Archiv 2014

Urgencher Schülerinnen und Schüler an der Liebigschule Gießen


Ein Austausch mit einer usbekischen Schule? Für viele Schulen mag das ungewöhnlich wirken. Was ihnen entgeht, zeigt das Austauschprojekt „Hodscha Nasreddin trifft Till Eulenspiegel“ zwischen der Liebigschule Gießen und dem Lyzeum Nr. 2 im usbekischen Urgench.

Im November 2013 organisierte der Pädagogische Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz eine Schulpartnerbörse an der auch Vertreterinnen von usbekischen Schulen teilnahmen – von einer Mittelschule und einem Lyzeum in Urgench. Hier wurde ein erster Kontakt zwischen der Liebigschule in Gießen und dem Fit-Lyzeum Nr. 2 in Urgench geknüpft. Es folgten kleinere E-Mail-Projekte, bei denen die Idee entstand, dass sich die Schülerinnen und Schüler unbedingt auch persönlich kennenlernen sollen. Ein gemeinsames Thema war schnell gefunden. In beiden Städten beziehungsweise deren Umgebung lebten der Sage nach die Titelhelden humoristischer und satirischer Geschichten: Till Eulenspiegel und Hodscha Nasreddin. Und Satiriker kennenzulernen, ist für viele Schülerinnen und Schüler spannender – aber vor allem lustiger – als Gelehrte oder Philosophen.

Till Eulenspiegel und Hodscha Nasreddin werden Freunde

Für 2014 wurde der erste Schüleraustausch vereinbart. Und im Juni war es so weit: Es fand – finanziell gefördert durch den PAD – eine erste Begegnung statt. Zwölf Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen aus Urgench besuchten Gießen. Ein warmer Empfang am Flughafen und in den Gastfamilien ermöglichte es den usbekischen Lernenden sich sehr bald einzugewöhnen und sich mit den deutschen Schülerinnen und Schülern anzufreunden. Mit einer Stadtrallye konnten die Urgencher Jugendlichen Gießen mit seinen Sehenswürdigkeiten kennenlernen. Ausflüge nach Marburg und Frankfurt machten die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Der kulturelle Austausch war jedoch das zentrale Element und natürlich das Thema „Hodscha Nasreddin trifft Till Eulenspiegel“. In gemeinsamen Workshops stellten die deutschen Schülerinnen und Schüler Geschichten von Till Eulenspiegel und die usbekischen Lernenden von Hodscha Nasreddin vor. Dies ließ viel Spielraum für Fantasie. In einem Workshop ging es etwa darum, wie beide Freunde werden. Der Austausch hat allen unglaublich Spaß gemacht und hinterließ auch bei den usbekischen Lehrerinnen einen starken Eindruck und schöne Erinnerungen.

Frau Nurullaeva, Lehrerin am Lyzeum Nr. 2 in Urgench, erklärt: „Für mich war der absolute Höhepunkt, als meine Schülerinnen und Schüler vor der gesamten Liebigschule ein 45-minütiges Programm vorgestellt haben. Neben usbekischen Tänzen haben wir Geschichten von Hodscha Nasreddin vorgestellt. Alle waren begeistert. Ich bin sehr stolz auf meine Schüler.“

„Besonders schön war es auch, dass die Sprachkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler überall gelobt wurden. Offenbar hatte niemand erwartet, dass man in Usbekistan so gut Deutsch sprechen kann. Das ist für uns Lehrerinnen eine tolle Bestätigung.“, ergänzt Kutlibika Orunbaeva, die auch am Lyzeum in Urgench unterrichtet.

Im September ist die Fortsetzung des Projekts geplant. Dann besucht eine Schülergruppe aus Gießen das Lyzeum Nr. 2 in Urgench.

Usbekische Gastfreundschaft: Freude auf den Besuch

Azamat Abdullayev aus Urgench freut sich schon auf den Besuch: „Wir freuen uns sehr, unsere Freunde wiederzusehen. Für uns war die Reise nach Gießen unvergesslich. Und wir werden dafür sorgen, dass auch die Reise unserer Gäste unvergesslich sein wird! Die usbekische Gastfreundschaft ist nicht umsonst berühmt.“

Datum: 02.07.2014
Quelle: Heinar Bernt, Experte für Unterricht und Koordinator der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ am Goethe-Institut Taschkent

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