Archiv 2016

Nachhaltigkeit erfahren: Schüler aus Peru erkunden Deutschland

Wie sauber sind Grund- und Leitungswasser in Köln? Ein Experiment...
Zwei Drittel der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt, doch reicht es für alle Menschen? Dieser Frage gingen vom 4. bis zum 16. Dezember 13 Schülerinnen und Schüler verschiedener PASCH-Schulen aus Peru auf einer Deutschlandreise nach.


Doch nicht nur die Verwendung von Wasser war Thema der Projektreise. Insbesondere der Austausch über Nachhaltigkeitsprojekte mit Jugendlichen an Schulen in Deutschland stand im Zentrum. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler durch den Fachschaftsberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) Thomas Bex, die Bundesprogrammlehrkraft Marietta Moser, die Mitarbeiterin des Goethe-Instituts in Lima Stefanie Rambow sowie drei weitere Lehrkräfte.

Umweltrelevantes Wissen vermitteln

„Projektziel bei diesem Jugendaustausch ist die Vermittlung umweltrelevanten Wissens in Deutschland. Aufgrund der besonderen Relevanz für Peru im Allgemeinen und der Stadt Lima im Besonderen wurden aus dem Bereich der Nachhaltigkeit die Themenbereiche Klimawandel und dessen Folgen, städtische und urbane Entwicklung sowie Wasserressourcenmanagement als zu behandelnde Aspekte bestimmt“, erläutert Thomas Bex, der das Projekt initiiert hat, das aus Mitteln des Auswärtigen Amts gefördert wird.

Meinungsaustausch am Mädchengymnasium Essen-Borbeck

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihr Wissen nach ihrer Rückkehr multiplikatorisch an ihren jeweiligen Schulen weitergeben. „Sowohl die von der ZfA betreuten DSD-Schulen und Deutschen Auslandsschulen, als auch das Goethe-Institut sind in das Projekt involviert. Dabei ist die Verbindung von fachlichen, insbesondere MINT-Themen, mit Deutschkenntnissen im Bereich von A2 bis B2 ein vollkommen neuer und innovativer Ansatz“, betont Bex. Besucht wurden Einrichtungen in Köln, Bonn, Essen, Hamburg und Berlin, die dem Thema Nachhaltigkeit in besonderer Weise verbunden sind.

Verhaltensweisen ändern

„In Peru und speziell in Lima sind zahlreiche Umweltprobleme vorzufinden, die man zumindest teilweise auch durch Änderung der Verhaltensweisen – und im Vorfeld entsprechende Information über Alternativen – angehen könnte. Der Einstieg über die deutsch-peruanischen Schulen, von denen später zahlreiche Schülerinnen und Schüler entscheidungsrelevante Stellen innehaben werden, ist aus unserer Sicht vielversprechend“, erläutert Fachschaftsberater Bex.

Ausblick über Köln

Zu Beginn der Projektreise stand ein Besuch des Wasserwerks in Köln-Westhoven auf dem Plan. Die dortige „Wasserschule“ hat sich als Ziel gesetzt, Schülern und jungen Erwachsenen den natürlichen und wirtschaftlichen Wasserkreislauf näherzubringen. Student Jan erklärte den Jugendlichen aus Peru mit Hilfe einer großen Weltkugel, warum Wasser ein so kostbares Gut ist. Die Schüler sollten dazu in einem Gruppenspiel Schätzungen zum täglichen Wasserverbrauch in Deutschland abgeben. Viele waren von den Ergebnissen sehr überrascht. Keiner hätte gedacht, dass allein der Gebrauch der Toilettenspülung durch eine einzige Person ganze 33 Liter am Tag verschlingt. Jan wies darauf hin, dass in Deutschland ca. 120 Liter pro Person und Tag verbraucht werden. Im Vergleich zu den restlichen Ländern Europas ist der Wasserverbrauch in Deutschland relativ niedrig, verglichen mit Ländern Afrikas sind die Werte jedoch immens hoch.

