Best Practice

Kneterfolge: tausend Schritte zum Wettbewerbsfilm

William Praharto, Jeremy Gusti, Darren Tantama und Rafi Ichsan mit ihrer Lehrerin Simone Buchwald beim Hauptstadtforum des MINT-EC
Kneten, filmen, schneiden, abschicken … gewinnen? Um einen Beitrag für einen PASCH-net-Wettbewerb zu machen, braucht es noch viel mehr Schritte, erklären die Gewinner des MINT-Filmwettbewerbs William, Gusti, Darren und Rafi aus Jakarta.


Eine Zunge aus Knete trifft auf kleine grüne Kügelchen. Es ist Capsaicin, ein Stoff, der in scharfem Essen enthalten ist und sich auf Rezeptoren der Zunge setzt. Einmal angedockt, senden diese Rezeptoren Botenstoffe ans Gehirn, die Hitze signalisieren und Euphorie auslösen. Hier sind es kleine gelbe Kügelchen, wieder aus Knete, die in Richtung Gehirn rollen. Mit 400 Einzelfotos zeigen William Praharto (fast 16), Jeremy Gusti (15), Darren Tantama (16) und Rafi Ichsan (fast 16) diesen Weg und erklären damit, warum wir scharf schmecken.

Für jedes Foto haben sie die Knete ein bisschen modelliert, kommt eine neue Farbe hinzu, entfalten sie einen Begriff auf einem weißen Zettel – drei Tage lang je fünf bis sechs Stunden. Dazu kommen Drehs für die gespielten Sequenzen, Schnitt und Sprechertext. Am Ende steht ein dreiminütiger Film, mit dem sie den PASCH-net-Wettbewerb „MINT in meinem Leben“ gewinnen. Der Hauptpreis: eine Reise nach Berlin gemeinsam mit ihrer Lehrerin Simone Buchwald. Und dafür würden die vier Schüler der Deutschen Schule Jakarta es jederzeit wieder machen, erzählen sie im Interview mit PASCH-net.

„Warum schmecken wir scharf“ ist das Thema eures Gewinnerfilms. Wie seid ihr darauf gekommen?

Wir wollten eine Frage stellen, die spannend ist und nicht so allgemein. Zuerst haben wir uns andere Videos auf PASCH-net angeguckt und es gab viele Beispielfragen bei der Wettbewerbsausschreibung. Aber wir haben uns gedacht: Wir wollen etwas anderes machen. Und wir wollten auch gerne etwas aus unserem Land zeigen, etwas Typisches. Und weil es in Indonesien viel scharfes Essen gibt, haben wir uns für diese Frage entschieden. Hier essen wir alle scharf, alle außer Darren (lachen). „Ich verstehe nicht, wie man es genießen kann“, sagt Darren als Einziger in der Runde. Scharfes Essen ist bei uns sehr wichtig. Eines unserer wichtigsten Gewürze ist Chili, weil es hier gut wächst. Außerdem konserviert es das Essen. Typische Gerichte, die wir gerne essen, sind Sop buntut, eine Ochsenschwanzsuppe. Die kann man scharf essen, muss man aber nicht. Oder Rendang. Das ist wie ein indonesisches Gulasch mit ganz vielen Gewürzen und auch Chili.

Ihr habt einen Animationsfilm mit Knete gemacht. Wie geht das?

Mit ganz, ganz viel Geduld. Am Anfang haben wir überlegt, mit welcher Methode wir arbeiten wollen. Computeranimation? Knete? Und dann haben wir uns für Knete entschieden, weil wir gedacht haben, dass es einfacher wird. Außerdem konnten wir so die Arbeit besser aufteilen. Beim Kneten können alle mitmachen und so geht es auch schneller. Und es ist sehr kreativ. Wir hatten beim Basteln auch mehr Spaß, mehr als beim Fotografieren.

Video-Wettbewerb: MINT in meinem Leben

Was braucht man alles, um so einen Film zu machen?

