, bei dem ich den Aufenthalt mit dem PAD gewonnen habe. Da ich Deutsch schon in der Grundschule hatte und dort sehr gut war, hätte ich Deutsch auch an einer anderen Schule gewählt. Trotzdem wollte ich eigentlich in England studieren. Durch den Besuch der Fit-Schule hatte ich aber die Möglichkeit, Deutschland besser kennenzulernen. Nur so habe ich meine Gastfamilie getroffen und mich endgültig für ein Studium in Deutschland entschieden.

Was bedeutet die deutsche Sprache für Sie?

Deutsch ist eine besondere Sprache. Es gibt viele Leute hier, die Deutsch gelernt haben. Das ist sehr praktisch, weil viele Deutsche nach Namibia kommen und sich immer wieder Gelegenheiten bieten, Deutsch zu sprechen. Eine meiner besten Freundinnen ist Deutsche, ihre Mutter kommt aus Hamburg. Mit ihr übe ich Deutsch und es motiviert mich, dass wir zusammen Deutsch sprechen können. Sie hilft mir auch sehr und wenn ich Wörter nicht kenne, kann ich sie immer fragen.

Welche Tipps und Erfahrungen möchten Sie anderen Schülerinnen und Schülern mitgeben, die auch gerne ihr Deutsch weiter nutzen und verbessern möchten?

Wenn man eine Sprache lernt, ist es so, wie wenn man einen Muskel aufbauen möchte: Man muss täglich üben und jeden Tag ein bisschen Deutsch in den Tag integrieren. Das heißt nicht, dass ich ein langes Grammatikarbeitsblatt durcharbeite, sondern zum Beispiel deutsche Lieder höre. Man muss es mit Spaß verbinden. Zum Beispiel schreibe ich gerne Gedichte und seit einiger Zeit schreibe ich auch auf Deutsch. Oder ich schaue deutsche Serien. Wenn ich Deutsch jeden Tag höre und ein bisschen schreibe, dann bringt mich das immer weiter.

Welche Schritte haben Sie als nächstes geplant und welche Rolle spielt Deutsch dabei?

Nach dem Abitur möchte ich gerne ein Studienkolleg besuchen und dann unbedingt in Hildesheim Logopädie studieren. Ich möchte den Menschen dabei helfen, sich beim Sprechen sicherer zu fühlen. Dabei möchte ich gerne auch ein bisschen Arbeitserfahrung in Deutschland sammeln. Danach möchte ich vielleicht nach Namibia zurückkehren und hier arbeiten.
 
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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