Archiv 2009

Auslandsschulen erinnern weltweit an den Mauerfall


Der 9. November 1989: kein Tag wie jeder andere. Nach dem inzwischen berühmten Missverständnis von SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski nahmen die Ereignisse ihren Lauf. Noch in der Nacht zogen tausende DDR-Bürger an die Grenzübergänge, und die verwirrten und überforderten Grenzsoldaten entschlossen sich, die Schranken zu öffnen. Die Mauer war gefallen.

Nicht nur in Deutschland wird diesem Ereignis gedacht. Rund um den Globus ist es auch Thema an den von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderten Deutschen Auslands- und Sprachdiplomschulen. Von Budapest bis Buenos Aires, von San José bis Genua setzten sich Schüler und Lehrer in diesen Tagen und Wochen mit dem Mauerfall in Berlin auseinander. Der Wunsch der DDR-Bürger nach Freiheit fasziniert die Schülerinnen und Schüler stark. Daher ist bei vielen ihrer Lehrkräfte schnell klar: Dieses 20-jährige Jubiläum bietet Potential für verschiedene Unterrichtsprojekte. Im Fokus steht natürlich immer wieder die Mauer: ihr Aufbau, die Trennung der Berliner Bevölkerung, Trauer und Schmerz und schließlich der herbeigesehnte Mauerfall. Auch nach 20 Jahren noch ein Grund zur Freude.

Geschichte erlebbar machen

„Es besteht erfreulicherweise ein riesiges Interesse der Kinder und auch der Kollegen, die durch ihren Wohnort bedingt die Mauer nicht ‚hautnah’ erlebt haben, darüber mehr zu erfahren“, teilt die Berliner Lehrerin Ulla Kebe von der Deutschen Schule San José mit. „Wenn ich ihnen, wie jetzt gerade wieder, z.B. davon berichte, wie ich mit meinen Eltern und Geschwistern bei Urlaubsreisen die Grenzkontrollen der Transitstrecke erlebt habe und die dabei empfundenen Gefühle schildere, dann hängen sie nur so an meinen Lippen und zeigen ein großes Bedürfnis nach mehr Information.“ Eine Aktion wie dieser Mauerbau auf dem Schulhof der DS San José durch die Schüler lässt Geschichte ein Stück weit nachvollziehbar und erlebbar werden.

Ein Theaterstück unter freien Himmel gaben Schüler des Colegio Humboldt in Mexico-Stadt. „Glaubt ihr, dass unser Stück angekommen ist?“, fragt der Autor und Regisseur Marcel. „Ich denke schon; als die Grenzsoldaten auf den Flüchtling schossen, haben sich einige aus der Primaria sogar ein paar Tränen aus den Augen gewischt“, meint Elias, der Verantwortliche für die Technik. Gespräche mit Zeitzeugen fanden in Genua und Budapest statt. „Das war Geschichte zum Anfassen“, findet Vivien aus der 12b der DS Budapest.

Dominosteine in Berlin

Neben regionalen oder schulinternen Aktionen sind ungarische Sprachdiplomschüler des Lajos-Kossuth-Gymnasiums einer Einladung der Deutschen Botschaft Budapest gefolgt. Sie haben einen eigenen Dominostein gestaltetet. Er wird am 9. November 2009 in Berlin mit vielen anderen, zum Teil auch von professionellen Künstlern bemalten Dominosteinen auf einer Linie aufgestellt, die den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer nachzeichnet. Die ungarischen Schülerinnen und Schüler wählten für ihren Mauerstein die berühmten Willy-Brandt-Worte „Es wächst zusammen, was zusammen gehört." Unter den Augen der deutschen Politspitze, Russlands Präsident Dmitri Medwedew und US-Außenministerin Hillary Clinton werden Politiker von heute und damals sowie Prominente die riesigen Dominosteine umstoßen.

9. November 2009

PASCH-net und Social Media