Archiv 2010

Literaturprojekt mit Julia Franck


Was geht in einer Mutter vor, die 1945 ihren achtjährigen Sohn mit Absicht allein auf einem Provinzbahnhof zurücklässt? Mit dieser Frage eröffneten Schüler aus Lyon und Berlin ihr mit Spannung erwartetes Zusammentreffen mit der Berliner Schriftstellerin Julia Franck.

Das Kulturzentrum Villa Gillet in Lyon hatte anlässlich des Literaturtreffens „Assises internationales du roman“ Schulklassen ausgewählt, die sich im Vorfeld intensiv mit der Lektüre und Analyse eines Romans der geladenen Schriftstellerinnen und Schriftsteller befassten. Julia Franck nahm als Vertreterin deutscher Gegenwartsliteratur am 29. Mai 2010 an einer „Table ronde“ mit Autoren aus aller Welt teil.

In den Wochen zuvor hatten sich die Schülerinnen und Schüler der Cité scolaire internationale in Lyon und des Fontane-Gymnasiums Rangsdorf bei Berlin unter Anleitung von Ina-Maria Thraen (Rangsdorf) und Joachim Cornelissen (Lyon) mit Francks Roman „Die Mittagsfrau“ auseinandergesetzt, sich dabei in die vielfältigen psychologischen Verwicklungen, die Zeitstruktur und die Personenkonstellation eingearbeitet und intensiv den historischen Hintergrund des Romans recherchiert. Dank der von Charlotte Stolz koordinierten finanziellen Unterstützung der Stiftung Genshagen konnten die deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsergebnisse in der Cité scolaire in Lyon zusammentragen und ihre Fragen an die Autorin abstimmen.

Julia Franck nahm sich sehr viel Zeit, im prachtvollen Rahmen einer alten Lyonnaiser Manufaktur die Fragen zu ihrem Roman, dem Entstehungszusammenhang und den autobiografischen Anteilen der Geschichte zu beantworten. Die Diskussion mit der Autorin wurde von einem Kamerateam der Eliteuniversität Ecole normale supérieure de Lyon für Fortbildungszwecke französischer Deutschlehrerinnen und -lehrer aufgezeichnet und ist unter diesem Link abrufbar.

Julia Franck, 1970 in Berlin geboren, erhielt 2007 den Deutschen Buchpreis für ihren erschütternden Roman, Die Mittagsfrau, der das Schicksal einer Frau im 20. Jahrhundert schildert. Der Prolog erzählt, wie Helene ihr Kind 1945 in einer Bahnhofshalle alleine zurücklässt.

Die Cité scolaire internationale Lyon ist eine der Partnerschulen, die die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) betreut. Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ verstärkt die ZfA eine qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

15.07.2010
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

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