Archiv 2010

Burundischer Kuhhandel


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Das Lycée du Saint-Esprit in der burundischen Hauptstadt Bujumbura ist seit der offiziellen PASCH-Eröffnung am 15. Juni 2010 eine von über 50 Partnerschulen in der Region Sub-Sahara-Afrika. Doch nicht nur Schüler, Lehrer und Direktoren sind in den Prozess der Einführung von Deutschunterricht involviert, sondern auch zwei Kühe.

Für die beiden Kühe „Matthias“ und „Kunze“ ist es eigentlich ein ganz normaler Tag, den sie in ihrem Stall auf dem Bauernhof des Lycée du Saint-Esprit in Bujumbura verbringen. Und dennoch kommt beiden Tieren am 15. Juni 2010, dem Tag der PASCH-Eröffnung, besondere Aufmerksamkeit zu, denn ohne sie wäre die erfolgreiche Einführung des Deutschunterrichts an der burundischen Sekundarschule nicht ohne Weiteres möglich gewesen.

So sehen die Maßnahmen des Goethe-Instituts zwar vor, den Deutschraum mit modernen Lernmaterialen auszustatten, Sprachkursstipendien an engagierte Schülerinnen und Schüler zu vergeben und Lehrer und Lehrerinnen fortzubilden, doch auch die Schule selbst sollte einen partnerschaftlichen Beitrag leisten, indem sie Deutschlehrkräfte einstellt. Ein Anspruch, der sich am Lycée du Saint-Esprit zunächst nicht umsetzen ließ. Zwar gibt es an der staatlichen Jesuitenschule, die zu den besten Schulen des Landes gehört, mehr als zweihundert Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen möchten, doch die Einstellung einer neuen Lehrkraft für ein außercurriculares Fach wie Deutsch als Fremdsprache konnte die Schule nicht finanzieren. Bisher ist die Einführung des Faches dem stellvertretenden Schulleiter Guy de Battista zu verdanken, der seit Herbst 2009 ehrenamtlich den Deutsch-Club leitet.


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Die Lösung führte schließlich über den Bauernhof der Schule. So verfügt die Schule über mehrere Kühe, deren Milch verkauft wird, um damit Kinder aus einkommensschwachen Familien zu unterstützen. Doch von der Milchrechnung profitiert inzwischen auch der Deutschunterricht, denn der Ertrag einer Milchkuh pro Jahr entspricht dem Jahresgehalt eines Lehrers in Burundi. Durch Vermittlung der Deutschen Botschaft Bujumbura hat sich nun der deutsche Inhaber einer Seifenfabrik in Bujumbura bereit erklärt, zwei Kühe zu kaufen und diese der Schule für die langfristige Finanzierung des Deutschlehrergehalts zu spenden. Als Zeichen des Dankes wurden beide Kühe nach ihm benannt: „Matthias“ und Kunze“.

Diese Initiative ebnete den Weg zur erfolgreichen Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Goethe-Institut und der Sekundarschule, die als erste staatliche Schule in Burundi das Fach Deutsch als Fremdsprache anbietet. Neben dem Deutschen Botschafter, Joseph Weiß, der Expertin für Unterricht vom Goethe-Institut Nairobi, Sabine Brachmann, und dem Leiter des Lycée du Saint-Esprit, Ignace Samulenzi, nahm auch der Sekretär des Bildungsministeriums, Jean de Dieu Gashamura, an der feierlichen Enthüllung der PASCH-Plakette teil.

Die große Bedeutung des Pilotprojekts für das kleine ostafrikanische Land spiegelte sich auch in der positiven Resonanz der PASCH-Eröffnung in den Abendnachrichten sowie in der größten Tageszeitung des Landes wider. Besonders hervorgehoben wurden die 7 Schülerinnen und Schüler, die in diesem Sommer ein 3-wöchiges Sprachkursstipendium des Goethe-Instituts für einen Jugendkurs in Deutschland erhalten – eine Nachricht, die sich schnell herumgesprochen hat und die seitdem zu zahlreichen Anfragen nach Deutschunterricht bei der Deutschen Botschaft führt.

22.07.2010
Quelle: Goethe-Institut

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