Archiv 2009

Tagebuch einer Hilfsaktion in Manila


Nach den verheerenden Naturkatastrophen in Manila haben Schüler, die an der Deutschen Schule (DS) Manila das International Baccalaureate (IB) ablegen, eine Hilfsaktion ins Leben gerufen.

„Die Hilfsaktion steht erst am Anfang. Wir wissen, dass die Schulfamilie der Deutschen Schule Manila verpflichtet ist, ihre Bemühungen fortzusetzen, um den Bedürfnissen der Zeit gerecht zu werden“, sagt Jeannine Tan, IB-Schülerin an der DS Manila.

Neben Jeannine Tan sind folgende Schülerinnen und Schüler maßgeblich an der Aktion beteiligt: Janine Delas, Isabel Kruger-Sprengel, Johann Kuchta, Daniel Schafe, Marten Scholz, Alexander Von Ramm, Bernhard Ashauer, Jose Cortes, Wilhelm Donko, Ana Grabherr, Natascha Kotte, Marc Kruger-Sprengel, Louise Meriguet, Yashi Shrivastava, Hannah Schifferer, Mercedes Trejo, Marie Westreicher, Patricia Windelband und Kim Wolf.

Tagbuch der Helfer

Das Tagebuch gibt Aufschluss über die unternommenen Maßnahmen (aktuelle Einträge an oberster Stelle):

Donnerstag, 5. November und Freitag, 6. November
Die Gruppe „Dokumentation" trifft sich in einer Redaktionssitzung und stellt den Flyer zur Hilfsaktion fertig.
(pdf; 500kb)

Donnerstag, 29. Oktober
Die Schüler der Hilfsaktion wurden vom Deutschen Botschafter, Christian-Ludwig Weber-Lortsch, in die Deutsche Botschaft nach Makati eingeladen, um über ihren Einsatz zu sprechen. „Es war ein ganz zwangloses Treffen, bei dem wir den Botschafter über die Aktion informierten und Andenken von Deutschland erhielten. Das wertvollste Andenken war aber das Treffen mit Herrn Weber-Lortsch selbst“, schwärmt IB-Schülerin Jeannine Tan die als eine von acht Schülern an dem Treffen teilnehmen durfte.

Mittwoch, 28. Oktober
Die Schüler treffen sich zu einer Lagebesprechung nach den Herbstferien. Die Phase der akuten Hilfslieferungen mit Nahrungsmitteln ist beendet. Einige Gebiete sind noch überflutet (Putatan und Pateros), für viele evakuierte Menschen hat die Regierung noch keine Lösung anzubieten. Die Schüler besprechen, für welches Aufbauprojekt sie aktiv werden könnten, u.a. ist die Aufbauhilfe bei einer Grundschule angedacht.

Samstag, 17. Oktober
Die Eltern und Schüler packen den Lastwagen mit den Familienpackungen und fahren nach Tunasan. Dort treffen vier Organisationen zusammen, um die Hilfsaktion gemeinsam durchzuführen.

Aktivitäten
Die Deutsche Schule Manila liefert die Familienpackungen, die Organisation Art of Living stellt eine Suppenküche für 570 Personen, das nationale Rote Kreuz organisiert die Kontakte vor Ort und die „Bilibit Riders“ – eine freiwillige Helfergruppe der Gefängnisaufseher eines Gefängnisses in Muntinlupa – helfen bei der Organisation und Durchführung der Verteilung der Güter.

Freitag, 16. Oktober
Da die Schule ihre Herbstferien beginnt, treffen sich vier Eltern und zwei Schüler privat und bereiten 563 Familienpackungen für das besonders betroffene Gebiet von Tanasan vor.

Dienstag, 13. Oktober
Das Verpacken der Hilfspakete für die nächste Lieferung beginnt. Die Lieferung für Muntinlupa umfasst 500 Familienpakete, für Marikinia 200 Familienpakete. Die Liefertermine sind Donnerstag und Freitag.

Montag, 12. Oktober
Die Gruppe erhält die Information, dass es in Muntinlupa Familien gibt, die seit dem Taifun keine Hilfe erhalten haben. Der Einkauf für 100.000 Pesos für die Partner in Marikina and Muntinlupa wird diesmal von Eltern organisiert.

Samstag/Sonntag, 10. und 11.Oktober
Die Arbeitsgruppe Dokumentation präsentiert die Aktion auf der Veranstaltung der Deutschen Handelskammer „Mabuhay Germany“ und sammelt weitere Spendengelder.

Freitag, 9. Oktober
Schüler und Eltern verteilen in Pateros im Barangay Agoho 75 Hilfspakete und geben vorbereitete warme Mahlzeiten aus.
Das Muntinlupa-Team verteilt 328 Familienpackungen und 1750 Flaschen Wasser.

Montag, 5. Oktober
Besprechung zum weiteren Vorgehen.

Sonntag, 4. Oktober
Die Schüler liefern in Marikina-Nangka 200 Hilfspakete aus und besprechen das weitere Vorgehen mit dem Barangay-Captain ab.

