Archiv 2016

Argentinische Jugend debattiert und filmt mit Herz und Verstand

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Debatte | © Kerstin Unseld Schon zum fünften Mal fanden in Argentinien unter dem Motto „Deutsch mit Herz und Verstand“ Dabattierwettbewerbe statt. Zum ersten Mal durften die Debatten dabei unter dem offiziellen Logo von „Jugend debattiert“ firmieren.

Im April waren Lehrkräfte von 18 argentinischen DSD-Schulen und Deutschen Auslandsschulen zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren von „Jugend debattiert“ fortgebildet worden. Als Zeichen der offiziellen Zertifizierung überreichte der aus Frankfurt angereiste Referent und Leiter von „Jugend debattiert“, Ansgar Kemmann, der Fachberaterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Argentinien, Stephanie Weiser, nach dem zweitägigen Seminar an der Deutschen Schule Temperley  die „Jugend debattiert“-Glocke. Dieser Akt verleiht dem Format der Debatte noch einmal einen besonderen Stellenwert an argentinischen PASCH-Schulen und hilft bei der Implementierung im Unterricht.

Debatte im Unterrichtsalltag angekommen

Dass das Gespräch nach dem Vorbild der parlamentarischen Debatte längst zum Alltag vieler PASCH-Schulen gehört, zeigte sich bei den nationalen Wettbewerben am 23. und 24. Juni in Buenos Aires. Dem Aufruf zur Teilnahme am nationalen Wettbewerb folgten insgesamt sieben DSD-Schulen und Deutsche Auslandsschulen, deren Kandidatinnen und Kandidaten sich auf die Fragen „Sollen an argentinischen Sekundarschulen Betriebspraktika verbindlich eingeführt werden?“ sowie „Sollen in Argentinien autofreie Tage eingeführt werden?“ vorbereitet hatten. Bevor die Kontroverse begann, hob Gerald Splitt, Schulleiter der gastgebenden Goethe-Schule Buenos Aires, mit Verweis auf das Motto „Deutsch mit Herz und Verstand“ besonders den Anteil des Herzens hervor: Nur mit Leidenschaft, Freude und Hingabe an die Sache könne Lernen gelingen.

Übergabe der „Jugend debattiert“-Glocke am Ende der Multiplikatorenschulung im April | © Kerstin Unseld

In diesem Sinne erlebte das Publikum mitreißende Debatten, in denen die Rednerinnen und Redner nicht nur durch Sachkenntnis und Gesprächsführung bestachen, sondern vor allem auch durch engagiertes Auftreten, Fairness, Humor sowie durch ein spürbares Miteinander. Als die vier Finalistinnen und Finalisten schließlich zu dem Thema „Sollen in Argentinien handyfreie Tage eingeführt werden?“ wieder aufeinandertrafen, wirkten sie schon wie ein eingespieltes Team, das viel Spaß hatte bei diesem öffentlichen Streitgespräch. Erste Siegerin des Wettbewerbs wurde Julia Casares (Goethe Schule Buenos Aires) vor Fermin Schlottmann (Pestalozzi Schule), Máximo Leon Barreta (Goethe Schule Buenos Aires) und Francisco Sema (Deutsche Schule Córdoba). Alle vier freuen sich nun auf das Wiedersehen beim südamerikanischen „Jugend debattiert“-Wettbewerb in Santiago de Chile im Oktober.

Kurzfilmwettbewerb zum Thema „Wandel und Veränderung“

Auf das Publikum warteten bei der Abschlussveranstaltung als weiteres Highlight die sechs bestplatzierten Filme aus dem Kurzfilmwettbewerb von „Deutsch mit Herz und Verstand“. Zum Thema „Wandel und Veränderung“ hatten zehn Schülerteams ihre Produktionen eingereicht, aus denen diejenigen der Johann Gutenberg Schule Mar del Plata, der Goethe Schule Buenos Aires und der Pestalozzi Schule Buenos Aires als Siegerteams hervorgingen. Dabei inszenierten sie zum Beispiel humorvoll und mit schauspielerischer Finesse die Frage, wie – öde – wohl große Tragödien der Weltliteratur verlaufen wären, wenn die Protagonisten (Penelope und Odysseus oder Romeo und Julia) bereits Smartphones zur Hand gehabt hätten. Andere setzten sich kritisch und bildgewaltig mit den Auswirkungen der globalen Abholzung und Wasserknappheit auseinander oder interpretierten in einprägsamer Symbolik den Vorgang des Erwachsenwerdens als schmerzhafte und kafkaeske Verwandlung.

Gustav Wilhelmi, Organisator des jährlichen Deutschen Filmfestivals in Buenos Aires, der als Juror alle Filme begutachtete, bemerkte, dass sich die technische Qualität von Jahr zu Jahr enorm gesteigert habe. „Je selbstständiger die Schülerinnen und Schüler arbeiten und je weniger sich die Lehrkräfte einmischen, desto besser wird das Resultat“, stellte auch Matthias Barth, Deutsch-Fachleiter an der Goethe Schule Buenos Aires, amüsiert und bewundernd fest. Das Publikum des Deutschen Filmfestivals Buenos Aires kann sich also jetzt schon freuen, dass die drei herausragenden Gewinnerfilme dort im September im Vorprogramm laufen werden. Und Juan Cruz Minuzzi aus Córdoba, der gerade erst den „Jugend debattiert“-Wettbewerb gemeistert hat, freut sich schon jetzt aufs kommende Jahr: „Da mache ich beim Kurzfilmwettbewerb mit“, verkündete er der ZfA-Fachberaterin Stefanie Weiser voller Begeisterung.
Datum: 20.07.2016
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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