Archiv 2010

Jugendliche diskutieren Milleniumsziele


40 mexikanische Jugendliche debattieren um ein Ticket für das Jugendparlament in Montevideo - Empfang in der Deutschen Botschaft.

Wenn es nach Diana Pérez Aguirre ginge, dann würde im ländlichen Mexiko sogleich eine Kampagne zur Senkung der Kindersterblichkeit gestartet. Da Diana (16) aber noch keine Politikerin ist, sondern Elftklässlerin am VW-Sprachengymnasium in Puebla, muss sie sich mit einer Simulation zufriedengeben. Noch. Denn ihr Beitrag, vorgetragen bei der Vor-Runde zum Jugendparlament im Juli in Montevideo, klang schon sehr überzeugend: „Die sexuelle Aufklärung in diesen Landstrichen ist noch vollkommen dem Zufall überlassen, und auch über ganz einfache medizinische Verhaltensregeln sind die jungen Mütter dort kaum informiert.“

Schüler machen Weltpolitik: Was wie eine Utopie klingt, wird in Uruguay Wirklichkeit. Vom 5. bis zum 11. Juli 2010 kommen 100 Schüler aus elf Ländern Lateinamerikas, Europas und Afrikas im Parlamentsgebäude von Montevideo zusammen, um die acht Millennium-Entwicklungsziele zu diskutieren. An einem April-Wochenende debattierten 40 Jugendliche um die sechs Tickets, die Mexiko für das von der Europäischen Union initiierte und zu 80 Prozent finanzierte Projekt zu vergeben hat. Die Teenager sind Schüler des VW-Sprachengymnasiums in Puebla und sowie der „Preparatoria“, des Universitätsgymnasiums von Guadalajara. Beide Schulen sind im Rahmen der globalen Bildungsinitiative PASCH Partnerschulen der Bundesrepublik und wollen mittelfristig die Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) selbst durchführen.

Zum Auftakt der Parlaments-Vorrunde in Mexiko-Stadt haben die junge Leute die EU-Delegation besucht, außerdem die Vertretung der UNESCO. Nun sitzen und stehen sie im Lichthof der Deutschen Botschaft und löchern Hans Mattern, den Geschäftsträger, mit Fragen. Der fragt zurück: „Wer von Euch möchte eigentlich Politiker werden?“ Anschließend werden Würstchen und Kartoffelsalat serviert, Diana sitzt neben dem deutschen Diplomaten, und schnell entwickelt sich ein Gespräch über dessen beruflichen Aufgaben und den Arbeitsalltag in der Botschaft. „Dieses Projekt ist für uns Schüler ja schon nach dem ersten halben Tag eine einzigartige Erfahrung“, schwärmt Diana. Und ihre Mitschülerin Maricela Badillo (17) ergänzt: „Wir sind den Initiatoren der PASCH-Initiative sehr dankbar, zumal uns durch die Diskussion der Themen auch die Augen über so manche Missstände auf unserem Planeten geöffnet werden.“

„Die Themen“, das sind die acht „UN-Milleniumsziele“, die im Jahr 2000 als Ziele der globalen gesellschaftlichen Entwicklung für 2015 verabschiedet worden sind. „Dazu zählen die ökologische Nachhaltigkeit, die Bekämpfung von Aids und die Bekämpfung von extremer Armut und Hunger“, präzisiert Alexander Kruckenfellner vom Goethe-Institut Montevideo, Projektleiter des Jugendparlamentes.

Samstag und Sonntag schließlich arbeiteten die Jugendlichen am Campus Xochimilco der Deutschen Schule Mexiko in Fünfergruppen zu diesen Themen, recherchierten Informationen und bereiteten Resolutionen vor. „Ich trete meine Abreise in jeder Hinsicht bereichert an“, sagte Diana zum Abschluss der Vorrunde. „Ich werde die Themen auch in meiner Familie und mit anderen Schulfreunden diskutieren und hoffe, dass ich so Gedankenanstöße liefern kann.“

19.05.2010
Quelle: Goethe-Institut
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