Best Practice

Online-Schülerzeitung Klick: die furchtlosen Redakteure

Daniell Melicher und Simona Pavolová
Daniell Melicher und Simona Pavolová sind das Redakteursteam der Online-Schülerzeitung Klick in der Slowakei. Zusammen recherchieren sie, führen Interviews und schreiben Artikel auf Deutsch, einer Fremdsprache, vor der sie sich gar nicht mehr fürchten.


Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn – je zwei Schülerinnen und Schüler von PASCH-Schulen aus diesen Ländern werden jedes Jahr zu Klick-Redakteuren ausgebildet. Sie treffen sich zwei Mal im Jahr in Berlin zur gemeinsamen Redaktionskonferenz der Online-Schülerzeitung und lernen in Workshops journalistisches Schreiben, Interviewführung, Themenfindung und Redaktionsmanagement. Wieder zu Hause schreiben sie monatlich Artikel auf Deutsch für Jugendliche aus der Region und der ganzen Welt und publizieren sie im Blog von Klick und der Online-Schülerzeitung PASCH-Global.
 
Daniell Melicher und Simona Pavolová, beide 17 Jahre alt, sind seit einem Jahr das Klick-Team der Fit-Schule Gymnázium Františka Švantnera in Nová Baňa, Slowakei. Im Interview erzählen sie, wie sie spannende Themen finden, was ein guter Text ist und warum sie sich vor der deutschen Sprache nicht mehr fürchten.
 
Warum macht ihr bei der Online-Schülerzeitung Klick mit?

Simona: Wir wussten, dass wir viele Leute aus anderen Ländern treffen würden. Das ist einfach eine tolle Gelegenheit, die wir nicht ablehnen konnten. Wir waren vorher schon in der Redaktion unserer slowakischen Schülerzeitung und als unsere Deutschlehrerin dann gefragt hat, ob wir auch bei Klick mitmachen möchten, waren wir gerne dabei. Das Arbeiten mit Texten für die Zeitung macht uns einfach Spaß.
 
Daniell: Ich arbeite auch gerne mit Fotos und mache visuelle Kommunikation. Und es geht ja nicht nur ums Schreiben, sondern auch um die Fremdsprache Deutsch. Aber davor haben wir uns auch ein bisschen gefürchtet. Als wir zum ersten Redaktionstreffen in Berlin ankamen, haben wir nicht so viel verstanden. Aber man gewöhnt sich schnell daran und nach ein paar Tagen ging es schon viel besser. Beim zweiten Besuch in Berlin haben wir dann nur noch Deutsch gesprochen.

Die Klick-Redaktion 2016/17 bei der Redaktionskonferenz in Berlin im Oktober.

Was ist eure Aufgabe als Redakteure? Was macht am meisten Spaß? Und was ist schwer?

Daniell: Wir schreiben jeden Monat einen Artikel und das ist gar nicht viel. Man hat genug Zeit, sich ein Thema zu überlegen, es vorzubereiten und einen guten Artikel auf Deutsch zu schreiben. Für uns sind Interviews interessanter, weil wir spannende und bekannte Menschen treffen können. Dafür reisen wir auch manchmal, zum Beispiel nach Bratislava. Das Beste war das Interview mit PPPeter. Er macht Videos auf YouTube und ist sehr bekannt in der Slowakei. Wir mussten die Fragen gründlich vorbereiten, einen Termin organisieren, Bilder von seinem Management anfordern und die Rechte klären. Das ist das Schwerste, die Organisation. Insgesamt brauchen wir für einen Text so etwa 20 Stunden.
 
Simona: Ja, man braucht für alle Texte und Fotos eine Einverständniserklärung der Interviewpartner und der Personen, die auf den Fotos zu sehen sind. Besonders für unseren Text über den Theaterworkshop „Szenenfabrik“ war das aufwendig, weil viele Personen dabei waren. Aber es ist auch spannend, Leute wie PPPeter zu treffen, die man sonst nur vom Bildschirm kennt. Er ist sehr jung und wollte schon immer Videos machen. Was er erreicht hat, ist sehr motivierend. Die Interviews führen wir natürlich auf Slowakisch. Mir macht es am meisten Spaß, die Texte nachher zu übersetzen und mit unserem kulturweit-Freiwilligen Lorenz Reichert daran zu arbeiten. Er unterstützt in diesem Jahr die Deutschlehrkräfte an unserer Schule. Wir haben immer viel gelacht, weil wir viele Fehler gemacht haben. Wir hatten viel Spaß mit Lorenz und er hat uns sehr geholfen.

