Archiv 2015

Inklusion als Normalzustand


Platz 3 des Wettbewerbs „DAS – Gemeinsam lernen und leben – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen“ des Auswärtigen Amts gewann die Deutsche Schule Barcelona mit ihrem Projekt „Vielfalt macht stark“.

Förderbedürftige Kinder integrieren und einen normalen Umgang mit ihnen pflegen, für viele der 1.400 Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Barcelona (DSB) ist das selbstverständlich. Insgesamt 56 Kinder und Jugendliche mit Lernschwächen, geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen nehmen am inklusiven Unterricht der Deutschen Schule teil und bereichern so den Schulalltag ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Für die zehnjährige Lene bedeutet Inklusion, dass sie trotz ihres Down-Syndroms eine Regelklasse besuchen kann. Das Mädchen ist seit dem ersten Schuljahr Teil der Klassengemeinschaft und gehört für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einfach dazu: Sie nehmen Rücksicht und integrieren Lene bei Projekten und Theateraufführungen. Jede Woche erhält die Viertklässlerin einen individuellen Lernplan, den sie zusammen mit ihrer Lernbegleiterin bearbeitet. Am Ende eines Schuljahres werden ihre Lernfortschritte in einem Zeugnis dokumentiert.

Fördern und fordern


Das Inklusionskonzept der DSB überzeugte nicht nur Lene und ihre Eltern, sondern auch die Jury des diesjährigen Wettbewerbs. Die Schule belegte den dritten Platz und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro. Mit ihrem Konzept will die DSB die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umsetzen. Aus diesem Grund wurde ein Leitfaden entwickelt, der Regeln und Möglichkeiten für einen inklusiven Schulalltag enthält und so die Umsetzung erleichtert. Kinder mit Förderbedarf sollen demnach entsprechend individuell unterstützt werden. Konkret bedeutet das, dass die Schule spezielle Arbeitsmittel bereitstellt, Lehrkräfte differenzierte Aufgabenstellungen erteilen und Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigung gegenüber eine vereinfachte Sprache verwenden. Zudem gibt es vor Ort schulische Sozialarbeit, schulpsychologische Beratung und Frühförderung.

Vom inklusiven Angebot der Schule profitiert auch Max. Der Sechzehnjährige ist Autist und hat eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Da es ihm schwerfällt, Lernmaterialien zu strukturieren und den Schulalltag zu organisieren, steht ihm eine Sozialpädagogin zur Seite. Wenn Max eine Lernpause braucht, verlässt er kurz den Klassenraum. Fünf Minuten vor und fünf Minuten nach einer Schulstunde wird ihm der aktuelle Unterrichtsstoff individuell erklärt, damit er mithalten kann. Das Engagement der Lehrkräfte, Betreuerinnen und Betreuer, Eltern und nicht zuletzt von Max selbst hat sich gelohnt: Im neunten Schuljahr wurde er in den Realschulunterricht integriert. Dass sich manche Menschen immer noch gegen Inklusion aussprechen, versteht Max nicht: „Schließlich haben doch alle Kinder das Recht in eine Schule zu gehen.“

Die Deutsche Schule Barcelona gehört zu den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Datum: 23.01.2015
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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