Archiv 2010

Erste Kinder-Uni in Shanghai


„Früher gab es noch blauen Himmel und zahlreiche Vögel in der Stadt - heute jedoch fliegen nur noch bunte Plastiktüten in der grauen Luft… Wir sitzen in einem Boot und müssen nach vorne rudern“, so Professor Dong Qi in seiner Eröffnungsrede.

Insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler aus drei Sprachdiplomschulen und der Deutschen Schule Schanghai nahmen teil. „Wissenswelten“ verbinden, so das Motto der 2002 im schwäbischen Tübingen ins Leben gerufenen Veranstaltung, die Schüler für Wissenschaft und Studium begeistern will.

Damit stand der 5.Dezember 2009 ganz im Zeichen von Experimenten, Planspielen, Kreativwerkstätten und Plädoyers. In Gruppen, benannt nach den Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft (chin. Tu, huo, shui, qi) suchten die chinesischen und deutschen Schüler nach Lösungsansätzen beim Kampf gegen den Klimawandel. Dabei stellten sie unisono fest, dass ein Ausgleich der Interessen mitunter recht schwer sein kann.

Unweltschutz kreativ erlernen

Um die Kinder-Uni vorzubereiten, stand für die Dauer von nahezu vier Wochen das Thema „Umwelt“ im Mittelpunkt des Deutsch-Unterrichts von Manfred Espenlaub, Landesprogrammlehrer aus Baden-Württemberg an der Sprachdiplomschule Gangquan in Shanghai. Es wurden zunächst Begriffe aus dem Grundwortschatz wiederholt und neu eingeführt. Ergänzt wurden diese durch fachspezifische Vokabeln wie „Abgase, Spraydose, Verpackungsmüll, CO2, Gletscher schmelzen“.

Die Schüler entwarfen und gestalteten in einer Kreativaufgabe Plakate zum Thema Umweltschutz. Da eigenständiges und kreatives Arbeiten im chinesischen Unterricht bislang wenig umgesetzt wird, galt es hier zunächst einige Widerstände zu überwinden.

„Zunächst lernten meine Schüler grundsätzliche Dinge, wie den Aufbau und die inhaltliche Gestaltung eines Plakats“, erläutert Espenlaub. „Techniken mussten erlernt, der Gebrauch von Arbeitsmaterial wie Lineal, Filzstifte, Bleistifte und Farben musste geübt, Fotos aufgeklebt, Bilder selbst gezeichnet werden“, so der Deutschlehrer.

Was kann ich tun?

Am Ende diskutierten die Schüler auf Deutsch, was gut oder schlecht für die Umwelt ist und gegebenenfalls geändert werden sollte. „Und vor allem auch die Frage ‚was kann ich tun, damit die Umwelt weniger belastet wird?’“, erklärt der Pädagoge. Die Kinder nahmen wichtige Denkanstöße wie z.B. die eigene Müllvermeidung mit nach Hause.

Als schwierig erwies sich das Unterfangen, die Kandidaten für die Kinder-Uni auszuwählen, da alle Schüler sehr gerne mitgemacht hätten. Wie in China üblich, wurden die Besten, nicht die Engagiertesten ausgewählt, denn eine Belohnung bekommt derjenige, der die meisten Punkte hat.

Mit Urkunden, Mappen und T-Shirts bestückt, dazu einer Menge neuem Wissen, das in hitzigen Debatten und eigenen Versuchen erworben wurde, endete diese erste Kinder-Uni erlebnis- und erfolgreich und macht damit Appetit für weitere, die folgen sollen.

07.01.2010
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

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