Archiv 2008

Zukunftsperspektive Bildung - unsere Partnerschulen im Ausland

Namensartikel
des Bundesministers des Auswärtigen
Dr. Frank-Walter Steinmeier
in den Zeitschriften der IHK.


Wir leben in einem Zeitalter der großen Veränderungen, einer Zeit, in der sich die wirtschaftlichen und politischen Gewichte verschieben und sich neue Kraft- und Machtzentren bilden. Die Welt ist im Umbruch und auf der Suche nach einer neuen Ordnung. Dabei sollten wir nicht versuchen, diese neuen Herausforderungen mit alten Denkmustern anzugehen, und hierfür brauchen wir eine neue Politik – eine Politik, die sich an der Zukunft ausrichtet, die gestaltet und verändern will.

Kultur und Bildung sind eng mit einer solchen neuen Außenpolitik verknüpft. Wir sehen täglich, wie die durch die Globalisierung ausgelösten Veränderungsprozesse und die immer engere wirtschaftliche Verflechtung für uns alle neue Herausforderungen mit sich bringen. Denn der heute selbstverständlich gewordene Austausch in Sekundenschnelle über Kontinente hinweg stellt enorme Anforderungen an die Akteure – nicht nur an ihre fachliche Qualifikation und Sprachkenntnisse, sondern mehr und mehr auch an ihre interkulturellen Kompetenzen. Hier wollen wir ansetzen und vor allem jungen Menschen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg geben und sie fit machen für die Zukunft in einer globalisierten Welt.

In diesem Sinne haben wir in den vergangenen Jahren unsere Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik erneuert. Nach einer umfassenden Strukturreform des Goethe-Instituts, mit der wir das Flaggschiff unserer Kulturaußenpolitik modernisiert und den verstärkten Zugang zur deutschen Sprache vorangebracht haben, haben wir in diesem Jahr die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, unser Netz von Partnerschulen auszubauen, um mehr jungen Menschen das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen, ihr Interesse an unserem Land und unserer Gesellschaft zu wecken, kurz: sie für Deutschland zu begeistern. Wir wollen junge Menschen dauerhaft an Deutschland binden und sie zu Brückenbauern zwischen ihren Heimatländern und Deutschland machen – für Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung. Wir werden dabei nicht bei den Schulen haltmachen, sondern auch die Verbindungen im universitären Bereich stärken durch eine Außenwissenschaftsinitiative, die ab 2009 einen besonderen Schwerpunkt auf dieses Gebiet legt, um im internationalen Wissenschaftswettbewerb an der Spitze mithalten und unsere Interessen im Ausland noch besser vertreten zu können. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag genau dort, wo er für eine hoch entwickelte Volkswirtschaft am wichtigsten ist: beim Humankapital.

Wie wichtig hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für global agierende deutsche Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern gerade auch an ihren Auslandsstandorten sind, erlebe ich sehr häufig auf meinen Auslandsreisen. Und ich denke dabei nicht nur an Großkonzerne, sondern auch und vor allem an unseren Mittelstand. Unsere große Stärke sind die vielen höchst innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die das Markenzeichen „Made in Germany“ prägen und nicht selten auch Weltmarktführer in ihren Branchen sind. In den verschiedensten Teilen der Welt höre ich von meinen ausländischen Gesprächspartnern immer wieder, wie sehr die Leistungen und Produkte unserer kleinen und mittelständischen Betriebe geschätzt werden. Ich habe noch sehr lebendig vor Augen, wie bei meiner jüngsten China-Reise in Chongqing ein deutscher Ingenieur mit unverwechselbarem badischen Akzent anschaulich die technischen Details der Tunnelbohrung für die neue U-Bahn erläuterte und damit nicht nur mich, sondern die gesamte deutsch-chinesische Delegation sehr beeindruckte.

Ich bin überzeugt, dass Kultur und Wirtschaft die Voraussetzung für stabile politische Beziehungen sind. Denn sie bilden das Netzwerk und die Brücken, über die wir uns im politischen Alltagsgeschäft bewegen. Mir liegt daher sehr daran, diese beiden Facetten unserer Außenpolitik bestmöglich miteinander zu verbinden. Mit unserer schulischen Arbeit und Präsenz im Ausland steht uns ein – auch im internationalen Vergleich – hochwertiges außenkulturpolitisches Instrument zur Verfügung. Dieses wollen wir gezielt ausbauen und stärken, vor allem in den Wachstumsregionen in Asien, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Mittel- und Osteuropa, wo wir zukünftig stärker präsent sein wollen. Wir schaffen damit einen konkreten Mehrwert für deutsche Unternehmen: die jungen Menschen, die von diesen Schulen kommen, sind für Sie kulturelle Brückenbauer und lebendige Netzwerke in einem. Es gilt daher, die Besten zu gewinnen – für Deutschland und für deutsche Unternehmen. Unsere Auslandsschulen können aber noch mehr! Sie sind ein weltweites Angebot an deutsche Führungskräfte im Ausland: Wir geben damit das Versprechen ab, dass ihre Kinder sich an vielen Orten in den verschiedensten Ländern in deutschen Schulen gut aufgehoben fühlen.

Zahlreiche Unternehmen unterstützen uns bereits in unserem Engagement für die jungen Menschen – beispielsweise mit Stipendien für die besten Absolventen unserer Auslandsschulen, Praktikumsplätzen in ihren Niederlassungen im Ausland, Ausstattungshilfen für die Schulen oder der Förderung von einzelnen Projekten. Es ist mir ein großes Anliegen, noch mehr deutsche Unternehmen für ein Engagement zu gewinnen. Lassen Sie uns gemeinsam an einem Strang ziehen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn auch Sie sich für unsere Initiative begeistern würden und sie unterstützen wollen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auswärtigen Amt in Berlin stehen Ihnen bei Fragen und Anregungen jederzeit gerne zur Verfügung. Ich lade Sie herzlich ein, Kontakt mit uns aufzunehmen – wir freuen uns auf Ihre Ideen!


Dr. Frank-Walter Steinmeier
Bundesminister des Auswärtigen


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