Best Practice

Lehrerfortbildung – Residenzen im Deutschunterricht

Barbara Bresslau mit den Lehrkräften vom Akademischen Lyzeum Nr. 2 in Samarkand.
Trainerin Barbara Bresslau hat vier Wochen lang den Deutschunterricht am Akademischen Lyzeum Nr. 2 in Samarkand begleitet. Im Interview spricht sie über das Konzept eines langfristigen unterrichtsbegleitenden Fortbildungsformats.


Barbara Bresslau Zum ersten Mal hat das Goethe-Institut Usbekistan in diesem Frühjahr ein langfristiges Residenzprogramm organisiert, bei dem drei Fortbildnerinnen für einen Monat den Deutschunterricht an je einer PASCH-Schule begleiteten. Ziel war es, die Lehrkräfte dabei zu unterstützen, Methoden aus Theorie und Fortbildungen aktiv im Unterricht anzuwenden und im persönlichen Feedbackgespräch zu evaluieren.

Die Germanistin und Fremdsprachenpädagogin Barbara Bresslau besuchte vier Wochen lang das Akademische Lyzeum Nr. 2 bei der Staatlichen Universität Samarkand, um dort mit den sechs Deutschlehrkräften zu arbeiten. Auch für sie war es der erste langfristige Trainingsaufenthalt an einer Schule.

Hospitation, Modellunterricht, Teamteaching – was können diese Methoden zur Fortbildung von Deutschlehrkräften leisten? Und was nicht?

Hier sollte man zunächst zwischen verschiedenen Methoden der unterrichtsbegleitenden Fortbildung unterscheiden. Der erste Schritt ist die Hospitation im Unterricht. Dabei sitze ich als Fortbildnerin mit im Klassenraum und schaue mir an, was passiert. Wie ist die Lernatmosphäre? Wie ist das Zusammenspiel der Lehrkraft mit den Schülerinnen und Schülern? Die Jugendlichen in Usbekistan habe ich dabei ganz anders erlebt, als die europäischen, viel braver und disziplinierter. Außerdem gibt es eine große Konkurrenz in der Klasse. Die Lehrkraft ist eine Respektsperson und man macht, was sie sagt. Das ist für die Lehrkraft natürlich erst einmal sehr angenehm. Der Unterricht läuft in der Regel frontal ab. Dazu möchten wir im Training methodische und didaktische Alternativen aufzeigen.

Als nächsten Schritt könnte ich dann im Modellunterricht andere Unterrichtsmethoden zeigen, während die betreffende Lehrkraft dabeisitzt und zuschaut. Das finde ich wenig nachhaltig, weil die Person die Methoden dabei nicht selbst anwendet und erlebt. Daher mache ich nur selten Modellunterricht, vor allem, weil die Lehrkraft die Klasse viel besser kennt und auch jedes Land seine eigenen Lehr- und Lerntraditionen hat. Außerdem hat jeder seine eigene Lehrerpersönlichkeit und es liegen nicht jeder Person alle Vermittlungsmethoden.

Daher nutze ich lieber das Teamteaching, bei dem gemeinsam unterrichtet wird. Als Fortbildnerin übernehme ich dabei abwechselnd mit der Lehrkraft kurze Einheiten im Unterricht. Wir besprechen vorher detailliert, welche, wie und warum wir eine Methode für einen bestimmten Inhalt einsetzen. Nach dem Unterricht wird dann evaluiert, wie gut etwas funktioniert hat. Ziel ist dabei vor allem, die Schülerinnen und Schüler zu aktivieren, sodass sie im Unterricht mehr miteinander sprechen. Da gibt es große Unterschiede zwischen den Lehrkräften. Einige machen das von sich aus schon, andere brauchen noch mehr Tipps und Input, wie sie die Schülerinnen und Schüler aktivieren können. Es ist in allen Ländern und Klassen sehr schwer, als Lehrkraft aus dem Mittelpunkt rauszukommen, weniger zu steuern. Die Schülerinnen und Schüler müssen erst lernen, selbst aktiv zu werden und sich Informationen zu holen.

Rapunzel im Deutschunterricht

Wie bauen Sie das Verhältnis zur Lehrkraft und zu den Klassen auf?

