Best Practice

Schulpartnerschaften – Tipps und Erfahrungen aus der Praxis

Lehrerin Mareike Raabe mit ihren indischen Kolleginnen beim Schüleraustausch in Gelsenkirchen.
Sie möchten eine Schulpartnerschaft beginnen und wissen nicht wie? Drei deutsche Lehrkräfte erzählen von ihren Partnerschaften mit Indien, der Ukraine und Südafrika und geben Tipps für Start und Durchführung.


„Hast du deinen Impfausweis, die Gastgeschenke, den Schlafanzug?“ fragen die Eltern vor der Abreise noch einmal, aber ihre Kinder reden viel lieber über die Gastfamilien oder die Schule im Ausland, die sie nun für ein paar Wochen besuchen werden. Für Eltern und Jugendliche geht das Abenteuer Schüleraustausch gerade erst los. Die betreuenden Lehrkräfte hingegen stecken bereits seit Monaten mittendrin in der Organisation von Reise, Programm, Versicherung, … im besten Fall unterstützt durch den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz.

Der PAD fördert Partnerschaften zwischen Schulen in den Schwerpunktregionen der PASCH-Initiative und Schulen in Deutschland. Die Fördermaßnahmen umfassen Zuschüsse zu vorbereitenden Besuchen, zu den Fahrtkosten für ausländische und für deutsche Schülergruppen sowie Zuschüsse zu den Kosten, die in Zusammenhang mit einem gemeinsamen Projekt entstehen. Doch alle Programme leben vom unermüdlichen Engagement der Lehrkräfte an den beteiligten Schulen, ihren Ideen und von vielen, oft ehrenamtlich geleisteten, Stunden Vorbereitungsarbeit. Drei Lehrkräfte haben PASCH-net erzählt, wie alles begann, worauf sie besonders achten und geben Tipps für neue Schulpartnerschaften.

Der erste Kontakt – Partnerschulnetz.de und persönliche Kontakte

Mareike Raabe, Lehrerin und Koordinatorin von internationalen Projekten an der Gesamtschule Ückendorf in Gelsenkirchen koordiniert eine Schulpartnerschaft mit der vom Goethe-Institut betreuten PASCH-Schule Modern High School for Girls in Kolkata, Indien. Auf der Suche nach einer Partnerschule ist sie im Internet auf die Schulpartnerbörse der PASCH-Initiative www.partnerschulnetz.de gestoßen und hat dort ein Gesuch aufgegeben. Nach einem ersten Kontakt per E-Mail konnte Raabe schnell mit zwei Kolleginnen zu einem vom PAD geförderten Vorbereitungsbesuch nach Kolkata aufbrechen. Eine tolle Gelegenheit, so Raabe, um das Austauschprojekt gemeinsam zu planen und sich dabei persönlich kennenzulernen.

Ein gutes Verhältnis zwischen den betreuenden Lehrkräften zählt auch Alexander May zu den wesentlichen Kriterien für einen gelungenen Schüleraustausch. Er ist Mittelstufenkoordinator und Leiter der Fachkonferenz Deutsch am Burgau-Gymnasium Düren und koordiniert den Austausch seiner Schule mit der von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) betreuten PASCH-Schule Gymnasium Nr. 167 Kiew in der Ukraine. Über den ehemaligen Direktor kam eher zufällig ein Kontakt zu der Schule zustande, die eine Partnerschule in Deutschland suchte. Die Gelegenheit hat May genutzt und geholfen, die Schulpartnerschaft aufzubauen. Bei dem Austausch beherbergen sich die Lehrkräfte gegenseitig. Für May essentiell, denn „dadurch kommt man ganz anders ins Gespräch, sitzt abends zusammen und so haben wir eine gemeinsame Ebene entwickelt, auf der wir jetzt sehr gut zusammenarbeiten.“
   

Tandems bilden, vorbereiten, Bedenken zerstreuen

Nach dem ersten Kontakt beginnt die Organisation. Karin Eberle, Fachbetreuerin für Englisch am Städtischen Adolf-Weber-Gymnasium München betreut eine Schulpartnerschaft mit der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt (DAS) in Südafrika. Für sie ist das richtige „Matching“ besonders wichtig, also welche Schülerinnen und Schüler bei welchen Familien wohnen. Mit einem Fragebogen werden Hobbys und Vorlieben, aber auch Allergien und Essgewohnheiten abgefragt. „Das Matching ist eine wichtige Voraussetzung für einen harmonischen und reibungslosen Ablauf des Austausches, damit sich die Tandems gut verstehen, aber auch, damit kein Allergiker in einen Haushalt mit Katze kommt.“

Wenn die Tandems stehen, können sich die Schülerinnen und Schüler schon vor dem Austausch gegenseitig kontaktieren und Fragen stellen. Whatsapp, E-Mail, PASCH-net, Facebook – Optionen für einen virtuellen Austausch vor dem Austausch gibt es viele. Ein großer Vorteil, findet auch Alexander May, der beim Partnerland Ukraine mit vielen Bedenken bei Eltern und Jugendlichen konfrontiert ist. „Wir merken immer mehr, dass die Teilnehmenden in direktem Kontakt zueinander stehen und so Informationen bekommen. Das geht schon sehr viel schneller als früher.“

