Archiv 2015

Neue Welten entdecken


Beim Finale des Wettbewerbs „Lesefüchse International“ in Berlin diskutierten Schülerinnen und Schüler von Sprachdiplomschulen aus zehn Ländern über aktuelle deutsche Jugendliteratur.

Zuvor hatten die Landesbesten, die unter anderem aus Belarus, Bulgarien, Georgien, Russland, der Mongolei und Estland kommen, sich bereits gegen die Mitbewerberinnen und Mitbewerber aus ihren Heimatländern durchgesetzt. Im Rahmen des jährlich von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und dem Auswärtigen Amt ausgerichteten Wettbewerbs lesen Schüler von 15 bis 18 Jahren vier aktuelle deutsche Jugendbücher und erarbeiten die darin behandelten Themen: von Integration über Liebe und Freundschaft bis hin zu Inklusion. Auf der Bühne stellen sie ihre Favoriten vor und üben in einer moderierten Diskussion literarische Kritik. Das erste Finale der „Lesefüchse International“ fand 2008 in Russland statt.

Mehr als 1.000 Teilnehmende

Zum Sieger des diesjährigen Wettbewerbs wurde am 11. September der 17-jährige Adomas Jankauskis vom Jesuitengymnasium in Kaunas gekürt. Durch die Auseinandersetzung mit den Büchern habe er nicht nur seine Deutschkenntnisse verbessert, sondern auch Lebenserfahrung hinzugewonnen, sagt er. „Die Hauptpersonen der Bücher sind 17 oder 18 Jahre alt, genau wie ich. Du erfährst, wie es in anderen Ländern zugeht, welche Probleme sie haben und wie man sie lösen kann.“ Adomas steht kurz vor dem Abitur und möchte anschließend in Deutschland studieren. Er ist einer von mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern an 116 Schulen, die sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligt haben.

Interkulturelle Kompetenz fördern

Susan Kersten, Fachschaftsberaterin in Ungarn, war für die Koordination des Projekts mitverantwortlich. „Im Zentrum steht der Gedanke, durch die Arbeit mit authentischer deutscher Literatur die interkulturelle Kompetenz zu schulen, indem den Schülerinnen und Schülern ein Einblick in die gegenwärtige moderne Jugendliteratur verschafft wird“, erklärt sie. Neben der Fähigkeit zur fundierten Literaturkritik in deutscher Sprache soll das Projekt einen Beitrag zur Entwicklung der demokratischen Diskussions- und Konsensfähigkeit der Jugendlichen leisten. Jurorin Heike Toledo, die bei der ZfA den Fachbereich für das Deutsche Sprachdiplom und Deutsch als Fremdsprache leitet, möchte den Schülern Spaß am Lesen vermitteln: „Literatur ist eine Bereicherung für jeden jungen Menschen, der noch in der Persönlichkeitsentwicklung ist. Darum fördert die ZfA die Beschäftigung mit Literatur im Sprachunterricht.“

Schirmherr der Veranstaltung war Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. In seinem Grußwort hob er die Bedeutung des Wettbewerbs als „Türöffner in fremde Welten“ hervor: „Bücher in einer fremden Sprache zu lesen und sich darüber auszutauschen öffnet Tore zu neuen Welten. Diese Welten zu verstehen und sich mit Fremden über Sprachgrenzen hinweg auszutauschen bedeutet, sich in ihre Denkweise, ihre Gefühlswelt und ihre Kultur hineinzuversetzen.“ Steinmeier dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ZfA für ihr Engagement und ermunterte die Schüler, den Austausch fortzuführen: „Hört einander zu und lasst euch voneinander inspirieren!“

Einladung nach Berlin

Das Finale, das im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin im Haus der Berliner Festspiele stattfand, war für alle Beteiligten eine Besonderheit. In den vergangenen Jahren hatte es jeweils zwei separate Finalveranstaltungen in wechselnden Städten gegeben. Zusammen mit den vier russischen Regionalsiegern, die in Berlin auch ihr Landesfinale austrugen, verbrachten die Landessieger auf Einladung des Auswärtigen Amts sechs Tage in der Hauptstadt. Neben Stadterkundungen und Museumsbesichtigungen stand auch ein Besuch im Deutschen Bundestag auf dem Programm. Bei einem Treffen mit der Bundestagsabgeordneten Michelle Müntefering debattierten die Teilnehmenden zudem angeregt über aktuelle politische Themen.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes betreut im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen und rund 1100 Sprachdiplomschulen personell, finanziell und pädagogisch. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Datum: 19.09.2015
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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