Archiv 2017

„Lesefüchse International“: Landesfinale in Bulgarien

Die Finalistinnen und Finalisten des „Lesefüchse-Landesfinale
Neun Schulsiegerinnen und ein Schulsieger aus ganz Bulgarien trafen sich am 28. April zum Landesfinale der „Lesefüchse International“ 2017 in Sofia. Begeistert diskutierten sie in zwei Finalrunden die vier diesjährigen Lesefuchsbücher.


„Bücher, weißt du, die sind geduldig. Sie warten auf uns, bis wir Zeit haben, sie zu entdecken.“ Mit diesen Worten ermuntert die Buchhändlerin Helene im historischen Jugendroman „Zeit der großen Worte“ von Herbert Günther den Helden Paul, sich mit kleinen Schritten auf die Reise in die fantastische Welt der Bücher zu begeben. Auf diese Reise haben sich auch über 100 lesebegeisterte Schülerinnen und Schüler an zehn Schulen, die auf Prü­fun­gen zum Deut­schen Sprach­di­plom der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz – Zwei­te Stu­fe (DSD II) vorbereiten, in ganz Bulgarien gemacht und sich am Literaturprojekt „Lesefüchse International“ 2017 der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) beteiligt.

Die Diskussionsrunden mit den Finalistinnen und Finalisten bringen spannende Rededuelle hervor

Seit September haben sie sich intensiv mit den vier diesjährigen Lesefuchsbüchern auseinandergesetzt. Dabei erfuhren sie aus der Sicht des Romanhelden Paul das Schicksal seiner Familie während des Ersten Weltkriegs, entlarvten gemeinsam mit den Helden des Ökothrillers „Brennendes Wasser“ von Lukas Erler eine Umweltkatastrophe durch Fracking, tauchten mit Albert im Roman „Echt“ von Christoph Scheuring in das Leben der Obdachlosen am Hamburger Hauptbahnhof ein und erlebten in „LIKE ME“ von Thomas Feibel die Gefahren der sozialen Netzwerke. Nach den schulinternen Finals Ende April trafen sich die zehn Schulsiegerinnen und Schulsieger zum Landesfinale an der 35. Schule „Dobri Voynikov“ in Sofia. Als Fanclub und zum Daumendrücken durften in diesem Jahr dank umfassender Unterstützung durch die Deutsche Botschaft Sofia erstmals vier Schülerinnen und Schüler pro Schule nach Sofia reisen.

Auseinandersetzung mit gesellschaftssbedeutenden Fragen

Nachdem die Schulsiegerinnen und Schulsieger mit tosendem Applaus vom Publikum empfangen worden waren, wurden die Teilnehmenden der beiden Finalrunden ausgelost. In je 50 Minuten begeisterten die Lesefüchse das Publikum mit ihrem detaillierten Wissen über die Lesefuchsbücher, ihren ausgezeichneten Sprachkenntnissen und spannenden Rededuellen. Die Freundschaft von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften in den sozialen Netzwerken, die Pflichten einer Gesellschaft im Umgang mit Obdachlosen und die Verantwortung, Kriege auf der Welt zu verhindern waren die Themen, welche die Lesefüchse in diesem Jahr besonders ausführlich diskutierten. Daher fiel es der Jury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des bulgarischen Bildungsministeriums, der Deutschen Botschaft Sofia, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der ZfA nicht leicht, eine Landessiegerin oder einen Landessieger zu bestimmen. Neben den herausragenden Leistungen der Lesefüchse aller Schulen überzeugte die Jury am Ende besonders Eda Mehmedali vom Fremdsprachengymnasium „Hristo Botev“ aus Kardzhali, die Bulgarien beim Internationalen Finale in Berlin vertreten wird. Das Publikum begeisterte außerdem das Werk „Zeit der großen Worte“ von Herbert Günther, das zum Lesefuchsbuch 2017 für Bulgarien gewählt wurde.

Lesefüchse und betreuende Lehrkräfte

„Ich habe mich sehr gefreut, als ich meinen Namen von der Jury gehört habe“, erzählt die glückliche Landessiegerin. „Der Preis ist für mich eine große Ehre und Motivation. Ich bin sehr stolz, dass ich Bulgarien vertreten werde.“ Doch der mögliche Sieg war für Eda nicht der einzige Grund, am Literaturprojekt „Lesefüchse International“ teilzunehmen. „Für mich ist dieses Projekt sehr spannend, da wir uns mit deutscher Jugendliteratur beschäftigen. Denn diese Bücher setzen sich nicht nur mit Problemen von Jugendlichen, sondern auch mit gesellschaftsbedeutenden Fragen auseinander.“ Dies ist auch für die das Projekt betreuende Deutschlehrerin Galina Nedyalkova der Grund, warum sich das Fremdsprachengymnasium in Kardzhali seit drei Jahren an diesem Projekt beteiligt. „Die Arbeit mit den Jugendbüchern ist ein zweiseitiger Prozess. Wir haben uns nicht nur unterhalten, sondern auch viel gelernt. Während der Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Werken habe ich beobachtet, dass die Kinder ihren Wortschatz erweitert und ihre Argumentationsfähigkeit und das kritische Denken entwickelt haben.“

Neben dem Besuch von Berlin freut sich Eda bei der Finalwoche vom 10. bis 16. September 2017 besonders darauf, die Lesefüchse aus den anderen Ländern kennenzulernen. „Leute mit ähnlichen Interessen und vielen frischen Ideen zu treffen, sich auszutauschen, zu diskutieren und dabei vielleicht auch gute Freunde zu finden, ist für mich das schönste Erlebnis.“
Datum: 18.05.2017
© Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)


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