Best Practice

Moodle-Praxis: die PASCH-Lernplattform im Deutschunterricht

Bettina Schätzl de Arroyo ist Lehrerin an der Deutschen Schule Quito in Ecuador.
Was kann die PASCH-Lernplattform für den Deutschunterricht leisten? Und welche digitalen Möglichkeiten gibt es für Projekte und Hausaufgaben? Lehrerin und Moodle-Expertin Bettina Schätzl de Arroyo gibt Einblick in die Erfahrungen der Deutschen Schule Quito.


Die Deutsche Schule Quito ist eine der aktivsten Schulen auf der moodle-basierten PASCH-Lernplattform. In fast 100 Moodle-Kursräumen haben die Lehrkräfte vielfältige Erfahrungen mit den Werkzeugen der Plattform gesammelt. Bereits 2011 wurde die Schule vom Auswärtigen Amt mit einem Preis für modellhafte Projekte aus dem Bereich digitales Lernen ausgezeichnet. Seitdem wird der Einsatz von Moodle-Kursräumen auf der PASCH-Lernplattform in allen Fachbereichen der Schule ausgebaut. Bettina Schätzl de Arroyo, Fachleiterin für Deutsch als Fremdsprache der Deutschen Schule Quito, berät ihre Kolleginnen und Kollegen zum Einsatz der Plattform im Unterricht.

In welchem Rahmen setzen Sie die PASCH-Lernplattform im Deutschunterricht ein?

Wir nutzen die Lernplattform in zwei Kontexten: An unserer Schule können Schülerinnen und Schüler nach ihrem Abschluss eine duale Ausbildung machen. Hierbei haben sie abwechselnd vier bis sechs Wochen Unterricht mit berufsbildendem Schwerpunkt und dann arbeiten sie vier bis acht Wochen lang in einem Betrieb. Damit sie ihr Deutsch in dieser Zeit weiter üben können, bieten wir einen Online-Kurs an. Darin bereiten wir sie ausbildungsbegleitend auf das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz – Zweite Stufe (DSD II) vor, das sie am Ende ihrer Ausbildung ablegen. Gleichzeitig vermittelt der Kurs auch Grundkenntnisse in Wirtschaftsdeutsch.
Wesentlich häufiger setzen wir Kursräume auf der PASCH-Lernplattform unterrichtsbegleitend in den Kursen für Deutsch als Fremdsprache im Schulalltag ein. Die Kolleginnen und Kollegen nutzen zum Beispiel vorgefertigte Kursräume zu verschiedenen Themen. Diese stehen allen PASCH-Lehrkräften auf PASCH-net zur Verfügung. Wir lassen uns dann eine Kopie eines fertigen Kursraumes anlegen, die wir für unsere Klasse anpassen können. Das funktioniert sehr gut als Ergänzung zum physischen Unterricht.

Wir haben aber auch eigene Kursräume, zum Beispiel für Literaturprojekte, erstellt. Auch hier können wir auf Kursräume zurückgreifen, die wir bereits angelegt haben und eine Kopie davon für das neue Projekt anpassen. Beim Kopieren werden Beiträge im Forum, Dateien oder Kommentare nicht mit übertragen. Wir haben dann einen Kursraum, der genauso aussieht wie der letzte und können gleich mit einer neuen Klasse loslegen. Einen einmal erstellten Kursraum kann man also beliebig oft nutzen und auch mit Kolleginnen und Kollegen teilen.

Auf der Startseite des Berufsschulkurses finden die Teilnehmenden ein Handbuch, ein Forum und die Aufgaben, die nach und nach freigeschaltet werden.
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Wie funktioniert die Verbindung von physischen und digitalen Lernmethoden über die PASCH-Lernplattform?

Dank PASCH haben wir einen Computerraum an der Schule. Das ist eine Grundvoraussetzung, um mit der Lernplattform direkt im Unterricht arbeiten zu können. Wir versuchen dann immer kombinierte Aufgaben zu stellen. Die Jugendlichen sollen zum Beispiel in Partnerarbeit auf der PASCH-Lernplattform etwas schreiben oder recherchieren, sich dabei aber trotzdem mündlich austauschen. Wir wollen ja auch, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst viel sprechen. Im Unterricht nutzen wir Moodle daher als Informationsplattform, aber auch, damit sie Sprachaufnahmen machen können oder eine Präsentation erstellen, die sie in der Datenbank hochladen. Dann können sie im Anschluss wiederum kommentieren, was die anderen Schülerinnen und Schüler gemacht haben. Das wäre zum Beispiel auch eine gute Hausaufgabe.

Wir nutzen die PASCH-Lernplattform aber nicht das ganze Schuljahr über. Die Schüler werden dann computermüde. Außerdem müssen sie zum Beispiel bei der DSD-Prüfung handschriftlich Texte schreiben und wenn sie immer nur am Computer schreiben, ist das keine so gute Vorbereitung. Die Plattform ist besonders für Projektarbeit geeignet, in der sich die Schülerinnen und Schüler die Zeit selbst einteilen können. Da kombinieren wir dann Zeit im Unterricht mit Zeit zu Hause. Wichtig ist auch, dass sie sich aussuchen können, welche Methode sie nutzen möchten. Manche schreiben gerne direkt am Computer, andere lieber erst einmal mit der Hand. Hier kann man zum Beispiel frei stellen, wie sie eine Aufgabe einreichen möchten.