Wie ist es, die Redaktionsarbeit auf Deutsch zu machen – eine Sprache, die ihr noch nicht so lange lernt?

Simona: Inhaltlich ist es kein so großer Unterschied zu unserer slowakischen Schülerzeitung. Wir schreiben von Jugendlichen für Jugendliche. Durch die deutsche Online-Schülerzeitung können wir aber interessantere Personen treffen. Für die Slowakische würden sie uns nie Interviews geben. Es ist aber schwer, auf Deutsch zu schreiben. Darum schreiben wir auf Slowakisch und übersetzen die Texte dann erst.

Daniell: Aber auch das ist nicht so leicht. Im Slowakischen haben wir viele Wörter, die es im Deutschen nicht gibt. Da ist es schwer, etwas genau zu übersetzen. Wenn wir den Text übersetzt haben, geben wir ihn unserer Lehrerin oder Lorenz und arbeiten gemeinsam daran weiter.

Simona: Wir könnten auch schneller schreiben, aber wir möchten gute Artikel schreiben. Und auch unser Deutsch ist viel besser geworden. Die ersten Tage der Redaktionskonferenz in Berlin waren schwer. Wir waren mit den anderen Klick-Redakteuren in einem Zimmer und konnten uns nur langsam verstehen. Aber nach ein paar Tagen war es viel leichter und jetzt geht es schon ganz gut.

Daniell: Deutsch zu lernen, ist ganz anders, als Englisch zu lernen. Wir hören Musik auf Englisch, sehen Filme und sind jeden Tag mit der Sprache konfrontiert. Aber mit Deutsch ist das anders. Wir haben drei Stunden Deutsch pro Woche in der Schule und das ist nicht so viel. Aber als wir die Woche in Deutschland waren, haben wir uns direkt sehr verbessert. Wir haben auch noch Kontakt mit Klick-Redakteuren in den anderen Ländern. Wenn man besser werden will, muss man viel lesen, hören und sprechen. Mit Klick müssen wir das einfach. Das ist gut.
 
Was ist ein guter Text? Und woher bekommt man gute Ideen für Themen?

Daniell: Das ist eine sehr individuelle Frage. Es ist für jeden Menschen anders, weil jedem etwas anderes Spaß macht. Wir machen eine Zeitung von Jugendlichen für Jugendliche und befassen uns mit den Dingen, die uns freuen oder quälen. Wir haben zum Beispiel ein Interview mit dem „Love Guru” Michal Kopecký gemacht. Er gibt Tipps zum Flirten.

Simona: Ein guter Text ist etwas, das mich motiviert. Ich lese darin etwas, das ich noch nicht weiß. Ein guter Text ist ein Text, der mir etwas erzählt, das ich nicht alleine herausfinden kann.

Welche Tipps möchtet ihr anderen PASCH-Schülerinnen und Schülern geben, die auch eine Schülerzeitung gründen möchten?

Simona: Es ist wichtig, neugierig zu sein und viele Informationen mitzunehmen. Man muss etwas finden, das man gerne macht. Für uns war das, spannende Leute für Interviews zu treffen. Das hat uns ermutigt und für die nächsten Artikel motiviert.

Daniell: Wir treffen uns und machen ein Brainstorming. Dann haben wir immer viele Themen und fragen auch unsere Freunde, welche dieser Themen sie interessieren würden. Wir überlegen, welche Menschen interessant sind, die wir im Internet oder im Fernsehen gesehen haben und über die man spricht. Es ist auch nötig, die Angst vor der Sprache zu überwinden, einfach zu reden und die Motivation nicht zu verlieren. Und auch die Redaktionskonferenz in Berlin hat uns sehr geholfen. Wir haben gelernt, wie man bloggt, wie man einen guten Text schreibt, über was man schreiben kann. Wir haben viele Interviews gemacht und ausprobiert.
 
Anne Weißschädel
Redaktion PASCH-net
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