Wir hatten eine Kamera und Knete, Milch und Chili und als Licht haben wir einfach die Sonne benutzt. Die Anfangs- und Endsequenzen und die Übergänge sind gefilmt. Da brauchten wir nur die Requisiten: scharfes Essen, eine Chili und ein Glas Milch. Der ganze animierte Teil dazwischen besteht aus einzelnen Fotos, die wir aneinandergereiht haben mit der Stop-Motion-Technik. Es sind 400 Bilder. Diese Sequenz zu kneten und zu fotografieren hat insgesamt drei Tage gedauert, jeden Tag fünf bis sechs Stunden. Wir mussten die Aufgaben aufteilen. William und Gusti haben das Storyboard gemacht. Rafi hat die Requisiten und die Kamera besorgt. Darren hat den Sprechertext gemacht und Gusti das Video geschnitten.

Habt ihr das alles im Unterricht geschafft?

Nein, wir haben das gar nicht im Unterricht gemacht, sondern hauptsächlich in den Weihnachtsferien. Wir haben erst kurz vor den Ferien von dem Wettbewerb erfahren und wollten dann gerne mitmachen. Und weil der Abgabetermin Anfang Januar war, haben wir das zu Hause gemacht und alles aufgeteilt. Das Handwerkszeug dafür haben wir uns auch selbst beigebracht. Wie man dreht oder Videos schneidet, kann man zum Beispiel auf YouTube lernen und natürlich mit viel „trial and error“.

Was war eure Motivation, bei dem Wettbewerb mitzumachen?

Die Preise waren einfach interessant, die Reise und die Tablets vor allem. Es war etwas Neues und wir wollten es ausprobieren. Außerdem hat es uns viel Spaß gemacht, obwohl es sehr viel Arbeit war. Deswegen haben wir auch erstmal keinen neuen Film geplant. Wir können uns vorstellen, mal wieder einen zu machen, wenn es die Gelegenheit gibt. Beruflich möchte aber keiner von uns etwas mit Film machen, lieber Naturwissenschaften oder Musik.

Das Gewinnerteam bei der Präsentation ihres Films auf der Bühne des Hauptstadtforums des MINT-EC

Was gefällt euch allgemein an Wettbewerben?

Wir mögen die Herausforderung und dass wir uns anstrengen und zusammenarbeiten müssen. Auch wenn wir dann „keinen Schlaf“ haben. Als wir den Film gemacht haben, hatten wir nicht so viel Zeit, weil wir auch Hausaufgaben über die Ferien hatten und lernen mussten. Die Zeit war also sehr, sehr knapp. Aber es hat sich gelohnt, weil wir dann gewonnen haben.

Euer Hauptpreis war eine Reise nach Berlin zur MINT400‘2017, dem Hauptstadtforum des MINT-EC in Berlin, einem Treffen von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften aus ganz Deutschland. Was war das tollste Erlebnis dort?

Die Reise war gut, auch wenn sie sehr lang war. Im Flughafen Frankfurt hätten wir fast unseren Anschluss verpasst. Da mussten wir rennen. Aber dann haben wir das Leben in Deutschland kennengelernt, viele Leute getroffen, waren im Museum und haben deutsches Essen probiert. Auf dem ersten Platz ist da definitiv Döner Kebab. Und das Essen war gar nicht scharf.
Und beim MINT-Forum waren die Workshops am coolsten. Wir waren alle zusammen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Da haben wir Experimente gemacht, zum Beispiel Meteoriten untersucht, woraus sie bestehen, woher sie kommen und was passiert, wenn sie die Erde treffen.

Habt ihr ein paar Tipps für Schülerinnen und Schüler, die auch einen Wettbewerb gewinnen möchten?

Ja, seid nicht so ernst. Macht etwas Lustiges, so etwas wie eine Komödie. Wissenschaft muss nicht ernst sein. So weckt es eher das Interesse von anderen Leuten. Damit ihr im Team gut zusammenarbeiten könnt, müsst ihr euren eigenen Weg finden. Wir sind Freunde, da gibt es schon viel Vertrauen, das ist wichtig. Und ein gutes Zeitmanagement, damit alles rechtzeitig fertig wird.

 
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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