Archiv 2014

Erste PASCH-Sommerschule in Khudjand


Zum ersten Mal organisierte der DAAD eine PASCH-Sommerschule auch außerhalb der Hauptstadt, im nordtadschikischen Khudjand, der zweitgrößten Stadt des Landes.

24 Schülerinnen und Schüler aus drei Khudjander PASCH-Schulen erlebten eine bunte Programmwoche mit zwei Kursleitenden aus Deutschland. Acht Tage lang lernten, bastelten, sangen, reimten, sprachen sie und erkundeten dabei ein unbekanntes Terrain – nicht nur auf dem Gebiet der deutschen Sprache. Was passiert mit leeren Tetrapaks, wenn sie nicht im Müll landen? Wie kann man sie weiter verwenden? Was heißt denn Upcycling? Wie macht man ein Lagerfeuer ohne Feuer? Wer kann die gruseligste Geschichte erzählen? Wie entsteht ein Radiobeitrag? Wie ist das ins Mikro zu sprechen? Wie entstehen Figuren fürs Schattentheater? Wie verwandelt sich der Klassenraum in eine Theaterbühne?

Erkundung der Geheimnisse und Tücken der deutschen Sprache

Das waren einige Fragen, auf die die Lernenden aus Khudjand mittlerweile jedem eine gute Antwort geben können. Denn sie haben sich während der ersten Khudjander PASCH-Sommerschule mit diesen und vielen weiteren Themen beschäftigt. Mit zwei Kursleitenden aus Deutschland – dem Theaterpädagogen Johannes Kilber und der DaF-Lektorin Martina Lisa – gingen sie einigen Fragen der Umweltverschmutzung, des Klimawandels und der Müllproblematik auf die Spur, um sich anschließend im Upcycling auszuprobieren. Jetzt wissen sie, wie sie aus einer leeren Milch- oder Saftverpackung ein originelles Portemonnaie basteln können.

Sie erkundeten die Geheimnisse und Tücken der deutschen Sprache – ob schreibend, sprechend, spielend oder singend. Mit der Band Sportfreunde Stiller und ihrem WM-Lied wurde die lebhafte Lerneinheit rund um den Ball abgerundet. Und der deutsche Text des Kultsongs aus der russischen Version der Bremer Stadtmusikanten brachte jedes Mal nicht nur unsere Klassenräume, sondern auch den gelben Ausflugsbus zum Schwingen, wenn es im Chor ertönte: „Allerbeste Freude unter anderen, ist mit Freunden durch die Welt zu wandern ...“

Schattentheater und Radio

In zwei Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden abwechselnd jeweils zwei Tage lang in zwei Workshops – im Schattentheater- und Radioprojekt. Sie lernten die Geheimnisse des Spiels mit Schatten und Licht kennen. Aus ihren deutschen Lieblingswörtern und aus den Gruselgeschichten, die am Lagerfeuer erzählt wurden, welches ganz ohne Feuer auskam, nur mit Leinwand, Bambusstäben und Scheinwerfern, entwickelten sie eigene Figuren, denen sie Charakter einhauchten, um ihnen ein Leben im Rampenlicht zu ermöglichen. Es entstanden schöne Geschichten von einer blauäugigen Katze, einem Hund namens Beethoven und seinem Herrchen Otto Normalverbraucher sowie von den Khudjander Stadtmusikanten, deren Musik uns allen lange ein Ohrwurm bleiben wird.

Im Nachbarraum verwandelten sich derweil die Schülerinnen und Schüler in kleine Redaktionsteams, die engagiert Radiobeiträge zu Themen entwickelten, die sie und die Welt gerade bewegten. Das Radio Khudjand sendete viele Interviews und Debatten: über die Fußball-WM, über Freizeit, Sport oder Sommerferien in Khudjand sowie darüber, welche Geschenke man in Tadschikistan schenken kann und was sie bedeuten. Und zur besten Sendezeit konnten wir einen brennend aktuellen Bericht über die PASCH-Sommerschule in Khudjand hören.

Ziel: in Deutschland studieren

Die meisten Schülerinnen und Schüler haben mit Begeisterung mitgearbeitet, denn viele verbindet ein Ziel, warum sie noch besser Deutsch sprechen wollen – einmal in Deutschland zu studieren. Wo und wie kann ich mich für Stipendien bewerben? Wer kann mich am besten beraten? Kann ich auch als Au-Pair oder Freiwillige oder Freiwilliger nach Deutschland fahren? Auch auf diese und ähnliche Fragen gab die Sommerschule den Teilnehmenden eine Antwort.

Als Höhepunkt nach fleißiger Arbeit in den Workshops genossen alle die ganztägige Exkursion. Der singende Bus brachte uns zuerst zur Kayrakkum-Teppichfabrik, die einst die ganze Sowjetunion mit Teppichen belieferte, wo wir der Entstehung eines Teppichs zuschauen konnten. Danach ließen wir den Sommer Sommer sein und planschten, schwammen und tobten in türkisblauem Kayrakkumsee, aßen Eis und Schaschlik und am späten Nachmittag brachte der gelbe Bus viele müde aber strahlende Gesichter zurück nach Khudjand.

So unglaublich schnell verliefen die acht Tage, die uns allen dennoch noch lange in Erinnerung bleiben werden. Was bleibt sind die Lieder im Ohr, die Aufnahmen von den Theaterstücken und Radiosendungen sowie die vielen bunten Bilder und schicken T-Shirts mit einer stolzen 14 auf dem Rücken – für 2014 zum ersten Mal in Khudjand.

Ein herzlicher Dank gehört in erster Linie dem DSD-Goethe Gymnasium, wo wir unsere Sommerschule dank dem Engagement der Schulleitung und der Lehrkräfte durchführen konnten. Ein großer Dank der Fit-Schule Nr. 15 und dem DSD-Safina-Gymnasium, die ihre Schülerinnen und Schüler sprachlich so gut vorbereitet haben. Nicht zuletzt gebührt unser großer Dank dem DAAD IC Duschanbe für die hervorragende Organisation und dem DAAD in Bonn, dem Goethe-Institut und der ZfA für die finanzielle Unterstützung, ohne die die erste Khudjander PASCH Sommerschule nicht möglich gewesen wäre.

Datum: 07.07.2014
Quelle: Martina Lisa und Johannes Kilber

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