Archiv 2015

Berlin, Potsdam, Weimar – Lehrkräfte aus Russland auf Deutschlandreise


41 Lehrkräfte aus Russland begaben sich Ende Juni auf eine Wanderung durch die deutsche Geschichte. Die Reise fand im Rahmen des Junglehrer-Mentoren-Programms statt.

Seit Ende der Neunziger Jahre gibt es das Junglehrer-Mentoren-Programm, gegründet, stetig weiterentwickelt und durchgeführt von Fachberaterinnen und Fachberatern sowie Lehrkräften der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Im Rahmen dieses Programms geht es darum, den Lehrkräften authentisches Sprach- und Landeskundewissen bis hin zu Spezialisierungen wie Wirtschaftsdeutsch zu vermitteln.

Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer aus den unterschiedlichsten Städten Russlands sind nicht nur an Schulen wie Gymnasien oder Lyzeen tätig, sondern auch an Hochschulen in ihren Regionen. Vor allem aber sind sie seit vielen Jahren als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des Programms tätig, indem sie Seminare für andere Deutschkolleginnen und -kollegen, besonders in den Gebieten der deutschen Minderheiten, durchführen. „Diese einzigartige Maßnahme in Russland wird mit Mitteln des Auswärtigen Amts im Rahmen der Förderung der deutschen Minderheiten in MOE und GUS über die Zentralstelle für Auslandsschulwesen gefördert und finanziert“, erklärt Birgit Arndt, ZfA-Fachberaterin in Moskau.

Jährlich findet ein einwöchiges Kompaktseminar mit Themenschwerpunkt statt, das den Lehrkräften nicht nur Inhalte, sondern auch neueste Entwicklungen auf den Gebieten der Methodik und Didaktik nahebringt, was dann in ihrer Multiplikatorentätigkeit Anwendung findet. Alle drei beziehungsweise vier Jahre findet eine Reise nach Deutschland, entsprechend der Schwerpunktsetzung, statt.

Anspruchsvolles, vielfältiges Programm


„Unsere diesjährige Reise trug den Titel 'Deutsche Geschichte seit Friedrich dem Großen' und zog einen Bogen bis in unsere aktuelle Gegenwart“, berichtet Fachberaterin Arndt. „Das Programm war entsprechend anspruchsvoll, aber vor allem vielfältig, entstanden aus Ideen und Wünschen von meinen Kollegen Frau Wullenbäcker in Jekaterinburg, Herrn Jasser in Nowosibirsk und mir. Herr Jasser gab dem Ganzen eine endgültige Form, die dann von der Staatspolitischen Gesellschaft Hamburg organisatorisch umgesetzt wurde.“

Am 29. Juni trafen alle 41 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des Junglehrer-Mentoren-Programms in Berlin ein, herzlich empfangen von den ZfA-Fachberaterinnen und Fachberatern sowie dem Leiter der Staatspolitischen Gesellschaft. Die nächsten vier Tage waren durch „Geschichte intensiv“ geprägt, wobei der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit im Vordergrund standen, aber auch das aktuelle politische Deutschland eine große Rolle spielte. „Der Besuch im Paul-Löbe-Haus und das Gespräch mit MdB Marcus Weinberg (CDU-Fraktion) zu aktuellen Fragen der Familienpolitik sowie der anschließende Besuch der Dachterrasse und Kuppel des Bundestages mit perfektem Sonnenuntergang waren ein besonderes Erlebnis“, blickt Arndt zurück.

Am 4. Juli, auf dem Weg ins thüringische Weimar, stand Potsdam mit seiner Geschichte um Friedrich den Großen, aber auch wieder die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit dem Besuch in Cecilienhof auf dem Programm. In den nächsten zwei Tagen erwartete die Lehrkräfte eine Mischung aus Geschichte und Kultur, denn der Besuch in Weimar war zum einen J.W. von Goethe und seinem Leben und Schaffen in dieser Stadt gewidmet, zum anderen war aber auch der Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald geplant. Diese „dunkle Seite“ Weimars berührte zutiefst. Der 7. Juli war der letzte Tag der Reise, der am Nachmittag in ganz individueller Weise genutzt wurde: zum Beispiel Besuch des Treptower Parks, eine Schifffahrt auf der Spree oder der Besuch des von Fachberaterin Wullenbäcker organisierten Musik-Workshops mit der Gruppe „Einshoch6“.

Sprache, Geschichte und Kultur


„Für unsere Multiplikatorinnen war es wieder einmal ein Intensiv-Sprachkurs, der höchste Anforderungen stellte. Es war ein Intensiv-Geschichts-Kulturkurs, in dem vieles aufbereitet, ergänzt oder als völlig neu kennengelernt und 'geordnet' wurde. Nun geht es daran, das Erlebte so zu didaktisieren, dass es in Seminaren und im Unterricht handhabbar wird - eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe, zu der wir in unserem nächsten Junglehrer-Mentoren-Programm-Seminar 2016 beitragen wollen. Für uns als Fachberaterinnen und Fachberater war diese Reise organisatorisch und auch inhaltlich eine Herausforderung, der wir uns gern gestellt haben. Zu sehen, mit welcher Freude, Engagement und Intensität alles Wissenswerte, alle Erlebnisse und Eindrücke aufgenommen wurden, zeigte uns, dass sich alle Mühe gelohnt hat“, so das Fazit der drei ZfA-Fachberaterinnen und -Fachberater.

In Russland gibt es zwei Deutsche Auslandsschulen und 92 Sprachdiplomschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt eine qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Datum: 26.08.2015
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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