Archiv 2017

Das Mittelalter zum Leben erwecken

PASCH-Theaterworkshop in Bukarest: Erste Bühnenerfahrung vor Publikum
Wie der Held in Felicitas Hoppes Jugendroman „Iwein Löwenritter“ zogen zahlreiche Schülerinnen und Schüler verschiedener rumänischer PASCH-Schulen aus, um sich in ein Abenteuer zu stürzen: einen viertägigen Workshop zum Roman, der mit einer 30-minütigen Theateraufführung endete.


Wenn Schülerinnen und Schüler Deutsch lernen, wollen sie mehr, als diese Sprache nur im alltäglichen Unterricht anwenden. Gerade in den Klassenstufen 5 bis 8 besitzen Kinder und Jugendliche noch viel Phantasie und Kreativität. Diese sollte ihnen an den Schulen auch entlockt werden, um sie für den Unterricht in deutscher Sprache dauerhaft zu motivieren und zu begeistern.

Zum Ende des Schuljahres brachten rumänische Schülerinnen und Schüler mit dem Sprachniveau B1 große Freude und mehr als nur ausreichend Energie mit, um ein tolles Theaterspiel erfolgreich auf die Bühne zu stellen und sich vor (teilweise) fremdem Publikum zu beweisen.

Mittelalterliche Texte im Theaterworkshop

Erste Besprechung mit Dr. Goller in der Gruppe Bei dem Theaterworkshop in Bukarest arbeiteten die jungen Deutschlernenden an einer vorgegebenen Geschichte aus dem Mittelalter, die ihnen irgendwie vertraut und dennoch unbekannt schien. Durch das Verfassen zahlreicher deutschsprachiger Texte stärkten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei nicht nur ihre schriftliche Kommunikationskompetenz, sondern sie erweiterten auch ihre mündliche und Lesekompetenz durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Romans „Iwein Löwenritter“ von Felicitas Hoppes.

Drei Tage später wurden die selbst verfassten Texte dann als Theaterstück in vielfältigen Aufführungsformen auf der Bühne szenisch umgesetzt.

Spannende Rittergeschichten und Werbung für Wundersalbe

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten an der Aufführung Circa 50 begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer konnten am 2. Juni im Festsaal des Gymnasiums I. L. Caragiale nicht nur miterleben, wie Iwein Löwenritter das Herz der „Königin Laudine vom Land Nebenan“ zweimal gewann; sie verfolgten gespannt auch den Zweikampf eines Löwen mit einem Drachen, präsentiert von zwei Schülerinnen in Form eines Puppentheaters auf einem rot gewandeten Tisch.

Dann wurde zu aller Überraschung auf der Bühne ein moderner Werbespot für eine Wundersalbe gezeigt, den die Schülerinnen und Schüler ebenfalls selbst entwickelt hatten. Mit exakt dieser Wundersalbe gelang es „der Frau mit den weißen Händen“ wenige Augenblicke später, den unter einem Baum bewusstlos zusammengesackten Ritter Iwein wieder zurück ins Leben zu holen.

Spaß hatten nicht nur die Zuschauer

Die jungen Darstellerinnen und Darsteller selbst hatten große Freude daran, in eine Vielzahl von mittelalterlichen Kostümen zu schlüpfen und mit zahlreichen Requisiten vom Kostümverleih vor ihren Eltern, Geschwistern und Freunden zu agieren. Dass sie für die Erarbeitung der Texte sowie für die Proben vor der Aufführung zwei schulfreie Tage – und vielleicht sogar einen Familienausflug in die Berge oder ans Meer – „geopfert“ hatten, war so schnell vergessen.

Das Finale – eine erste Bühnenerfahrung die einen umhaut.
Am Ende konnten alle am Projekt Beteiligten gemeinsam feststellen, wie wichtig es immer wieder ist, Kinder und Jugendliche, die Deutsch in der Schule lernen, durch besondere unterrichtliche Maßnahmen in neuen sozialen aber auch sprachlichen Kontexten zu stärken und ihnen so einen differenzierten Zugang zu deutscher Sprache und Kultur zu ermöglichen.

Schülerinnen und Schüler schulübergreifend mit Hilfe des szenischen Spiels für die deutsche Sprache zu gewinnen und ihnen überdies die Möglichkeit zu geben, ihre Sprachkompetenzen weiter systematisch zu entfalten, ist mehr als nur lohnenswert – das ergab auch das Feedback aller Teilnehmenden und der Zuschauer.

Mit Dr. Detlef Goller vom Lehrstuhlteam für Deutsche Philologie des Mittelalters an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hatte man einen Workshopleiter gewinnen können, der über langjährige didaktische Erfahrung in der Arbeit mit Schulkindern im In- und Ausland verfügt. Mit seinem großen theaterpädagogischen Geschick gelang es ihm, alle Beteiligten für die Welt der Könige, Ritter, Hofleute und Drachen zu begeistern, deren „fremde“ und „alte“ Sprache ein Grundbaustein für die szenische Aufführung von „Iwein Löwenritter“ war.
28.06.2017
© Fabrice Liesegang, Fachberater/Koordinator
der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Süd- und Ostru­mä­ni­en und der Re­pu­blik Mol­dau

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