Bevor ich in den Unterricht gehe, stelle ich mich zuerst den Lehrkräften vor, erkläre das Programm und die Ziele. Ich sage auch, dass es zwar eine Kontrolle, aber keine Prüfung im eigentlichen Sinne ist. Ich weiß genau, dass ich mich auch kontrolliert fühlen würde, wenn jemand in meinem Unterricht säße. Trotzdem wollen wir am Ende keine Note geben, sondern eher eine Empfehlung für weitere Fortbildungen aussprechen. Die Idee ist Hilfestellung und nicht Tadel und so verlaufen auch die Nachbesprechungen des Unterrichts.

Im nächsten Schritt gehe ich mit in die Klasse, setze mich in eine Ecke, wo ich nicht so sichtbar bin und überlasse es der Lehrkraft, mich vorzustellen. Denn auch für die Schülerinnen und Schüler ist das eine gewisse Kontrolle. Und ob ich am Anfang in den Unterricht eingebunden werde, entscheidet die Lehrkraft auch selbst. Manche nutzen das direkt, um mich bei Wortschatzfragen oder Landeskundefragen einzubeziehen, andere lassen mich erst einmal zuschauen.

Das Verhältnis hat natürlich auch damit zu tun, wie gut man sich als Mensch versteht und wie sehr die Schul- oder die Fachleitung hinter dem Training steht. Ich kannte zum Beispiel den PASCH-Ansprechpartner an der Schule schon und wir verstehen uns sehr gut. Das ist ein super Start, wenn man nicht die „Fremde“ ist, die da einfach so ankommt, sondern persönlich vorgestellt wird. Auch das dreitägige Auftaktseminar hat dabei sehr geholfen, im Vorfeld eine gemeinsame Arbeitsebene aufzubauen. Da kamen zum Beispiel interkulturelle Fragen zur Sprache. Was sind Fettnäpfchen oder Themen, die nicht so gut ankommen? Auch die Rollen von Männern und Frauen sind in Usbekistan sehr unterschiedlich. Da ist es sehr wichtig, diese vorher zu kennen.

Was sind die größten Herausforderungen bei einem so langen Coachingprogramm?

Vier Wochen sind ein langer Zeitraum. Ich bin selbstständig und habe keine Kinder, was die Sache sehr erleichtert. Trotzdem ist es auch hart, so lange in einer anderen Umgebung zu sein, in der man die Sprache nicht versteht. Aber es ist auch spannend. Für ein Teamteachingprogramm mit sechs Lehrkräften sind vier Wochen aber trotzdem eigentlich zu kurz. Ideal wäre es, vier Wochen Programm zu machen, dann eine Pause und wieder zu Hause zu sein und dann wieder für einen Monat hinzufahren. Das wäre auch sehr nachhaltig, um zu schauen, was von dem Training hängen bleibt. So eine längere Betreuung wäre wirklich ideal als Modell.

Worauf sollten Organisatoren, Trainer und Lehrkräfte besonders achten, wenn sie Fortbildungsresidenzen durchführen möchten?

Für die Trainer ist es wichtig, dass sie offen und neugierig sind und auch respektieren, dass es in jedem Land eigene Lehr- und Lerntraditionen gibt. Man kann nicht einfach hingehen und der Besserwissertyp sein, der die ultimative Methode hat. Toll ist es, wenn man die Beteiligten schon kennt und einfach eine gute Verbindung hat.

Von organisatorischer Seite her ist es wichtig, dass die Unterkunft stimmt und man als Trainer ein bisschen Freiraum hat. Wenn man zum Beispiel für vier Wochen im Hotel untergebracht wird, ist es schön, wenn das Zimmer nicht winzig ist. Auch die Logistik sollte geklärt sein: Wie kommt man zur Schule? Kann man zu Fuß gehen oder den Nahverkehr nutzen? Die Rahmenbedingungen sollten stimmen, damit man sich als Trainer auf seine Arbeit konzentrieren kann. Dazu gehört auch eine funktionierende Internetverbindung, damit man gut arbeiten und Kontakt nach Hause halten kann. Eine SIM-Karte für das Land ist auch gut, um Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen in der Schule oder am Goethe-Institut zu halten. Auch Kleinigkeiten, wie Informationen zu Preisen in dem Land etc. sind schön, damit man als Trainer den Kopf frei hat für die Aufgabe.

Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net


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