Best Practice

Sechs Jahre Austausch zwischen Japan und Serbien

Lehrerin Radmila Nikolić unterrichtet Deutsch an der Fit-Schule Gimnazia Uroš Predić in Pančevo.
Mit einer Postkartenaktion fing alles an: Nach der Erdbebenkatastrophe in Fukushima schreibt eine PASCH-Klasse aus Serbien Karten nach Japan, um den Jugendlichen dort Mut zu machen. Es folgt ein langjähriger Austausch zwischen den Schulen mit Begegnungen und Projekten in der gemeinsamen Sprache Deutsch.


Seit 2011 organisiert Radmila Nikolić, Lehrerin an der Fit-Schule Gimnazia Uroš Predić in Pančevo immer wieder Austauschprojekte zwischen ihrer Schule in Serbien und PASCH-Schulen in Japan. Dazu gehören die Technische Fachhochschule in Kisarazu, die Städtische Oberschule Kitazono und die Dokkyo Oberschule, beide in Tokyo.

Engagierte Schülerinnen und Schüler, Ausdauer und Geduld

Zuerst schrieben die Schülerinnen und Schüler aus Serbien Postkarten, dann Gastbeiträge für die PASCH-Schülerzeitung Japan Heute. Umweltschutz ist ein Thema, das dabei immer wieder auftaucht. Es beschäftigt die Jugendlichen in beiden Ländern und wird auch Oberthema bei zwei gegenseitigen Besuchsreisen nach Japan und Serbien in den Jahren 2015 und 2016. Um das Austauschprojekt so lange voranzutreiben, braucht man vor allem engagierte Schülerinnen und Schüler, sehr viel Ausdauer und Geduld, erzählt Radmila Nikolić im Interview.

Von der Postkartenaktion zur Jugendbegegnung – Wie hat alles angefangen?

Im März 2011 war diese Erdbebenkatastrophe und ein japanischer Schüler hatte auf PASCH-net einen Bericht darüber geschrieben. Seine Schule hatte das Unglück zwar ohne große Schäden überstanden, aber er wünschte sich Unterstützung aus der ganzen Welt. Als wir das gelesen haben, war mein Anfängerkurs sofort dabei. Die 25 Jugendlichen haben per Hand Briefe an unbekannte Schülerinnen und Schüler in Japan geschrieben und für sie gebastelt. Die PASCH-Koordinatorin in Belgrad hat die Briefe dann an die PASCH-Kollegen in Tokyo geschickt.

Milica Lučić aus Pančevo berichtet in der serbischen Online-Schülerzeitung Dschungel über das Postkartenprojekt mit Japan. Vergrößern

Wie hat sich der Austausch dann zu einem festen Programm an Ihrer Schule entwickelt?

Am Goethe-Institut in Tokyo treffen sich einmal im Monat interessierte Jugendliche der PASCH-Schulen der Stadt und arbeiten dort an der Schülerzeitung Japan Heute. Die haben unsere Briefe bekommen und meine Klasse dazu eingeladen, Gastbeiträge für die Schülerzeitung zu schreiben. Sie haben über Serbien, ihre Schule, über Bräuche und über das orthodoxe Weihnachtsfest geschrieben und dann hat es sich weiter entwickelt. Einer meiner Schüler konnte bereits Japanisch, weil er sich für Mangas interessierte. Ein anderer konnte Filme machen. Da gab es einfach großes Potenzial in dieser Klasse und das wollte ich unbedingt nutzen. Wir haben uns auch samstags getroffen und Filme zu verschiedenen Themen gedreht, wie zum Beispiel Trachten oder Sport in Japan, Serbien und Deutschland. Oder wir haben Haikus, eine japanische Gedichtform, auf allen drei Sprachen gelesen und gefilmt und alles nach Japan geschickt. So wurde der Austausch immer intensiver. Ich hatte einfach eine tolle und sehr interessierte Gruppe. Dazu sind auch immer wieder Artikel in unserer PASCH-Schülerzeitung Dschungel erschienen. Als die Klasse dann nach zwei Jahren die Schule beendet hat, haben wir das Projekt mit der nächsten Klasse weitergeführt.

