Archiv 2010

ZfA-Initiative: Frühes Deutschlernen


Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem (Fremd-)Sprachenerwerb von Deutsch in Kindergarten, Vor-schule und Grundschule an Deutschen Auslandsschulen beschäftigt. Am 12. März traf sich die Gruppe zum ersten Mal.

„„Die systematische Entwicklung und Förderung der deutschen Sprache muss bereits in den Kindergärten der von uns geförderten Schulen einsetzen“, sagt Rainer E. Wicke, der in der ZfA die Fortbildung koordiniert und die Arbeitsgruppe moderierte. Bislang fehlen dafür die entsprechenden Konzepte zur Qualitätsentwicklung und -sicherung sowie die Entwicklung eines Aus- und Fortbildungskonzeptes für Erzieherinnen und Erzieher, die in deutschspra-chigen Kindergärten und den dazugehörigen Vorschulen tätig sind. An dieser Stelle will die Arbeitsgruppe ansetzen. Geplant ist, dass sich die Gruppe zwei Mal im Jahr zusammenfindet.

Anneliese Gleim von der Deutschen Schule Barcelona, Reinhard Roth, ehemaliger Grund-schulleiter an der Deutschen Schule Las Palmas, und Birgit Holtz, Grundschulleiterin an der Deutschen Schule Stockholm vertreten in der Arbeitsgruppe die schulische Seite, um Erfah-rungen aus der Praxis einfließen zu lassen. Mit Beate Widlok vom Goethe-Institut München stieß eine Expertin hinzu, die bereits ein Ausbildungskonzept für Erzieherinnen entwickelt hat, dessen Inhalte ggf. auf die Arbeit übertragen werden können. Die wissenschaftliche Be-gleitung dieses Projekts hat Prof. Dr. Gabriele Kniffka von der Universität Köln übernommen. Mit Annegret Schulte konnte eine Schulaufsichtsbeamtin mit einschlägigen Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen für die Arbeitsgruppe gewonnen werden. Bereits seit einigen Jahren hat sie sich auf die Problematik der Förderung im Inland konzentriert.

„Verschiedene Studien belegen, dass der Lernerfolg in der Schule hochgradig durch das vorschulische Lernen determiniert ist und zwar weniger durch die Intelligenz eines Kindes son-dern durch fachspezifische Kompetenzen“, erklärt Schulte. Es komme besonders auf die Entwicklung verbaler und präliteraler Kompetenzen vor Beginn der Schulzeit an. Gerade für zweisprachige Kinder sei diese frühe Förderung von besonderer Bedeutung. „Erst wenn es um korrekte schriftsprachliche Leistungen geht, wird häufig bemerkt, dass grundlegende Sprachmuster nicht gefestigt oder vielleicht fehlerhaft ausgebildet sind“, so Schulte. Gezielte Diagnosen und darauf aufbauende Förderprogramme können diesen Kindern helfen, frühzei-tig ein sprachliches Grundgerüst zu entwickeln, das sie in die Lage versetzt, später auch die schriftsprachlichen Angebote zu bewältigen. Ebenso große Bedeutung kommt dem Übergang vom Kindergarten in die Schule zu. „Der Anteil von Kindern mit Übergangsproblemen wird etwa auf die Hälfte aller Kinder geschätzt“, erklärt Schulte. Für die Bewältigung dieses Übergangs müssen die Anforderungen an die Kinder mit ihren mitgebrachten Kompetenzen in Einklang gebracht werden.

Die ZfA-Arbeitsgruppe setzt sich mit diesen Schwierigkeiten und Anforderungen auseinander und erarbeitet Ansätze zur Verbesserung. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht zunächst die für die Arbeit an Auslandsschulen erforderlichen Qualitätsstandards festzulegen“, erklärt Wicke. Außerdem erörtert die AG die Möglichkeiten, wie die Erzieherinnen und Erzieher ge-zielt ihre Kompetenzen erweitern können. „So wollen wir sicherstellen, dass die Kinder best-möglich die deutsche Sprache erlernen und der Übergang zur Schule reibungslos verläuft“, so Wicke.



01.04.2010
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

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