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PASCH-Berufs­ori­en­tie­rung: Schulabschluss – und dann?

Jovana Donevski, 18, aus Pančevo, war im ersten Jahrgang der PASCH-Praktikanten in München dabei.
Über 50.000 Schülerinnen und Schüler legen jedes Jahr eine Deutschprüfung im Rahmen des PASCH-Programms ab. Doch was bringen ihnen die Sprachkenntnisse im Berufsleben? Die Projekte Unternehmen Deutsch und Betriebspraktika in München sollen Orientierung bieten.


Was bringen mir gute Noten in Deutsch für das Leben? Wie kann ich meine Sprachkenntnisse für die Ausbildung nutzen? Und bei welcher Firma bringt mich Deutsch weiter, ohne dass ich dafür gleich auswandern muss? Die Projekte Unternehmen Deutsch und Berufspraktika in München setzen genau hier an und wollen neben Wissen zum Wirtschaftsstandort Deutschland auch den Zusammenhang zwischen Fremdsprachen und Arbeitsmarktchancen aufzeigen.

Unternehmen Deutsch – Wirtschaftsbeziehungen mit Frankreich und Italien entdecken

Was in Frankreich und Italien zunächst als jeweils eigenständige Projektidee zum Thema Wirtschaft im Deutschunterricht entstanden ist, wird heute unter dem gemeinsamen Titel Unternehmen Deutsch in beiden Ländern erfolgreich durchgeführt.

Italien: Mit Deutsch die lokale Wirtschaft entdecken

In Italien liegt der Fokus auf der lokalen Zusammenarbeit mit Unternehmen im Umfeld der Schule. Im Zuge einer vorbereitenden Analyse des umliegenden Wirtschaftsraums identifizieren die Schülerinnen und Schüler ein in ihrer Region ansässiges deutsches oder heimisches Unternehmen mit Deutschlandbezug. In der Akquirierungsphase des Unternehmens bearbeiten die Schülerinnen und Schüler ein Trainingsmodul zum Thema Berufsorientierung (Berufsbilder, persönliche berufliche Vorstellungen, Lebenslauf, Bewerbungsschreiben).

Anschließend besuchen die Jugendlichen ihr Partnerunternehmen und erstellen ein Unternehmensporträt. Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse entwickeln sie für die deutschsprachigen Kunden ihrer Firma eine neue markttaugliche Geschäftsidee (Produkt oder Dienstleistung) und präsentieren diese in einer Werbekampagne. Die geographische Nähe zwischen Schule und Betrieb ermöglicht einen regelmäßigen persönlichen Austausch zwischen beiden Lernorten. Die besten Arbeiten werden im Rahmen eines nationalen Ideenwettbewerbs prämiert.
 

Frankreich: Kontakt mit Unternehmen in Deutschland aufnehmen

In Frankreich arbeiten die Klassen mit Unternehmen in Frankreich und Deutschland zusammen. Das Projekt beginnt mit einer Unterrichtseinheit zum Wirtschaftsstandort Deutschland. In dieser Phase erstellen die Jugendlichen eine Präsentation zu einem deutschen Partnerunternehmen. Sie recherchieren hierfür auf dessen Website und kontaktieren per E-Mail eine Ansprechperson, zu der das Goethe-Institut Paris den Kontakt herstellt.

In Phase Zwei suchen sie dann, nach dem italienischen Modell des Projektes, in der Nähe der Schulen ein Unternehmen mit Deutschlandbeziehungen. Wie sehen diese Beziehungen aus? Was macht das Unternehmen genau? Das Goethe-Institut Paris organisiert einen Besuch im Unternehmen und die Jugendlichen bereiten ihn inhaltlich vor. Wenn sie das Unternehmen kennengelernt haben, entwickeln die Jugendlichen auch hier eine neue Produktidee und stellen sie in einem Werbespot vor. Ebenso werden dann die besten Beiträge von einer Jury prämiert.

Besonders engagierte Schülerinnen und Schüler können sich zudem im Anschluss für ein Kurzpraktikum in einem der Partnerunternehmen in Deutschland bewerben und erhalten hierfür ein Stipendium.
 

Das Besondere an Unternehmen Deutsch in Frankreich ist der feste Pool an Partnerunternehmen in Deutschland, mit denen die Klassen bei dem Projekt zusammenarbeiten können. Dies erfordert viel Überzeugungsarbeit und gute Kontakte. Eva Volz ist die Beauftragte für die PASCH-Initiative in Südwesteuropa und weiß, dass der erste Schritt zur Partnerschaft mit Unternehmen oft über die deutsche Außenhandelskammer (AHK) in Frankreich führt und am besten über persönliche Kontakte funktioniert.
 

Berufspraktika in München – Serbische PASCH-Schülerinnen und -Schüler bei dm

Das Goethe-Institut Serbien verfolgt einen ähnlichen Ansatz der praktischen Berufsorientierung und bietet Berufspraktika beim deutschen Drogeriekonzern dm in München an. Das Unternehmen, das auch auf dem Balkan sehr präsent ist, stellt nach der erfolgreichen Pilotphase im Vorjahr 20 Plätze für ein einwöchiges Betriebspraktikum im Sommer 2017 zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Einzelhandel und betriebswirtschaftlichen Themen. Während des Praktikums leben sie in einer Gastfamilie in München und lernen so neben dem Berufsalltag auch das Familienleben in Deutschland kennen.

Mateja Manolovic, 18, aus Valjevo, war im Pilotjahrgang der PASCH-Praktikanten in München dabei.

Jakob Konrath ist Experte für Unterricht am Goethe-Institut Serbien und organisiert das Projekt. Seine Erfahrungen mit den drei Pilotteilnehmenden von 2016 zeigen, dass es sich lohnt, Berufsorientierung jenseits vom Studium anzubieten – besonders vor dem Hintergrund der sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit im Westbalkan bei gleichzeitigem Fachkräftemangel in Deutschland.
 

Praktika zur Berufsorientierung: Projektleiter Jakob Konrath im Interview


 
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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