Wenig Wasser, hoher Verbrauch

„Für unsere Gruppe hatte er recherchiert, dass in der Stadt Lima etwa 250 Liter pro Tag und Person verbraucht werden. Lima ist somit eine Stadt, in der es nur sehr wenig Wasser gibt, aber leider enorm viel verbraucht wird“,
merkt Thomas Bex an.

Anhand zweier Experimente wurde der Gruppe aus Peru vor Augen geführt, dass das Grundwasser und das Leitungswasser in Köln sehr sauber und gesund sind. Die Jugendlichen stellten fest, dass der pH-Wert von Leitungswasser sogar noch etwas höher ist als der von Mineralwasser und daher gesünder als Mineralwasser aus Flaschen. Für die Schüler war dies ein sehr beeindruckender Befund, besonders wenn man bedenkt, dass in Lima Wasser aus der Leitung auf keinen Fall direkt getrunken werden kann.

Klimawandel deutlich spürbar

Auch die Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln stand auf dem Programm der PASCH-Schüler. Mitarbeiter Reiner Gottschlich erklärte, dass der Klimawandel auch in Köln in den letzten Jahren deutlich spürbar war, erkennbar durch vermehrte Hitzewellen und gewaltige Unwetter. Dazu können und sollen die Bürger der Stadt Köln ihre eigenen Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Stadtentwicklung auf der Plattform „Smart-City“ einbringen. Die Ziele und Visionen der Initiative „Smart-City“ umfassen die Bereiche Lebensqualität, Ressourcenschonung und Wirtschaftsentwicklung.

Vortrag in der Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln

Dazu gehört beispielsweise das EU-Projekt „Grow Smarter“. Im Süden Köln-Mühlheims soll im Rahmen dieses Projekts ein neues Wohnviertel mit 3.000 Wohnungen und 5.000 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Geplant wird ein Stadtviertel mit niedrigem Energieverbrauch und nachhaltigem Verkehrsverhalten. Alle Häuser der Siedlung bekommen Photovoltaikanlagen, der Energiehaushalt wird durch eine besondere Smart-Energie-App geregelt und der Verkehr innerhalb der Siedlung erfolgt nur mit Elektroautos, die an einer Mobilitätsstation aufgeladen werden können.

Gottschlich machte deutlich, dass die Bildung und Erziehung zum Umweltbewusstsein von enormer Bedeutung ist. Nur durch die Sensibilisierung der Menschen können längerfristig Erfolge erzielt werden. Schon kleine Gesten wie Fahrradfahren zum Supermarkt oder die Verwendung einer Stofftasche können einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Berlin-Besuch

Unter dem Motto „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ war die Hauptstadt der letzte Ort der Projektreise. Hier standen unter anderem ein Schulbesuch, Workshops in der Humboldt-Box zum Thema Umgang mit Plastik-Müll sowie Führungen und Vorträge im weltbekannten „Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung“ auf dem Programm. Höhepunkt für die Programmteilnehmer waren ein Besuch beim Auswärtigen Amt sowie ein Treffen mit der Vorsitzenden des Umweltausschusses MdB Bärbel Höhn.

Auf die Frage der Schülerin Lucero an MdB Höhn „Wann haben Sie realisiert, dass die Welt Hilfe braucht?“, antwortete die Bundestagsabgeordnete, dass sie im Wohlergehen der eigenen Kinder und einer umweltbedingten Erkrankung des Sohnes ein Zeichen gesehen habe, sich persönlich für den Umweltschutz zu engagieren.

Die Gruppe vor dem Auswärtigen Amt in Berlin

Im Auswärtigen Amt erläuterten Gabriele Wennemann und Ruth Reese die Strukturen und den weltweiten Jugendaustausch des Amtes. Insgesamt 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Auswärtigen Amt beschäftigt, der Großteil in Botschaften und Konsulaten im Ausland. „Natürlich hat auch die Außenpolitik ein großes Interesse, das Thema Umwelt zu stärken“, betonte einer der Umweltexperten des Auswärtigen Amts, Julius Klüpfel. Sein Kollege Jean-Philippe Schwab unterstrich, dass ein Forum für Best Practice eine sinnvolle Maßnahme für Länder wäre, sich über gute Nachhaltigkeitsprojekte zu informieren.
23.12.2016
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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