Archiv 2010

Begeisterter Applaus für junge Akteure


In nur zwei Tagen entwickeln 36 Schülerinnen und Schüler aller deutschen Partnerschulen in Mexiko mit drei Workshopleitern eine Aufführung, bei der mehr Deutsch gesprochen wird, als mancher vorher vermutet hatte.

Das Besondere an dem Projekt ist die Vernetzung von Jugendlichen aus vollkommen unterschiedlichen Schultypen und Landesteilen von Puerto Vallarta über Chihuahua bis Puebla.

„Was, die haben wirklich nur zwei Tage lang zusammengearbeitet?“ Gerade ist der Vorhang gefallen zum ersten PASCH-Theaterfest in Mexiko, und so mancher Zuschauer in der Aula der Deutschen Schule am Campus Xochimilco traut seinen Augen und Ohren nicht. Haben da gerade wirklich 36 Jugendliche von zwölf Partnerschulen (4 DAS, 3 DSD, 5 FIT) aus ganz unterschiedlichen Landesteilen zusammen Theater gespielt, frei heraus rezitiert und die Zuschauer mit Spontaneität beim „Theatersport“ oder mit ausdrucksstarker Mimik bei der Darstellung der Gefühle Hass und Neid begeistert, obwohl sie doch erst zwei Tage zuvor mit ihrer gemeinsamen Arbeit begonnen haben? Haben sie! „Theater ist eine Form, sich selbst von einer ganz anderen Seite kennenzulernen“, hatte Jürgen Hille, Direktor der Deutschen Schule Mexiko-Süd, noch kurz vor der Aufführung zur Begrüßung der Gäste gesagt. Und sogar manch stolze Eltern schienen ihren Nachwuchs nicht wiederzuerkennen, der plötzlich frei Deutsch sprechend auf der Bühne agierte, auf spontanen Zuruf der Gäste Szenen aus dem Stegreif erfand oder auf der Suche nach dem richtigen Schlüssel für einen geheimnisvollen Koffer den Wert der Gemeinschaft erkannte.

Schlüsselwort: Gemeinschaft

Gemeinschaft, dies ist gewiss das Schlüsselwort zu der gesamten Veranstaltung. „Es war eine Freude zu sehen, wie schnell die jungen Leute aus zwölf deutschen Partnerschulen in Mexiko in den Gruppen zueinander fanden“, sagte Susana De Kuthy, als Expertin für Unterricht beim Goethe-Institut Mexiko-Stadt für die PASCH-Initiative zuständig. „Wir haben bewusst die drei abgesandten Schülerinnen und Schüler jeder Schule auf unsere drei Workshopleiter aufgeteilt, um von Beginn an die Kontaktanbahnung der jungen Teilnehmer untereinander zu fördern“, erklärte Dieter Jaeschke, ZfA-Fachberater und Koordinator für Mexiko. Und so fanden sich Jugendliche aus Orten wie Tijuana, der Mennoniten-Kolonie Blumenau in Chihuahua oder Pachuca und so unterschiedlichen Schulen wie den Deutschen Auslandsschulen, öffentlichen mexikanischen Gymnasien oder der Schweizerschule Mexiko in den drei Gruppen wieder. „Besser kann man die Vernetzung der Partnerschulen wohl kaum zusammenbringen“, lobte Helmut Schippert, Leiter der Bildungskooperation Deutsch im GI Mexiko.


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Die zwei Workshop-Tage vor der Aufführung waren für die jungen Leute wie im Fluge vergangen. Von 9 bis 17 Uhr stand die Workshop-Arbeit auf dem Programm, abends wurde die Vernetzung beim gemeinsamen Abendessen im Hotel und beim fleißigen Austausch von Handynummern und E-Mail-Adressen fortgesetzt. „Als ich hörte, dass Leute aus Chihuahua kommen, dachte ich natürlich an so dunkelhäutige Typen wie mich“, erzählt Ricardo aus Tijuana. „Als dann plötzlich die blonden Mennoniten in den Raum kamen, hab‘ ich ganz schön gestaunt.“ Trotz der unterschiedlichen Wurzeln fanden die jungen Menschen sehr schnell zueinander, was gewiss auch das Verdienst der drei Workshopleiter ist. Jochen Krakowski und Stefan Beyer von der DS Mexiko-Süd haben genau wie ihr Kollege Peter Stemmerich von der „Nord-Schule“ am Campus Lomas Verdes langjährige theaterpädagogische Erfahrungen. Die Lehrerinnen und Lehrer der einzelnen Schulen, die ihre Schützlinge für das Vernetzungsprojekt ausgewählt haben, hatten zuvor im Juni beim ersten Teil des PASCH-Theaterfestes selbst eine Fortbildung mit diesen drei „Theatermännern“ gemacht. Nun waren sie als Regie-Assistenten und Einzeltrainer für Artikulation, Aussprache und Mimik tatkräftig im Einsatz. Fazit von Susana De Kuthy und Dieter Jaeschke: „Dass bei der eigentlichen Aufführung viel mehr Deutsch gesprochen worden ist, als wir vorher vermutet hatten, hat uns besonders gefreut.“ Entsprechend herzlich fiel der Dank an alle Beteiligten aus. Lehrer und Schüler traten glücklich ihre Heimreise an – im Bewusstsein, dass die Vernetzung der PASCH-Schulen in Mexiko einen weiteren Schritt voran gekommen ist. So berichtete Rodrigo Sánchez von der Abiturstufe der DS Mexiko-Süd am nächsten Tag seiner Lehrerin Daniela Kießig: „Es war noch nicht Abend, und ich hatte schon fünf Freundschaftsanfragen auf Facebook.“

29.09.2010
Quelle: ZfA

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