Archiv 2015

Schritt für Schritt von Argentinien nach Deutschland

Platz 1 des Wettbewerbs „Beruf macht Schule“ des Auswärtigen Amts gewann die Deutsche Schule Villa Ballester mit ihrem Projekt „MehrAusBildung“. Rund 40 Deutsche Auslandsschulen und Sprachdiplomschulen haben sich am Wettbewerb beteiligt.

Eine Zeitlang im Ausland zu leben und zu lernen ist für junge Argentinierinnen und Argentinier ein ungewöhnlicher Schritt. Nur wenige können sich vorstellen, das eigene Land für ein paar Monate oder Jahre zu verlassen. Eine starke Verbundenheit mit Heimat und Familie sowie finanzielle Hürden tragen dazu bei. Zudem sind Schulabgängerinnen und Schulabgänger in Argentinien vergleichsweise jung. In einem behüteten Elternhaus aufgewachsen, fehlt ihnen teilweise noch die notwendige Reife für einen Auslandsaufenthalt. Immer wieder machen die Beschäftigten der Deutschen Schule Villa Ballester in Buenos Aires und des ihr angeschlossenen Berufsbildungszentrums (BBZ) diese Erfahrungen.

Sie wollen es Schulabgängerinnen und Schulabgängern in der Region in Zukunft leichter machen, sich für einen Aufenthalt in Deutschland zu entscheiden. „In den letzten zwei Jahren haben wir ein neues Konzept entwickelt, um unsere Schülerinnen und Schüler, die sehr ihrer Familie und ihrem Land verhaftet sind, für ein Studium und eine Ausbildung in Deutschland zu begeistern“, sagt Schulleiter Andreas Grüderich. Ein Konzept, das beim Wettbewerb „Beruf macht Schule“ des Auswärtigen Amts im Januar 2015 den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis gewann. Von der zehnten Klasse an wird den Schülerinnen und Schülern das deutsche Ausbildungs- und Hochschulwesen schrittweise näher gebracht.

Drei Stufen: Kontakt, Orientierung, Entscheidung


In drei Etappen soll im Projekt „Mehr AusBildung“ die Neugier der Schülerinnen und Schüler geweckt, Informationen geboten und die Jugendlichen schließlich an konkrete Hochschulen und Arbeitgeber vermittelt werden. Am Anfang steht die Kontaktphase: Argentinische Zehntklässlerinnen und Zehntklässler verbringen zwei Monate in Deutschland, leben in deutschen Gastfamilien und gehen auf eine deutsche Schule. Eine Woche lang nehmen sie außerdem an Vorlesungen und Seminaren bayrischer Hochschulen teil. Eine Moodle-Lernplattform bietet weiteren Raum zum Austausch und die Kennenlerntage am BBZ widmen sich ganz dem Thema „Duale Ausbildung“.

In der darauf folgenden Orientierungsphase werden die Schülerinnen und Schüler der elften und zwölften Klassen zu einer Studien- und Berufsbildungsmesse eingeladen. Beim internationalen Unternehmensplanspiel „Junior Manager“ entwickeln Jugendliche eigene Geschäftsideen. Einige werden zu Tutorinnen und Tutoren fortgebildet, die ihre Mitschülerinnen und Mitschüler bei Fragen zu Ausbildung und Studium in Deutschland beraten. Die erfolgreichsten Tutorinnen und Tutoren haben die Möglichkeit, an einer dreiwöchigen Sommeruni in Bayreuth teilzunehmen und ihre Sprach- und Kulturkenntnisse zu vertiefen. BBZ-Absolventin Paula Fischer hat bereits von diesem Programm profitiert. „Die Berufsausbildung hat mir die Möglichkeit gegeben, Arbeit und Theorie zu kombinieren. Das war ganz wertvoll.“ Demnächst fängt die ehemalige Tutorin ein Studium in Deutschland an.

Sprung über den großen Teich


Für Schülerinnen und Schüler der zwölften Klassen und des BBZ, die sich in der anschließenden Entscheidungsphase für eine Tätigkeit in Deutschland interessieren, plant die Schule eine Stellenbörse für Praktikums- und Arbeitsplätze. Partnerschaften mit deutschen und argentinischen Hochschulen sichern die individuelle Vorbereitung und Betreuung von Studienaufenthalten. Ein zusätzliches Stipendium des Schulvorstands soll bei deren Finanzierung helfen. Schulabgängerinnen und Schulabgänger, denen der Schritt nach Übersee noch schwerfällt, können sich künftig mit einem einjährigen Kurs auf den Studien- oder Berufseinstieg in Deutschland vorbereiten. „Für diese Kurse möchten wir das Preisgeld einsetzen“, so Schulleiter Grüderich auf der Preisverleihung in Berlin. Bereits jetzt sei das dreiphasige Konzept der Schule ein Erfolg: „Fünf unserer Absolventen wagten den Sprung über den großen Teich und fangen jetzt an, in Deutschland zu studieren.“

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes betreut im Auftrag des Auswärtigen Amtes und unter Mitwirkung der Länder die mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen und die rund 1.100 Sprachdiplomschulen personell, finanziell und pädagogisch. Neben den allgemeinbildenden Schulen, an denen Projekte zur Berufs- und Studienorientierung angeboten werden, betreut die ZfA acht Berufsbildungszentren und drei Fachoberschulen an Deutschen Auslandsschulen sowie zwei selbstständige Berufsschulen.

Datum: 20.01.2015
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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