Archiv 2016

Dialog mit den Staatsoberhäuptern Bulgariens und Deutschlands


DSD-Schülerinnen und Schüler aus bulgarischen Schulen konnten am 23. Juni 2016 in einen unmittelbaren Dialog mit den Staatsoberhäuptern Bulgariens und Deutschlands, Präsident Rossen Plevneliev und Bundespräsident Joachim Gauck, treten.

Neben etwa 250 weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten auch 25 Schülerinnen und Schüler bulgarischer DSD-Schulen am 23. Juni die einzigartige Gelegenheit, Fragen an den bulgarischen Präsidenten Rossen Plevneliev und Bundespräsident Joachim Gauck zu stellen, der zu einem offiziellen Staatsbesuch in Bulgarien weilte. Lernende der vier DSD-Schulen in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ließen sich diese Chance ebenso wenig entgehen wie Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen der Fremdsprachengymnasien in Pernik, Pazardshik, Lovech, Montana und Plovdiv.

„Bulgarien und Deutschland - Partner in Europa“

In der großen Aula der Staatlichen Universität „Sveti Kliment Ochridski“ in Sofia stellten sich die Staatsoberhäupter Fragen rund um das Thema „Bulgarien und Deutschland – Partner in Europa“. Bereits in seiner einleitenden knappen Rede setzte der deutsche Bundespräsident den Grundton der gut einstündigen Veranstaltung: Beide Staaten bekennen sich klar zu einem gemeinsamen Europa und sehen es als Aufgabe an, die Europäische Union auch in Zeiten der Krise zu bewahren, zu stabilisieren sowie weiterzuentwickeln. Sowohl Plevneliev als auch Gauck machten deutlich, dass sie sich als überzeugte Europäer verstehen und gewillt sind, den Weg ihrer Länder innerhalb einer starken europäischen Gemeinschaft zu begleiten.


Um die Zukunft Europas ging es auch bei den interessierten Fragen der Anwesenden. Maria Ivanova, Schülerin der Erich-Kästner-Schule Sofia, fragte besorgt, ob ein drohender Austritt Großbritanniens aus der EU einen Zerfallsprozess der Gemeinschaft einleiten könne. Bundespräsident Gauck verneinte dies. Er machte deutlich, dass er die Briten als wichtigen Bestandteil der EU sehe und einen „Brexit“ daher für außerordentlich bedauerlich halte. Bei allen kritischen Fragen an die zukünftige Gestalt der Union und deren Organe überwiege jedoch die Zahl der Befürworter einer starken Gemeinschaft in den Mitgliedsländern nach wie vor.

Georgi Rushkov, der ebenfalls die 73. Schule besucht, bat den Bundespräsidenten um seine Einschätzung zur Frage, ob die Entscheidung der deutschen Regierung, im Herbst 2015 ihre Grenzen in großem Umfang für Flüchtlinge zu öffnen, im Rückblick falsch war. In seiner ausführlichen und offenen Antwort unterstrich Gauck, dass sich Deutschland einer wertebasierten Politik verpflichtet fühle, in der Solidarität, Mitgefühl und Hilfe gegenüber Schutzbedürftigen eine zentrale Rolle spielten. Dies manifestiere sich auch in der überwältigen Hilfsbereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger, von deren Handeln der Begriff der Willkommenskultur geprägt worden sei. Der Bundespräsident erwähnte jedoch auch, dass bei zukünftigen ähnlichen Entscheidungen die Partner in anderen Ländern intensiver eingebunden werden müssten.

Für ein einiges und starkes Europa


Maria Zlatkova, die das Fremdsprachengymnasium in Pazardshik besucht, nahm mit ihrem Anliegen Bezug auf das System der dualen Berufsausbildung in Deutschland. Sie erkundigte sich, ob diese auch ein Modell für Bulgarien darstellen könne. Gauck würdigte die Erfolge der Ausbildung im dualen System, die eine Ursache für die wirtschaftliche Stärke Deutschlands und seine niedrige Jugendarbeitslosigkeit darstelle. Er betonte, die Erfahrungen gebe man sehr gern an andere Länder weiter und unterstrich, dass attraktive, lohnende und zukunftsfähige Berufsbilder auch neben einer akademischen Ausbildung existieren.

Der bulgarische Präsident Plevneliev betonte in seinen Beiträgen, dass alle Einwohner des europäischen Kontinents die ungeheuren Errungenschaften des jahrzehntelangen Einigungsprozesses im Blick haben sollten, um ihre Energie und ihre Kreativität auf eine bessere Ausgestaltung des Zusammenlebens zu konzentrieren.

Am Ende waren alle Anwesenden bei der Diskussion beeindruckt von der Klarheit und Leidenschaft, mit der die beiden Staatsoberhäupter für ein einiges und starkes Europa warben. Bei den Schülerinnen und Schülern der DSD-Schulen hat die Veranstaltung einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Datum: 04.07.2016
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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