Archiv 2010

Briefpost aus Deutschland


Kulturweit-Freiwillige ruft deutsch-kenianische Brieffreundschaft ins Leben.

Auf den ersten Blick haben das Runge-Gymnasium und die Kaaga Girls High School wenig gemeinsam. Wo in Oranienburg, vor den Toren Berlins, junge Abiturienten morgens mit Musik im Ohr über die Gänge der traditionsreichen Schule schlürfen, sind die Mädchen der Kaaga Girls High School in Meru, am Fuße des Mount Kenyas, schon in Schuluniform zur morgendlichen Versammlung angetreten, haben die ersten Pflichtaufgaben erfüllt und sitzen nun dicht an dicht in den engen Klassenräumen.

Die Gegensätze könnten nicht größer sein. Doch es ist die 20-jährige Nina Herfert, die inzwischen in beiden Welten zu Hause ist, die Verbindungen schafft und Brieffreundschaften ins Leben ruft. Nina Herfert ist im September vergangenen Jahres im Rahmen des Programms „Kulturweit“, dem Freiwilligendienst des Auswärtigen Amts, an die kenianische PASCH-Schule gegangen. Hier lebt sie auf dem Campus der Mädchenschule, isst und lacht mit den Schülerinnen und macht vor allem im Unterricht deutsche Landeskunde erlebbar.

Durch das Engagement der 19-Jährigen besteht der Deutschunterricht an der Kaaga Girls High School nicht ausschließlich aus Grammatik und Vokabeln pauken, sondern die Mädchen haben viel Spaß beim Lernen. Durch Sprachlernspiele, Bewegung, deutsche Filme und Musik bringt Nina Herfert Abwechslung in den sonst von Disziplin und Ritualen geprägten Schulalltag.

Doch den Kontakt zu ihrer ehemaligen Schule in Oranienburg ließ Nina nie abreißen. Zusammen mit ihrer Geografie-Lehrerin hat sie einen regelmäßigen Briefwechsel zwischen den kenianischen Schülerinnen und den deutschen Abiturienten ins Leben gerufen. „Die Mädchen sind unglaublich motiviert und begeistert, dass es nicht nur Hausaufgaben sind, sondern dass die Texte auch wirklich nach Deutschland fliegen“, sagt Nina Herfert.

Auch die deutschen Schüler bekommen durch das Briefprojekt eine Vorstellung von den Lebensbedingungen in dem ostafrikanischen Land. Meru, die kleine geschäftige Stadt im kenianischen Hochland, war den Schülern aus Oranienburg bisher völlig unbekannt. Bevor sie die ersten Briefe nach Kenia schickten, haben sie sich intensiv mit Kartenmaterial auseinandergesetzt, das kenianische Schulsystem beleuchtet und sich über die wirtschaftlichen Voraussetzungen des Landes informiert.

Es blieb aber nicht nur bei Briefen. Die Schüler in Deutschland veranstalteten Projekttage und verkauften Waffeln. Dabei nahmen sie 300 Euro ein, die sie den Schülerinnen nach Kenia schickten – als kleinen Zuschuss für die Schulgebühren, die sich viele Familien in Kenia nicht leisten können.

Nina Herfert ist inzwischen selbst fast ein Familienmitglied an der Kaaga Girls High School. Mit ihren positiven Erfahrungsberichten hat sie bereits ihre ehemaligen Mitschülerinnen angesteckt. „Vielleicht mache ich auch ein freiwilliges soziales Jahr wie Nina“, überlegt Bianca Kühl, eine der deutschen Briefeschreiberinnen.

25.03.2010
Quelle: Goethe-Institut

PASCH-net und Social Media