Archiv 2014

Sprachdiplomabsolventin mit neuer Theaterinszenierung in Hamburg


Rund 56.500 Teilnehmer nehmen jährlich an Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) an geförderten Schulen im Ausland teil. Eine der Sprachdiplomabsolventin ist die georgische Theater- und Prosaautorin Nino Haratischwili.

Nino Haratischwili bringt ab dem 11. April ihr neues Theaterstück auf die Bühne des Hamburger Lichthof Theaters. In „Der Herbst der Untertanen“ beschäftigt sie sich mit Machtstrukturen, menschlichen Abgründen und weiblicher Täterschaft im Krieg. Im Mittelpunkt der Inszenierung stehen drei Dienstbotinnen eines Generals, die in der Villa ihres Hausherrn ausharren, während draußen ein Bürgerkrieg tobt.

Haratischwili, die in Tiflis eine von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderte Schule mit verstärktem Deutschunterricht besuchte und das DSD der Kultusministerkonferenz ablegte, schreibt und inszeniert in deutscher Sprache. Die Künstlerin, die als Jugendliche zwei Jahre in Nordrhein-Westfalen lebte, ist für ihre Romane und Theaterstücke bereits mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses. Deutschlandradio Kultur bezeichnete die Georgierin 2011 als „neue Heldin der zeitgenössischen deutschen Literatur“.

Fließende Grenzen

Die Idee für ihr neues Stück kam Haratischwili angesichts des Bürgerkriegs in Syrien. „Seit zwei Jahren beobachten wir dort einen Genozid, aber die Welt reagiert nicht groß. Da herrscht eine Gleichgültigkeit, die mich bestürzt.“ In Ihrer Inszenierung geht die Wahlhamburgerin der Frage nach: Was passiert, wenn die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwinden? „Im Krieg gibt es kein Schwarz-Weiß, da zerfließen die Grenzen zwischen Gut und Böse.“

Deutsches Sprachdiplom als Türöffner

Bereits 1998, an ihrer Sprachdiplomschule in Tiflis, hatte Haratischwili eine deutsch-georgische Theatergruppe gegründet, für die sie vier Stücke in deutscher Sprache verfasste und inszenierte. Im Jahr 2000 gastierte sie mit ihrer Schülergruppe an einem Bremer Gymnasium. Das Deutsche Sprachdiplom öffnete ihr schließlich auch die Türen für den Hochschulbesuch in Deutschland. Nach einem Filmregiestudium in der georgischen Hauptstadt studierte Haratischwili von 2003 bis 2007 Theaterregie in Hamburg.

Ihr „Kreativschwerpunkt“ habe sich damit auf Deutschland verlagert, meint die DSD-Absolventin. „Ich schätze die deutsche Sprache als sehr genaue Sprache. Für jeden Zustand und jede Gefühlsregung finden sich im Deutschen ein Wort, ein Satz, eine Sprachfärbung.“ Haratischwilis Romandebüt „Juja“ schaffte es 2010 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. 2014 erscheint ihr dritter Roman „Das achte Leben (für Brilka)“ in der Frankfurter Verlagsanstalt.

Datum: 08.04.2014
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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