Archiv 2015

Europa-Schule Kairo: Auf Einzelne eingehen


Beim Wettbewerb „DAS – Gemeinsam lernen und leben – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen“ des Auswärtigen Amts gehörte die Europa-Schule Kairo zu den zehn Besten.

„Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will.“ Die Leitgedanken Maria Montessoris spielen für die inklusive Haltung der Europa-Schule Kairo (ESK) eine tragende Rolle. Anstatt Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten oder anderem Förderbedarf auszuschließen, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen Hilfestellung anzubieten.

Eine neue Unterrichtsstruktur

Vor vier Jahren begann die 1998 gegründete Schule zunächst, ein Programm zur Sprachförderung aufzubauen. Seit dem Schuljahr 2013/2014 ist das Anliegen der verstärkten Förderung im Schulprogramm verankert. In Grund- und Sekundarstufe wurde die Unterrichtsstruktur so angepasst, dass neben zusätzlichen Assistenzstunden vor allem im Fach Deutsch auch die Arbeit in Sprachzirkeln, Freiarbeit sowie die individuelle Förderung durch eine neu eingestellte Sonderschullehrkraft möglich ist. Im eigens konzipierten Unterrichtsformat „Deutsch plus“ lernen die Schülerinnen und Schüler zwei Stunden pro Woche in kleinen Projektgruppen unterschiedlicher Niveaus. So wird von der Hochbegabung bis zur Lernbehinderung allen Förderbedarfen Rechnung getragen. Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder Lernproblemen lernen in speziellen Workshops ihre Hausaufgaben zu organisieren oder sich an Regeln des sozialen Umgangs miteinander zu halten.


Auf die Bedürfnisse einzelner Schülerinnen und Schüler gehen die Lehrkräfte möglichst individuell ein. Zum Beispiel bei einem Elftklässler, der Schwierigkeiten hat, sich im Unterricht auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. Dem Lehrer zuhören und gleichzeitig von der Tafel abschreiben – für ihn eine Überforderung. Er darf darum das Tafelbild abfotografieren. Klausuren schreibt er in einem separaten Raum und bekommt 25 Prozent mehr Zeit. „Besonders die längere Arbeitszeit und das Schreiben in einem Extra-Raum hilft mir sehr, mich zu konzentrieren“, sagt er. „Am Anfang war es schwierig mit den Klassenkameradinnen und -kameraden, sie verstanden nicht, warum ich besonders behandelt werde. Inzwischen aber sagt keiner mehr etwas.“

Nachteile ausgleichen

Solche Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs können einzelne Schülerinnen und Schüler der ESK in Absprache mit dem Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland nutzen. Auch extragroß kopierte Arbeitsblätter können dem Ausgleich dienen. Im Einzelfall kann die Benotung ausgesetzt werden. Einer Fünftklässlerin mit Körperbehinderung ermöglicht die ESK den Unterricht in einer Inklusionsklasse mit besonders wenigen Kindern. Dabei wird das Mädchen durch eine von den Eltern finanzierte „Shadow-Lehrerin“ unterstützt, die nur für sie zuständig ist und hilft, dass sie dem Regelunterricht folgen kann. Die Schule hat darüber hinaus für räumliche und materielle Hilfsmittel wie Handläufe, breite Wege, Differenzierungsräume und Smartboards gesorgt.

Eine wichtige Rolle spielen der ESK zufolge regelmäßige Gespräche mit den Eltern sowie die Sensibilisierung des Kollegiums für das Thema Inklusion. Um Letzteres kümmert sich ein von Lehrkräften gebildetes Inklusionsteam. In Zukunft möchte sich die Schule noch stärker mit außerschulischen Initiativen und Unternehmen vernetzen – nicht zuletzt, um für Jugendliche mit einer Behinderung berufliche Perspektiven zu eröffnen.

Datum: 10.02.2015
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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