Archiv 2014

Märchenhaftens Lernen: Papiertheater an der Schule 112 in Taschkent


Mit Papier, Schere, Stiften und einer gehörigen Portion Keativität ein Märchentheater zu entwickeln, darum ging es beim Projekt „Froschkönig, Rumpelstilzchen und Aschenputtel – brauchen wir sie heute noch?“ mit Angela Thamm.

Märchenwelten – so heißt die Ausstellung, die das Goethe-Institut zum 200. Geburtstag der gesammelten Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm gestaltete und die nun um die Welt reist und auch in Usbekistan Halt macht. Parallel dazu durften 20 Kinder der PASCH-Schule 112 in Taschkent eineinhalb Tage lang eigenen Fantasien freien Lauf lassen, alte und neue Märchenfiguren erfinden und in modernen Märchenszenen miteinander spielen lassen.

Im Kreisgespräch ging es zunächst um das Sammeln von Ideen in Resonanz auf das Märchen Der goldene Schlüssel: Was mochte in dem geheimnisvollen Kästchen, welches der arme Junge im Schnee findet, verborgen sein? Dann wurde das erste Märchen der Sammlung der Gebrüder Grimm szenisch erzählt und in Bewegung gebracht: Vier Frösche, vier Prinzessinnen, vier Könige und vier Prinzen fühlten sich ein in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und probierten Sätze aus: Deutsch lernen im spontanen Stegreifspiel.


Der nächste Schritt erfolgte in kleinen Gruppen rund um ein großes Blatt Papier: Welche Requisiten können wir brauchen? Welche alten und neuen Märchenfiguren möchten wir aufleben lassen und welche weiteren Ideen können wir entfalten? Mit Farben und Formen wurden mit Freude gezeichnet, gemalt, ausgeschnitten und geklebt – und schon waren die unterschiedlichsten Papiergestalten geschaffen und warteten auf ihren ersten Auftritt.

„Ich bin Jack der Pirat“

„Ich bin Jack, der Pirat“, „Ich bin Schumacher, der Rennfahrer“ oder „Ich bin Rapunzel“ – so stellten die Schülerinnen und Schüler sich im nächsten Arbeitsschritt mit ihren Papierpuppen an kleinen Stäben vor. Danach entwarfen die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen kurze Szenen mit einfachen Sätzen für die Figuren, die sie zunächst aufschrieben und dann laut einübten.

Mit einfachen Mitteln entstand eine kleine Puppenbühne, ein Probespiel und der gemeinsame Entwurf von Titeln wie: Wettkampf um eine Prinzessin, Der tapfere Frosch und Der hungrige Wolf. Eine Nacht noch durften die Papierfiguren und ihre Spielerinnen und Spieler ausruhen und sich noch ein bisschen in die Märchenwelt einträumen. Hausaufgabe: „Übt Eure Sätze und tragt sie vielleicht auch zu Hause in euren Familien vor.“ Dann ging es am nächsten Morgen an die Gestaltung der Theaterplakate, auf denen die erarbeiteten Szenen nochmals „ins Bild gesetzt wurden“.


Für Aufregung vor der Aufführung blieb keine Zeit, denn unversehens hatte sich schon ein Publikum junger Schülerinnen und Schüler versammelt, die aufmerksam die letzten Vorbereitungen verfolgten und neugierig erfahren wollten, was sie im Deutschunterricht – wenn sie denn Deutsch wählen würden – zu erwarten und erlernen hätten.

Und da die Schule 112 in Taschkent gerade am Tag der Uraufführung unseres kleinen Papiertheaters ihren 100. Geburtstag feierte, erhielt unsere Workshoparbeit ganz unverhofft ein dickes Lob von höchster ministerieller Stelle. Unser Papiertheater hat viel Spaß gemacht und war ein voller Erfolg! Unsere Figuren dienen weiter als Unterrichtsmaterialen und freuen sich auf neue Abenteuer in kreativen und modernen Märchenszenen.

Froschkönig, Rumpelstilzchen und Aschenputtel – brauchen wir sie heute noch?

„Froschkönig, Rumpelstilzchen und Aschenputtel, brauchen wir sie heute noch?“ – so lautete der Titel unseres Workshops. Unser Fazit: „Ja, wir brauchen sie, und sogar unbedingt.“ In dem preisgekrönten Jugendbuch Mein Urgroßvater und ich von James Krüss heißt es an einer Stelle: „Wörter sind wie Kleider, mit denen man die Welt anzieht“. Die Märchen und ihre zauberhaften Szenen scheinen dabei eine riesige Theatergarderobe, mit der wir unsere eigene Welt immer wieder neu erlebbar, sichtbar und erfahrbar machen können.

Kreatives Spielen mit Sprache, insbesondere in Resonanz auf märchenhafte Geschichten, fördert Identität, Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit. Denn Sprache lernt sich federleicht mit Hilfe der Zauberkraft der Märchen – Abrakadabra.

Datum: 09.05.2014
Quelle: Dr. Angela Thamm, Institut für Spiel und Sprache, Aachen (im Auftrag der PASCH-Initiative am Goethe-Institut Taschkent)

PASCH-net und Social Media