Archiv 2016

Jugend debattiert in Südamerika

Gruppenfoto der Debattantinnen und Debattanten mit Jens Lütkenherm, Stellvertreter des Botschafters in Santiago de Chile, Joachm Lauer, Leiter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und Ansgar Kemmann, Projektleiter „Jugend debattiert“
Im Oktober sind Jugendliche aus Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay zum Internationalen Finale des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ in Santiago de Chile zusammengekommen. Der Wettbewerb wird von der Hertie-Stiftung und der ZfA erstmals auch in Südamerika veranstaltet.


45 PASCH-Schulen nahmen an „Jugend debattiert in Südamerika“ teil. Eingeladen hatte die Fachberatung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Chile, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Schule Santiago den dreitägigen Wettbewerb organisiert hatte. Claudia Engeler, Schulleiterin der Schweizer Schule, zeigte sich begeistert vom Niveau der Debattantinnen und Debattanten aus vier Ländern.

Das Thema der Schlussdebatte in der Deutschen Botschaft lautete: „Soll in unseren Ländern wie in Chile bei allgemeinen Wahlen Wahlpflicht durch Wahlrecht ersetzt werden?“ Es überzeugte der 17-jährige Francisco Arid vom Colégio Benjamin Constant in Sao Paulo, der eindrucksvoll für eine Beibehaltung der Wahlpflicht argumentierte und damit den Gesamtsieg errang. Den zweiten Platz belegte die Chilenin Antonia Vera von der Deutschen Schule Valparaíso, gefolgt von Cindy Wiebe Rempel aus Paraguay und Ana Júlia Holler aus Brasilien. Zuvor hatten sie sich in weiteren Debatten mit der Legalisierung von Cannabis nach dem Vorbild Uruguays auseinandergesetzt und erörtert, ob die kostenlose Abgabe von Plastiktüten verboten oder der Sportunterricht um täglich eine Stunde ausgeweitet werden soll. Eine fachkundige Jury hat die Leistungen der Debattantinnen und Debattanten nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft bewertet und abschließend Siegerinnen und Sieger bestimmt.

„Es geht vor allem um politische Bildung“

Die Siegerinnen und Sieger mit (v.l.n.r.): Claudia Engeler (Schulleiterin der Schweizer Schule Santiago), Ansgar Kemmann (Projektleiter „Jugend debattiert“), Jens Lütkenherm (Stellvertreter des Botschafters in Santiago de Chile) und Joachim Lauer (Leiter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen)

Der Leiter der Zentralstelle für das Auslandschulwesen, Joachim Lauer, ehrte die Siegerinnen und Sieger im Rahmen der feierlichen Veranstaltung in der Deutschen Botschaft. In seiner Ansprache hob Lauer hervor: „Bei 'Jugend debattiert' geht es nicht nur um sprachliche Bildung. Es geht vor allem um politische Bildung. Jugendliche lernen, Position zu beziehen und Positionen zu begründen. Erst die Bezugnahme auf Gründe ermöglicht es, einen Meinungsstreit sachlich auszutragen. Debattieren ist dafür ein Modell.“

Ansgar Kemmann, der Leiter von „Jugend debattiert“, der ebenfalls aus Deutschland zum Finale in die chilenische Hauptstadt angereist war, betonte im Namen der Hertie-Stiftung: „Wir möchten, dass junge Menschen schon in der Schule lernen, wie man gut zuhört, frei spricht, Meinungen begründet und auch in Streitgesprächen zu guten Ergebnissen kommt. Deshalb beginnt 'Jugend debattiert' im Unterricht. Der Wettbewerb baut darauf auf und bietet jedem, der daran teilnimmt, eine zusätzliche Chance.“

Teilnehmerin Julia Palma äußerte sich nach dem Finale begeistert: „Es war ein einzigartiges Erlebnis, auch um andere Personen kennenzulernen und andere Meinungen zu hören.“ Das bestätigte auch Finalistin Ana Júlia Holler: „Das Ganze war eine sehr gute Erfahrung. Wir konnten miteinander reden, es war sehr gut, dass wir einander als Freunde kennengelernt haben, und nicht als Gegner.“

Zum Wettbewerb „Jugend debattiert“

„Jugend debattiert in Südamerika“ wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Vorbild ist das gleichnamige Programm zur sprachlich-politischen Bildung in Deutschland, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. „Jugend debattiert“ will Schülerinnen und Schüler ermutigen, in strittigen Fragen um das beste Argument zu ringen. Die Themen des Wettbewerbs führen die Schülerinnen und Schüler an Politik heran und motivieren sie zu demokratischem Handeln. Zugleich bietet das Debattieren kommunikativ orientierte Sprachförderung und Persönlichkeitsbildung.

Das Internationale Finale „Jugend debattiert in Südamerika“ ist das Turnier der besten vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen teilnehmenden Nationen. Die nationalen Wettbewerbe werden zwischen Juni und September durchgeführt. Das nächste Internationale Finale wird Ende Oktober 2017 in Brasilien stattfinden.
 
Datum: 27.10.2016
© Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)


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