Archiv 2010

Parole Emil

Stefan Neugebauer inszeniert mit Schülern des „Theatercampus Pogradec“„Emil und die Detektive“, nach der Vorlage von Erich Kästner.

„Parole Emil!“ - so wird es noch einige Zeit in den Schulen „Sami Frasheri und Fan Noli“, Tirana, „Peter Mahringer“ Österr. Schule Shkodra, „Nehemia“, Pogradec und Žarko Zrenjanin“, Kikinda Serbien schallen. Es ist die Losung eines zusammengewürfelten Völkchens unterschiedlichster Herkunft wie das des Theatercampus, der jungen Berliner Bande, die den Halunken in der großen Stadt verfolgt. Erich Kästners unsterbliche Minikrimigeschichte „Emil und die Detektive“ eröffnet den „Deutschen Oktober“ und alle kamen, die Familien, die Klassen, und aus Shkodra die ganze Schule. Trotz drangvoller Enge herrschte 50 Minuten lang gespannte Aufmerksamkeit.

Kinder-/Jugendtheater ohne Flimmerschnickschnack und Technogewummer gab’s zu sehen, ohne Anbiederung an die Hiphop Szene, dafür solide Theaterarbeit mit einem genial eingesetzten Bühnenmittel, dem weißen Umzugskarton mal den Farben der Deutschen Bahn nachempfunden, mal den Reiseweg oder den Ort markierend - ein Eisenbahnwaggon und Bahnhof waren aufgestellt, wurden umgestürzt und zu einer schmuddeligen Hotelfacade verkantet aufgetürmt bis zur Freude des jugendlichen Publikums die wilde Jagd die Papp-Mauern sprengte. Dazwischen war Platz für die Auftritte und Abgänge. Das Ganze lieferte kontrastreiche Bilder in einer total schwarz ausgelegten „Black Box“. Dem anwesenden Fernsehen entgingen sie nicht.

Nicht in Kästners 20er Jahre der Knickerbocker, sondern im Berlin der Gegenwart hat Regisseur Stefan Neugebauer die Verfolgungsjagd nach jenem üblen Herrn Grundeis (Rei Sheko, meisterhaft verschlagen) angesiedelt, der Emil (Vasil Ziu, eindrucksvoll verloren) im Zug von Tirana nach Berlin Geld geklaut hat. Tirana – Berlin anstatt Neustadt – Berlin und eine albanische Großmutter ( Ineza Buzo, goldig) gefielen.

Es war mehr als die vierzehntägige Routine des „Theatercampus“, die die jungen Darsteller der 8. – 10 Klassen antrieb. Es war Leidenschaft. Da war von Stefan Neugebauer der Funken übergesprungen, gut sein zu wollen. Allemal textsicher auf Englisch, Albanisch und Deutsch, choreographisch ohne Schnitzer und dynamisch, so präsentierte sich die Spielschar des „Theatercampus“, die 6 Mädchen und 7 Jungs.

In nur 14 Tagen hat Stefan Neugebauer diese Truppe, angefangen bei den Grundregeln der Theaterarbeit bis hin zur Ausreizung von Begabungen, geformt. Dabei bot die „Nehemia Stiftung“ alle Voraussetzungen. Dass die einen aus Serbien kamen und die anderen aus Albanien fiel niemals ins Gewicht. Den Bedenken im Vorfeld widersprach die aufmerksame Gastfreundschaft. Die serbische Schülerin Milica Samac, im Stück der kühl reflektierende Professor, darf man vielleicht stellvertretend zitieren: „Sie sei aus Serbien, sie habe Freunde gefunden, und es sei die schönste Show ihres Lebens gewesen.“ So gegenüber der „Deutschen Welle“ (DW).

Insgesamt lautstarke Begeisterung beim Publikum, dankbare Eltern und ein zufriedener Organisator vom Goethe-Institut. Dem größten Förderer der Veranstaltung, der Deutschen Botschaft, Tirana konnte ein vorzeigbares Ergebnis abgeliefert werden.

13.10.2010
Quelle: Wolf Diekmann, Goethe-Institut

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