Im Projektarbeitsraum zum Buch Rocco gibt es zu jeder einzelne Aufgabe einen eigenen Menüpunkt und eine genaue Beschreibung der Aufgabe.
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Wie führen Sie die Schülerinnen und Schüler an die Arbeit mit der Lernplattform heran?

Wir beginnen auf jeden Fall im Computerraum und gehen die Plattform Schritt für Schritt durch. Da zeige ich dann am Whiteboard, wie alles funktioniert und wo die Aufgaben zu finden sind. Es dauert in der Regel zwei Schulstunden, bis alle registriert sind und sich im Kursraum zurechtfinden. Außerdem führe ich alle Werkzeuge einzeln ein. Zum Beispiel in einer Stunde das Forum und in der nächsten die Datenbank. Aber die Jugendlichen sind da in der Regel schon sehr fit oder helfen sich gegenseitig, wenn sie nicht zurechtkommen.

In dem Online-Kurs für die Berufsschule hingegen schicke ich den Teilnehmenden einfach eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Das klappt auch sehr gut. Ich habe es noch nie erlebt, dass es einer nicht geschafft hat.

Ich finde es auch sehr wichtig, direkt am Anfang Transparenz zu schaffen, was man als Lehrkraft alles im Kursraum sieht. Ich kann zum Beispiel nachvollziehen, wann sich jemand in den Kursraum eingeloggt hat. Trotzdem ist es immer eine gute Ausrede zu sagen, dass der Computer nicht funktioniert, das Internet oder der Strom ausfällt. Das können wir dann nicht so gut nachvollziehen.

Ein Quiz ergänzt im Kursraum der Berufsschüler einen Lesetext zum Thema Bundespräsidenten.
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Was kann die Lernplattform didaktisch für den Deutschunterricht leisten? Und was nicht?

Einen großen Vorteil sehe ich darin, dass man Schülerinnen und Schülern verschiedene Aufgaben geben kann. Da kann man sehr gut binnendifferenziert arbeiten. Einem schwachen Kursteilnehmenden kann ich zum Beispiel zu einer Aufgabe zum Hörverstehen noch einen Text dazu geben. Außerdem kann ich verschiedene Lerntypen ansprechen. Manche Schülerinnen und Schüler lernen lieber mit Bildern, die ich auch einbinden kann. Ebenso kann ich Links zu Videos zur Verfügung stellen. Außerdem bietet Moodle die Möglichkeit, in Projekten auf verschiedene Ergebnisse hinzuarbeiten. Der eine schreibt lieber einen Text, die andere dreht lieber ein Video. Trotzdem kann das Ergebnis auch ein Theaterstück sein, das dann live vor der Klasse präsentiert wird. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten.

Was Moodle nicht leisten kann, sind Übungen zum Sprachgebrauch und Dialog. Wenn man die Plattform im Unterricht einsetzen möchte, muss man auf eine gute Mischung achten und Aufgaben zum Beispiel mit Partnerarbeit verbinden. Und falls das Internet nicht läuft, muss man auf jeden Fall auch eine Alternative in petto haben, damit nicht gleich die ganze Stunde ausfällt.

Die PASCH-net-Kursvorlage Essen und Trinken wurde hier für einen Kurs angepasst.
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Welche Tipps würden Sie anderen Lehrkräften geben, die die Lernplattform ebenfalls im Unterricht einsetzen möchten?

Zuerst ist es wichtig, sich mit Moodle vertraut zu machen. Am Anfang haben wir an unserer Schule die Kolleginnen und Kollegen selbst geschult. Da die meisten Moodle mittlerweile kennen, bieten wir das aber nicht mehr an. Neuen Lehrkräften empfehlen wir den Moodle-Führerschein auf PASCH-net. Wenn man dann die Werkzeuge kennt, muss man sich einfach trauen und etwas ausprobieren. Wichtig ist außerdem, den Kursraum auch ein bisschen nett zu gestalten, zum Beispiel mit einem schönen Foto. Dann macht es gleich viel mehr Spaß.

Wir erleben auch immer wieder Skepsis gegenüber der Technik. Genauso gibt es aber auch in jeder Klasse mindestens einen Jugendlichen, der oder die Moodle sehr schnell durchblickt und dann auch helfen kann. Außerdem kann man auch die Motivation der Schülerinnen und Schüler nutzen, die die Abwechslung mit sich bringt, wenn man mit ihnen in den Computerraum geht. Dann gehen sie gleich ganz anders an eine Aufgabe heran.

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, die fertigen Kursräume auf PASCH-net anzuschauen. Die sind wirklich gut gemacht und man kann sie sehr einfach anpassen. Und wenn man damit zurechtkommt, kann man im nächsten Schritt einmal selbst einen Kursraum gestalten.
 
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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