Archiv 2016

Projekt im Kosovo: „Hotspot: Balkanroute - Kinder auf der Flucht“

Tanzaufführung
Was geschieht gerade in der Welt und warum? Mit Theater, Musik, Tanz und der Konfrontation mit einem gemeinsamen Problem, über ethnische und religiöse Gruppen hinweg mit Sprache Brücken zu bauen - das war die Idee des Alumni-Projekts am Loyola-Gymnasium in Prizren.


An vier Projekttagen galt es, ein etwa einstündiges Theaterwerk auf die Bühne zu bringen. Für die 63 Gymnasiasten aus Prizren, Paris, Skopje, Ulcinij und Sremski Karlovci war spätestens bei loderndem Feuer und Volksmusik klar, dass sich die Anstrengung in den einzelnen Gruppen gelohnt hatte und sie Teil von etwas Außergewöhnlichem geworden waren.

Eine Abdeckplane in der Bühnenmitte, zu einem Zelt geformt, steht symbolisch für das Elend des Lagerlebens der Flüchtenden aus allen Teilen der Welt. Ein Chor aus Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen des Balkans spricht unter anderem folgende Worte: „Straßen voller Panzer – Kontinent voller Zäune – Welt voller Waffen“. Eine Tanzgruppe von 15 Jugendlichen gestaltet mit Mitteln des Modern Dance die innere Verfassung der aus dem Meer geretteten Hoffnungslosen. Ein Chor kommentiert die gespenstische Theaterszene mit dem Vers „Und der Himmel da oben – wie ist er so weit!“ von Franz Schubert. Diese Szene illustriert, was ein Team, bestehend aus Theater- und Musikpädagogen, einer Choreographin sowie 15 Lehrkräften und zwei kulturweit-Freiwilligen, an vier Tagen aus hochmotivierten Schülerinnen und Schülern herausholen konnte. „Schon ab der ersten Probe war klar, dass hier ein Vertrauensverhältnis geschaffen wurde, das schwierige Situationen überwindet“, sagt der Theaterpädagoge Johannes Rietmann.

„Lieber Kosovo als Côte d’Azur“

Gruppenbild vor dem Loyola-Gymnasium in Prizren

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Eine Theateraufführung auf Deutsch, die mit Musik, Tanz und Bildprojektion eine gemeinsame künstlerische Sprache schuf. Die Bildprojektionen enstammten der Ausstellung, die die Schülerinnen und Schüler mit Texten aus dem UNICEF-Bericht „Kinder auf der Flucht“ und zehn großformatigen Bildern gestaltet hatten. Mit Hilfe eines Fragebogens befassten sich auch die anderen Gruppen mit ökonomischen Ursachen und psychischen Folgen der Flucht. Neben der intensiven Arbeit in den ländergemischten Gruppen wurde auch zusammen gesungen, gelacht und natürlich wurden viele Freundschaften geschlossen. Vor allem auch bei der Besichtigung Prizrens, bei der die Schülerinnen und Schüler des Loyola-Gymnasiums den Besucherinnen und Besuchern stolz ihre Stadt präsentierten.

Stadtführung

Für Dr. Boris Menrath, Leiter des Regionalbüros Südosteuropa der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), ist Prizren ein geeigneter Ort für dieses Projekt, weil es dort „eine lange Tradition des multiethnischen Zusammenlebens gibt. Aber auch die Erfahrung des Krieges und der Flucht, die viele nach Deutschland führte. Nach ihrer Rückkehr haben sie beide Heimaten behalten.“ „Lieber Kosovo als Côte d’Azur, wann sehen wir uns wieder?“, sagte ein französischer Schüler des Lycée Henri IV und sprach damit allen aus dem Herzen.

Das Camp wurde im Rahmen der Alumni-Arbeit der ZfA finanziert. Weitere Informationen und eine Aufzeichnung der Aufführung sind auf auf PASCH-net zu finden.
Datum: 25.11.2016
© Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)


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