Archiv 2010

Januar 2010: „lyrix“ auf der Bühne

Mit „Liebe“ starten wir in die dritte Runde des Lyrikwettbewerbs. Die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ ist dabei nun schon im zweiten Jahr Kooperationspartner. Die 20 besten Gedichte werden im Theater Heidelberg aufgeführt.

Was treibt den Menschen zum Dichten? Und welche Rolle spielt dabei die Liebe? Fast jeder kennt den Impuls, bei großem Liebesglück oder Schmerz zur Feder zu greifen und seine Gefühle in Verse zu gießen. Es scheint fast, als sei die Lyrik als Gattung für die Liebe in ihren vielen Erscheinungsformen erst erfunden worden.

In Kooperation mit dem Theater Heidelberg suchen wir zum Auftakt der nächsten Runde von „lyrix“ das schönste Liebesgedicht von Schülern in Deutschland und Schülern im Ausland. Die Einsendungen nehmen nicht nur wie gewohnt am Monats- und Jahreswettbewerb von „lyrix“ teil, sondern haben auch die Chance, im Heidelberger Theater auf die Bühne zu kommen.

Dafür werden - parallel zu den Monats- und Jahresgewinnern - 20 Gedichte von einer eigens für diese Kooperation zusammengestellten Jury ausgewählt. Diese Texte werden als „Gedicht des Tages“ Teil der aktuellen Produktion des Heidelberger Theaters: Erklär mir, Liebe.
Im Mittelpunkt der Inszenierung von Mareike Mikat steht Liebeslyrik quer durch alle Jahrhunderte und durch die verschiedenen Lebensalter eines Menschen. Erklär mir, Liebe bringt dabei nicht nur die alten Meister auf die Bühne, sondern auch eure Gedichte als Stimme junger Dichterinnen und Dichter von heute.

Einsendeschluss ist der 31. Januar 2010, der Tag der Premiere von „Erklär mir, Liebe“. Die im Theater Heidelberg aufgeführten Gedichte werden anschließend in einem Sammelband veröffentlicht.

Wir freuen uns auf die neuen, kreativen Gedichte.

Als Anregung haben wir für euch zwei Gedichte aus dem akustischen Deutschlandfunk-Lyrikkalender sowie das titelgebende Gedicht der Heidelberger Produktion – „Erklär mir, Liebe“ von Ingeborg Bachmann - ausgesucht.

Liebeslied aus einer schlechten Zeit

von Bertolt Brecht
Wir waren miteinander nicht befreundet
Doch haben wir einander beigewohnt.
Als wir einander in den Armen lagen
Warn wir einander fremder als der Mond.

Und träfen wir uns heute auf dem Markte
Wir könnten uns um ein paar Fische schlagen:
Wir waren miteinander nicht befreundet
Als wir einander in den Armen lagen.

Petersilie

von Achim von Arnim
Was hab ich meinem Schätzlein zu Leide getan?
Es geht wohl bei mir her, und sieht mich nicht an;
Es schlägt seine Augen wohl unter sich,
Und sieht einen andern Schatz wohl lieber als mich.

Petersilie, das edle grüne Kraut!
Was hab ich meinem Schätzelein so vieles vertraut;
Vieles Vertrauen tut selten gut,
So wünsch ich meinem Schätzelein alles Guts.

Alles Guts und noch vielmehr,
Ach wenn ich nur ein Stündelein bei meinem Schätzgen wär;
Ein Viertelstündchen zwei und drei,
Damit ich mit meinem Schatz zufrieden sei.

Erklär mir, Liebe

von Ingeborg Bachmann
Dein Hut lüftet sich leis; grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat's Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen -

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube stellt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn…
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann: Erklär' mir Liebe. Aus: Werke, Bd.1: Gedichte
(c) 1978 Piper Verlag GmbH, München
12.01.2010
Quelle: Dradio und Goethe-Institut

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