Archiv 2014

„kulturweit“-Freiwillige: Schülerprojekt in Bosnien und Herzegowina


In einem Schülerprojekt vom 7. bis zum 11. Mai haben fünf „kulturweit"-Freiwillige Schülerinnen und Schüler aus Bosnien und Herzegowina zusammen gebracht.

„In einem Land, in dem gerade Minen an die Oberfläche gespült werden, in dem noch immer Einschusslöcher das Stadtbild prägen und in dem an Schulen ethnische Apartheid herrscht, ist kulturelle Vielfalt ein schwieriges Thema“, so die fünf „kulturweit“-Freiwilligen in Bosnien und Herzegowina. Die fünf jungen Menschen aus Deutschland, Juliane Beckmann, Leonie Hoerster, Alina Gold, Tereza Obsivac und Eicke Entzian, leisten ihren Freiwilligendienst bei „kulturweit“, dem internationalen Jugendfreiwilligendienst im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Vier von ihnen sind an von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderten Sprachdiplomschulen und einer an einer vom Goethe-Institut betreuten FIT-Schule in Bosnien und Herzegowina eingesetzt.

Deutsche Sprache als Gemeinsamkeit

„Knappe 20 Jahre nach dem Krieg hat sich vieles und nichts geändert. Das Land ist zweigeteilt, Ethnien driften voneinander ab, die jetzigen Abiturienten sind die letzten Kriegskinder aus den Jahrgängen 1995 und 1996“, berichten die fünf „kulturweit“-Freiwilligen, die an ihren Schulen in Sarajevo, Mostar, Grude, Banja Luka und Bosanska Krupa tätig sind. Trotz aller ethnischen Unterschiede haben diese Schulen eines gemeinsam. Sie gehören alle zum PASCH-Netzwerk der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“. Und noch etwas eint sie: Die Schülerinnen und Schüler lernen alle Deutsch - an den von der ZfA geförderten Schulen sogar mit der Möglichkeit, mit dem Deutschen Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz der Stufe II in Deutschland zu studieren.

Den „kulturweit“-Freiwilligen wurde bereits während ihrer ersten Monate in Bosnien und Herzegowina klar, dass sie gemeinsam ein Projekt erarbeiten wollen, welches diese Schülerinnen und Schüler aus den verschiedenen Regionen und Kulturen des Landes zusammenbringt - ohne dabei schwierige Themen wie Vorurteile, Krieg und Kriegsschuld anzusprechen. Der Schülergeist sollte gemeinsam etwas schaffen, was allen Beteiligten Spaß macht, denn gemeinsames Lachen verbindet. Ein Jedermann-Projekt in Sarajewo für Leute aus allen Schichten, mit unterschiedlichen Interessen und mit verschiedener Herkunft.

Straßenkunst in Sarajewo

Und dann ging es los: Straßenkunst- und Flashmob-Aktionen sollten in den nächsten drei Tagen entstehen. Die Begegnung der beteiligten 18 Schülerinnen und Schüler sollte in Planung und Durchführung sowie in gemeinsamer Freizeit, gemeinsamem Kochen und Wohnen stattfinden.


An Tag eins wurde alles von Improv-Theater über Flashmob-Tanz bis hin zu Gedichtkunst und Schrottmusik in Workshops ausprobiert und erlebt. Anschließend folgten Diskussionsrunden über das Gelernte. Auf Deutsch, versteht sich. Tag zwei galt der Ideenfindung. Von Kissenschlacht bis Straßenkonzert wurden alle Ideen gesammelt. Kleingruppen mit gleicher Interessensausrichtung haben sich dann in die Stadt begeben, um Orte für ihren Teil der gesamten Aktion ausfindig zu machen.

Es folgte Samstag, der Aktionstag. Es starteten die ersten Prankmob-Aktionäre mit wildem Brüllen in die Stadt, gefolgt von Tanz- und Rhythmusaktionen. Auch Gedichte aus den Workshops wurden vorgetragen und szenisch unter die Leute gebracht. Gelegt wurde anschließend eine Spur von gut gemeinten Abreißzetteln bis hin zu glücklichen Kindern mit bunten Luftballons. Mit farbenfrohen Gesichtern und in auffallender Dynamik wurde dann nach einem gewissen „Bećir“ gefragt und gesucht. Eine bunte Ballonschlacht folgte. Hunderte verdutzte, aber gleichermaßen amüsierte Passanten konnten ein gefrorenes Massenstandbild der Gruppe, unterlegt mit Improvisationstheater, verfolgen.

Von Schülerbegegnung zur Schülerfreundschaft

Die Euphorie und der Spaß kamen von den Schülerinnen und Schülern selbst. Selten haben sie die Chance, einmal so aus sich herauszukommen. „Schülerinnen und Schüler, die sich sonst wahrscheinlich niemals begegnet wären, lagen sich in den Armen, tauschten Nummern aus und verabredeten sich. Die Rückmeldungen waren zu hundert Prozent positiv, wir wurden mehr als einmal als Familie bezeichnet. Die Schülerbegegnung wurde zur Schülerfreundschaft. Der Nachhall ist riesengroß, man vermisst sich und plant Treffen“, berichteten die Freiwilligen.

Wichtig war ihnen bei ihrer Aktion, dass die Schülerinnen und Schüler Verantwortung für etwas selbst Erschaffenes tragen, dass ihre Ideen akzeptiert werden und dass sie sich gegenseitig kennenlernen, um bestehende Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Und natürlich, um Herzenswärme zu schaffen, Lebenslust in einer Nachkriegsgeneration aufzubauen und um Gesichter zum Lachen zu bringen.

Die Aktion wurde durch die ZfA finanziell und pädagogisch gefördert und vom Goethe-Institut, der Organisation „Schüler Helfen Leben“ und der deutschen Botschaft Bosnien und Herzegowina unterstützt.

Datum: 26.05.2014
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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