Samstag, 3. Oktober
Die Schüler organisieren sich und kommunizieren über Facebook. Sie rufen zu Spenden auf.

Freitag, 2. Oktober
Die Schülergruppe beschließt, sich in drei Teams aufzuteilen: Das Muntinlupa-Hilfsteam, das Marikina-Hilfsteam und das Pateros-Hilfsteam.
  • Das Muntinlupa-Team steht bei der Koordinierung der Güterverteilung in direktem Kontakt zu einer größeren Nicht-Regierungsorganisation (NGO). Aus Sicherheitsgründen dürfen die IB-Schüler noch nicht das Evakuierungsgebiet von Muntinlupa betreten. Unmittelbare Nahrungsbedürfnisse scheinen befriedigt zu sein. Das Gebiet braucht nun medizinische Versorgung.    
  • Das Marikina-Team koordiniert die Verteilung der Hilfspakete an 60 bis 100 Familien. Dieses Gebiet wurde vor dem Eintreffen der IB-Klasse nicht genügend versorgt, jedoch kümmert sich eine skandinavische Gruppe um die medizinische Versorgung.
  • Das Pateros-Team bemüht sich um den Zugang zu einem Gebiet mit ca. 60 Familien, die bislang nur unzureichend versorgt wurden.
Aktivitäten
Die Verteilung nach Marikina wird organisiert. Es werden zusätzliche 270 Pakete geschnürt, die am kommenden Samstag verteilt werden sollen. Die Schüler beschließen, einen Lastwagen zu benutzen, da die Zufahrt mit normalen PKWs zunehmend schwierig wird.

Der Taifun Parma bedroht die Region. Nichtsdestotrotz wollen die Schüler die Pakete verteilen und sich um 6 Uhr auf dem Schulgelände treffen. Spät am Abend warnen Sicherheitsexperten der GTZ davor, nach Marikina zu fahren, weil das Risiko des neuen Taifuns und damit einhergehender Regenfälle und Stürme zu groß ist. Deshalb beschließen die Schüler, die Pakete nach Marikina erst am Sonntagmorgen zu verteilen.

Donnerstag, 1. Oktober
Immer mehr Schülerinnen und Schüler melden sich freiwillig und helfen auch in den Freistunden aus. Weitere 101 Hilfspakete werden geschnürt und nach Marikina gebracht. Jedes Paket enthält neben Reis, Konserven und Milchpulver auch Instantnudeln, Fruchtsaft, Kaffee, Kekse und Kleiderspenden.

Mittwoch, 30. September
Marikina erhält bislang nur wenig Unterstützung, medizinische Hilfe ist nicht vorhanden. Die Hilfspakete sind von großem Nutzen. Zwei wichtige Entscheidungen werden getroffen:
  • mehr Hilfspakete müssen geschnürt und so schnell wie möglich in der Region verteilt werden
  • mehr Informationen müssen gesammelt werden, damit nach der unmittelbaren Hilfsaktion ein längerfristiges Hilfsprojekt anlaufen kann
Am Nachmittag werden 388 Pakete im Dorf Ayala Alabang verteilt. Die Pakete enthalten Reis, Konservendosen, Instantnudeln, Milchpulver und Seife. Weitere 100.000 Pesos werden freigegeben. Die Eltern spenden weiterhin Kleider, Essen und Geld.

Dienstag, 29. September
IB-Schüler setzen sich mit zwei Müttern zusammen und planen die Hilfsaktion: 300 Essenspakete sollen in den nächsten Tagen an zwei betroffene Gebiete verteilt werden: Muntinlupa und Marikina. Eltern spenden Kleider, andere Waren und Geld.

Montag, 28. September
Eine Gruppe von IB-Schülern hat die Idee, eine Hilfsaktion zu starten. Dank einer großzügigen Spende kann die Schule 100.000 Philippinische Pesos (knapp 1.500 Euro) für die Hilfsaktionen der Schüler bereitstellen.

Samstag, 26. September
Der Taifun Ketsana trifft die Region Metro Manila. Es sind die schwersten Regenfälle seit 40 Jahren. Die vorläufige Bilanz: 70 Tote, 70.000 Obdachlose. Die Schule wird verschont, es kommen keine Schulangehörigen zu Schaden.

Spendeninformation

In den nächsten Tagen und Wochen werden die Hilfsaktionen mit neuen Aufgaben weitergehen: Nach der Erstversorgung, welche in den nächsten Tagen abgeschlossen sein sollte, steht die Aufgabe zum Wiederaufbau an. Die Schülergruppe plant, ein Projekt in diesem Bereich durchzuführen.

Wer das Hilfsprojekt von Deutschland aus unterstützen will, kann das folgende Konto des Schulvereins als Spendenkonto verwenden:

Deutscher Schulverein Manila
Deutsche Bank
Bankleitzahl: 38070024
Kontonummer: 0065484800
Stichwort: Typhoon Opfer Manila

Die Deutsche Schule Manila ist eine der 135 Deutschen Auslandsschulen, die die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) betreut. Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ verstärkt die ZfA eine qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

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10. November 2009

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