Archiv 2010

Schüleraustausch in Sarajewo


Zum sechsten Mal fand zwischen dem Vierten Gymnasium in Sarajewo, Bosnien-Herzegowina, und den Stadtteilschulen Stellingen und Ida Ehre in Hamburg ein Schüleraustausch statt. Schülerinnen und Schüler der 11., 12. und 13. Klassen besuchten sich im September gegenseitig.

Nachdem die Jugendlichen aus Sarajewo eine Woche lang in Hamburg zu Gast waren, flogen sie zusammen mit den 14 Hamburger Schülerinnen und Schülern am 14. September nach Sarajewo. Bernd Meisterfeld, der für die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes in Bosnien und Herzegowina das Deutschprogramm begleitet, unterstützte den Austausch. Auch der Pädagogische Austauschdienst förderte das Projekt.

Wie bereits in den Vorjahren stand auch dieses Mal die gemeinsame Arbeit an großflächigen Graffiti im Mittelpunkt des Austauschs. Gemeinsam mit dem französischen Graffiti-Künstler Darko haben die Jugendlichen sowohl in Hamburg als auch in Sarajevo Graffiti entworfen. Der Profi half den Schülern beim Entwerfen der Motive, bei der Auswahl der zu bemalenden Flächen und der technischen und künstlerischen Ausführung.

Neben der Besichtigung verschiedener Sehenswürdigkeiten stand ein Besuch in der Deutschen Botschaft auf dem Programm. Claudia Busch, Erste Sekretärin Kultur, Presse und Protokoll, empfing die Schülerinnen und Schüler und erklärte die diplomatische Arbeit im Ausland anhand ihrer eigenen Biografie. Für die Jugendlichen war der Besuch sehr lehr- und hilfreich, da viele im Umgang mit der Botschaft Berührungsängste haben.

Neben der Arbeit an den Graffiti, Museumsbesuchen und einem Pressegespräch mit einer Tageszeitung wurde die Austauschgruppe von der zweiten Bürgermeisterin von Ilidza empfangen. Die Bürgermeisterin sponserte den Austauschschülern eine Busfahrt nach Mostar und Pocitelj.

Zurück in der Schule bereiteten die Schülerinnen und Schüler Zeitzeugeninterviews vor. Sie interviewten bosnische Jugendliche, die in Deutschland geboren bzw. während des Bosnienkrieges nach Deutschland geflohen sind. So befragten die Jugendlichen den 18-jährigen Irhad Cajo, dessen Mutter hochschwanger aus Visegard geflohen war, während viele ihrer Angehörigen in ihren Häusern erschossen wurden. Emina Muratbegovic, Aida Zecevic und Alja Osmanovic, die ebenfalls während des Balkankrieges in Deutschland geboren wurden, erzählten von ihrem Leben in Deutschland und dem Trauma, das die erzwungene Rückkehr ins zerstörte Sarajewo verursacht hat. Die Austauschschüler zeigten sich tief betroffen angesichts dieser Berichte.

Die Erfahrungen während des Austauschs haben die Jugendlichen nicht nur wachsen sondern auch zusammenwachsen lassen. Für das nächste Jahr haben viele bereits neuerliche Treffen vereinbart. Auch der Schüleraustausch wird dann wieder stattfinden.

26.11.2010
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

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