Was waren die nächsten Schritte bis zu Ihrer ersten Reise nach Japan?

Wir hatten noch gar nicht darüber nachgedacht, nach Japan zu reisen. Es war uns einfach wichtig, den japanischen Jugendlichen etwas über Serbien erzählen. Die Japaner wissen meist sehr wenig über Serbien. Und dann hat uns plötzlich ein japanischer Schüler kontaktiert. Er hatte inzwischen seinen Abschluss gemacht und wollte uns gerne für drei Tage besuchen. Das war der Punkt, als es für die Schülerinnen und Schüler ein richtiger Austausch wurde. Im Gespräch mit dem PASCH-Team am Goethe-Institut kam dann zum ersten Mal die Idee auf, einen direkten Austausch mit einem Filmworkshop zu organisieren. Vier Schülerinnen und Schüler durften dann für zwei Wochen nach Japan fliegen. Dort haben sie gemeinsam mit den japanischen Jugendlichen gelernt, wie man die Kamera bedient, Videos schneidet, Fragen stellt. So sind dann kurze Filme zum Thema Ökologie entstanden – alle auf Deutsch.
 

Die Schülerinnen und Schüler haben untereinander hauptsächlich Deutsch gesprochen. Wie haben sie sich verstanden?

Sie haben sehr viel gelernt, weil sie sich einfach gegenseitig helfen mussten. Besonders interessant waren die Aufenthalte in japanischen Gastfamilien am Ende der zwei Wochen. Es gab viele, viele kulturelle Unterschiede. Ein großes Thema war dabei immer das Essen, aber auch viele alltägliche Dinge. Für uns war es ein Schock, wie groß Tokyo ist. Unsere Schüler waren zum Großteil bis dahin noch nie U-Bahn gefahren, weil es in Serbien keine U-Bahn gibt und das war ein tolles Erlebnis. Ein halbes Jahr später haben uns dann die japanischen Jugendlichen in Serbien besucht, um wieder einen Videoworkshop zu machen. Dabei haben sie die ganze Zeit in Gastfamilien gewohnt. Was die Japaner dabei sehr überrascht hat, waren die freien Beziehungen zwischen Jungen und Mädchen. In Japan würden Jungen und Mädchen sich nie berühren. In Serbien hingegen begrüßen sie sich mit einer Umarmung. Das war eine große Überraschung.

Wie geht es jetzt weiter mit ihren Schulpartnerschaften mit Japan?

Das wissen wir noch nicht genau. Die Kollegin aus Japan möchte gerne ein weiteres Austauschprojekt mit unseren Schülern durchführen. Da müssen wir aber noch überlegen, was die Aufgaben sein könnten. Ich treffe sie im Sommer auf der Internationalen Deutschlehrertagung in der Schweiz. Bei einem Lehrerseminar von PASCH habe ich aber auch eine Kollegin aus Indien kennengelernt. Mit ihr arbeiten wir gerade an einem Kalenderprojekt mit Schülern in Indien.

Welche Tipps können Sie anderen Lehrkräften geben, die auch ein Schüleraustauschprojekt beginnen möchten?

Meine Erfahrung ist, dass man viel Geduld haben muss und Ausdauer braucht. Es lohnt sich einfach, über die kleinen Stolpersteine zu gehen, positiv zu denken und weiterzumachen. Wir wollten einfach Freundschaften mit den Schülerinnen und Schülern in Japan schließen und wer hätte gedacht, dass wir einmal selbst nach Japan fliegen würden. Am wichtigsten war aber die deutsche Sprache und das PASCH-Netzwerk, um das Projekt so überhaupt beginnen zu können. Das Projekt hat dann wiederum die Jugendlichen motiviert, Deutsch zu lernen. Die Geschichten von den Projekten haben jüngere Schülerinnen und Schüler motiviert, Deutsch überhaupt anzufangen und es haben mehr Schülerinnen und Schüler als früher die Deutschprüfungen abgelegt. Das ist ein großer Erfolg.
 
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