Mareike Raabe hatte das Glück, dass die betreuende Lehrerin aus Kolkata sogar selbst zum Elternabend nach Gelsenkirchen kommen konnte, weil sie für einen Sprachkurs am Goethe-Institut in Deutschland war. „So konnten wir bei den Eltern viele Bedenken ausräumen, ihnen die Schule und das Umfeld vorstellen und sie auch über die Sicherheitslage aufklären.“

Nachhaltigkeit, Ernährung, Europa – Projekte, die alle etwas angehen

Neben dem Schulbesuch und gemeinsamen Freizeitaktivitäten hat es sich für alle drei Lehrkräfte bewährt, den Austausch mit einem konkreten Projekt zu verbinden. „Wir haben ein langes Brainstorming gemacht und uns zum Ziel gesetzt, die Jugendlichen für nachhaltige Ernährung zu sensibilisieren“, erzählt Mareike Raabe. Das Ergebnis war ein Kalender mit saisonalen Produkten, der jeden Monat für Indien und Deutschland ein Lebensmittel zeigt und erklärt, was gerade reif ist.

Die Schülerinnen und Schüler von Karin Eberle haben in Südafrika eine Bäckerei unterstützt, die besonders nährstoffreiche Muffins für Schulen in ärmeren Stadtvierteln backt. „Auch für die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Kapstadt war dieses Projekt ein Erlebnis. Es ist eine Privatschule und obwohl sie an den Problemen vor Ort viel näher dran sind als unsere Schülerinnen und Schüler, haben sie dennoch oft wenig Kontakt zu Schulen in Townships, die ausschließlich von schwarzen Kindern besucht werden.“

Alexander May besucht gerne mit der deutsch-ukrainischen Gruppe das Dreiländereck zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien. „Für die Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine ist es jedes Mal ein Aha-Erlebnis, weil die Grenze dort einfach offen ist. Im Gespräch merken dann auch die Deutschen, dass es nicht überall so ist und wir sprechen über den langsamen Prozess der Annäherung bis zum Schengen-Abkommen. So sehen sie das Thema Offenheit und Toleranz in Europa live vor Ort.“

Doch es darf auch nicht zu viel Programm sein, sagt Mareike Raabe: „Aus den ersten Erfahrungen habe ich gelernt, dass wir sehr ambitioniert waren. Es ist wichtig, dass man eine Balance zwischen fachlicher Projektarbeit, sozialen Aktivitäten und Zeit für interkulturellen Austausch findet.“

Die ganze Schule kann teilhaben

Damit die ganze Schule von dem Austausch profitieren kann, sollten auch die Kolleginnen und Kollegen, die Elternschaft und die anderen Schülerinnen und Schüler eingebunden werden. „An unseren Projekttagen mit den Jugendlichen aus Südafrika nimmt die ganze Schule teil“, erzählt Karin Eberle aus München. „Auf südafrikanischer Seite kooperieren wir auch mit der Townshipschule Langa, die wir bei unseren Aufenthalten dort immer besuchen. Außerdem sind in beiden Schulen die Schülerzeitungen involviert.“

Alexander May pflegt in Düren einen Glaskasten mit Informationen zum Austausch mit der Ukraine. „Dort teilen wir Briefe oder E-Mails, damit man sieht, dass der Austausch noch aktiv ist und alle wissen, dass gerade etwas passiert. Zudem gibt es in beiden Ländern immer ein Kulturprogramm, bei dem die Gäste kleine Theaterstücke, Gedichte oder Tänze ihrer Länder präsentieren, zu dem die gesamte Schulgemeinschaft eingeladen ist.“

Kollegen einbinden und Finanzierung sichern

Welche Tipps möchten sie interessierten Lehrkräften mitgeben, die auch eine Schulpartnerschaft eingehen möchten? Für Mareike Raabe ist das ganz klar: Teamarbeit. Das Austauschprojekt sollte unbedingt zu zweit organisiert werde, damit man sich im Krankheitsfall oder im Urlaub vertreten kann. Trotzdem sollte das Organisationsteam nicht zu groß werden, um Abstimmungen zu erleichtern. „Wenn der Besuch dann stattfindet, ist natürlich jede Hilfe willkommen, damit man in den zwei Wochen auch seine anderen Klassen noch unterrichten kann.“ Diesen Tipp gibt auch Alexander May: „Es hat Vorteile, wenn immer dieselben hauptverantwortlichen Lehrkräfte das Programm organisieren. Es hat aber auch Vorteile, wenn die Begleitlehrkräfte gelegentlich wechseln, weil man dann einen besseren Rückhalt im gesamten Kollegium hat.“

Er findet es außerdem wichtig, dass der Austausch regelmäßig stattfindet und motiviert die ehemaligen Teilnehmenden dazu, von ihren Erfahrungen zu berichten, damit der Austausch im Schulleben präsent bleibt. Karin Eberle zählt ein altersgemäßes Programm zu den wichtigen Punkten des Schüleraustausches, erinnert aber auch daran, sich um Finanzierungsmöglichkeiten zu kümmern. „Neben PASCH bekommen wir zum Beispiel Gelder von der Bayerischen Staatskanzlei und der Stadt München. Trotzdem müssen die Teilnehmenden noch etwa 600–700 Euro selbst zahlen. Für manche Familien ist das immer noch sehr viel.“

Im Interview erzählen die drei Lehrkräfte mehr über ihre Austauschprogramme mit Indien, Südafrika und der Ukraine.
 

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Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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