Archiv 2017

Filmworkshop – Flüchtlinge damals und heute

Riwne Flüchtlingsprojekt Interview
21 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Polen und der Ukraine haben sich beim Filmworkshop im ukrainischen Riwne mit dem Thema Flucht beschäftigt.


Wie schnell eine spannende Woche vorrübergeht, haben die Teilnehmenden des Filmprojekts „Flüchtlinge – damals und heute“ erfahren, das vom 23. bis 28. April 2017 im ukrainischen Riwne stattfand. Dort trafen sich 21 Schülerinnen und Schüler aus Polen, der Ukraine und Deutschland, um gemeinsam Filmbeiträge zu historischen und gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen zu erarbeiten.

Die technische Unterstützung hierfür erhielten sie von den Dokumentarfilmerinnen Kerstin Rickermann und Silke Beller von Glocal Films. Die inhaltliche Betreuung übernahm der Regisseur und Initiator des Theatre of Displaced People, Georg Genoux. Sechs Tage dauerte die Auseinandersetzung mit der nicht immer einfachen Thematik, der sich die Schülerinnen und Schüler über Exkursionen, Recherchen und Zeitzeugengespräche näherten.

Riwne Flüchtlingsprojekt Aufnahmen

Die historische Komponente des Projekts beinhaltete die Auseinandersetzung mit den Massakern in Wolhynien und Ostgalizien, die sich 1943/44 unter anderem in der Region um Riwne ereignet hatten. Dem blutigen Treiben ukrainischer Nationalisten fielen nach unterschiedlichen Schätzungen bis zu 100.000 Menschen meist polnischer Abstammung zum Opfer.

Was in Polen daher seit Langem als Genozid bezeichnet wird, ist in der Ukraine lediglich als Tragödie von Wolhynien bekannt. „Es ist wichtig, dass wir in diesem Projekt eine Möglichkeit hatten, über Geschichte zu sprechen und etwas daraus zu lernen“, resümiert die 17-jährige Monika aus Warschau.

Riwne Flüchtlingsprojekt Action

Doch auch gegenwärtige Entwicklungen sollten durch das Filmprojekt in den Blick genommen werden: So wurde als aktuelle Ursache von Flucht und Vertreibung schwerpunktmäßig der Krieg im Osten der Ukraine thematisiert. In diesem Zusammenhang fanden auch Gespräche mit Betroffenen aus dem Donezker Gebiet statt, die allen Teilnehmenden nachhaltig in Erinnerung blieben.

„Im Rahmen des Projektes setzen sich die Jugendlichen auch mit unbequemen Wahrheiten auseinander und lernen, diese in die jeweiligen Kontexte einzuordnen. Das trägt zur sachlichen Auseinandersetzung mit einem Thema bei“, so Veikko Frauenstein, Gesamtkoordinator des Projekts am Goethe-Institut Ukraine.

Die Teilnehmenden verfassten Narrative, erprobten Interviewtechniken und übten den Umgang mit audiovisuellem Equipment sowie Schnittsoftware, die im Laufe des Workshops ihre Anwendung fand. Nach sechs Tagen konnten die Ergebnisse schließlich am Freitag an einer PASCH-Schule in Riwne der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Beiträge fanden bei dem überwiegend jugendlichen Publikum großen Zuspruch und ernteten viel Applaus.

Riwne Flüchtlingsprojekt Aufführung der Filme

Mit der Vorstellung der Filme ist das auf internationale Begegnung abzielende Projekt jedoch noch nicht zu Ende. Zwei weitere, mehrtägige Workshops im Sommer und Herbst werden die Schüler nach Polen und Deutschland führen. Vom 26.06. bis 02.07. und vom 21.10. bis 28.10. finden länderspezifische Recherchen sowie Dreharbeiten im ostpolnischen Lublin und in Berlin statt.

Das Projekt „Flüchtlinge – damals und heute“ wird mit Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland gefördert und im Rahmen des Deutsch-Ukrainischen Sprachenjahrs 2017/18 durchgeführt. Kooperationspartner sind das Goethe-Institut und das Deutsche Youth For Understanding Komitee. Die Workshopleitung unter Mitwirkung des Theatre of displaced people (Kiew) hat Glocal Films (London).
22.06.2017
Jonas Brosig, kulturweit-Freiwilliger am Goethe-Institut Ukraine
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