Archiv 2014

„Was bedeutet Wasser für mein Leben?“


Diese Frage stellten Schülerinnen und Schüler aus der Golf-Region und gaben darauf eine filmische Antwort. Im Rahmen des Projekts „Aquanauten“ entstanden vier Filme, die den Spuren des Wassers in der Golfregion folgen.

„In der Vergangenheit suchten wir Ölquellen, nun suchen wir Wasserquellen“, sagt Mohammad Jamarat, Wasserforscher in den Vereinigten Arabischen Emiraten und bringt damit die großen Veränderungen auf den Punkt, die zunehmend auf die wachsende Bevölkerung in der Golfregion zukommen werden. Die Golfregion ist eines der wärmsten und trockensten Gebiete der Welt, gleichzeitig liegt heute der Wasserverbrauch in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei ungefähr 800 Litern pro Tag und Person. Ein Verbrauch, den aufwändige Meerentsalzungsanlagen unter hohem Energieeinsatz möglich machen.

In Zusammenarbeit mit Bosse-Film und mit Unterstützung des Kayser Forum for Sustainibility führte das Goethe-Institut Golf-Region deshalb im November und Dezember 2013 mit PASCH-Schülern und Schülerinnen aus Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Qatar das Film-Projekt „Die Aquanauten“ durch.

Ein Schultag ohne Wasser

Der Startschuss der Workshop-Serie fiel im November an der British School of Kuwait. Hier fragten sich die Deutschlernenden, was passieren würde, wenn es in der Schule kein Wasser mehr geben würde. Gemeinsam mit dem Filmteam Jan Bosse und Carlos Alvarez entwickelten sie ein Drehbuch für einen fiktiven Film, sammelten Requisiten für die Filmszenen, besuchten das kuwaitische Wissenschaftszentrum und befragten ihre Lehrer und Mitschüler.

Wassertanks als Wahrzeichen

In den Vereinigten Arabischen Emiraten führte der Weg der Aquanauten zunächst nach Ruwais. Ruwais ist ein Siedlungskomplex in der Wüste. Hier traf das Filmteam auf Schülerinnen und Schüler der PASCH-Schule Ruwais Glenelg School. Schnell entwickelte die Gruppe die thematische Grundidee für ihren Dokumentarfilm: eine Besichtigungstour durch Ruwais zu verschiedenen Plätzen der Wüstenstadt, die für die Wasserversorgung eine wichtige Rolle spielen.

Nachdem die Schüler und Schülerinnen die Funktionsweise des Film-Equipments erprobt hatten, nahmen sie die Kamera selbst in die Hand und lernten durch die verschiedenen Filmdrehs ihre Stadt noch einmal von einer neuen Seite kennen. Die Gruppe drehte auf einer kleinen Anhöhe am Stadtrand, mit weitem Blick auf die Wüste und vor allem die drei großen Wassertanks, das Wahrzeichen von Ruwais, welche das Reservoir der Stadt bilden. Sie sprachen mit Gärtnern, die sich um die zahlreichen Grünflächen der Stadt kümmern, interviewten eine Mutter, die den Schülerinnen und Schülern das System der täglichen Wasseranlieferung erläuterte, und besuchten eine Kamelfarm, deren Besitzer erklärte, wie es den Kamelen gelingt, Wasser über einen sehr langen Zeitraum zu speichern.

Ortswechsel: Abu Dhabi

Den Staffelstab übergaben die Schülerinnen und Schüler aus Al Ruwais dann an ihre Mitschüler der Glenelg School in Abu Dhabi. Ihr Thema war der Umgang mit Wasser im Gestern und Heute. Abu Dhabi ist keine Stadt des Gestern und so startete die Crew im Heritage Village von Abu Dhabi, einem Nachbau eines traditionellen Oasendorfes, wie es typisch war für die Zeit vor dem großen Öl-Boom. Das Team sammelte mit der Kamera zahlreiche visuelle Eindrücke vom harten Leben, wie es noch vor 50 oder 60 Jahren alltäglich war, und bekam eine Vorstellung davon, welche zentrale Bedeutung das Wasser für das Leben und Überleben ihrer Großväter hatte. Einen interessanten Einblick in Gegenwart und Zukunft der Wasserversorgung erhielten die jungen Filmemacher in Masdar City, einer im Aufbau befindlichen Ökostadt am Rande von Abu Dhabi, die vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden soll.

„Der Workshop war eine tolle Erfahrung“, sagte Saideep Sreekumar und fuhr fort: „Ich habe eine Menge über das Filmen und die einzelnen Teile der Kamera gelernt.“ Auch sein Mitschüler Mohammed Derya war begeistert: „Mir hat sehr gefallen, etwas völlig Neues kennengelernt zu haben und dabei gleichzeitig meine Deutschkenntnisse ein bisschen verbessert zu haben.“

Auf den Spuren des Falaj-Systems in Oman

In Oman traf das Filmteam auf 20 Schülerinnen und Schüler der 2013 neu ins PASCH-Netzwerk aufgenommenen Schulen. Die Gruppe folgte der Spur des traditionellen Falaj-Systems, einer Art Kanalsystem, bei dem das Wasser aus den Bergen auf die umliegenden Felder verteilt wird. „Heute fließt das Wasser vom Meer in die Berge“, sagt der Deutschlehrer Sultan Al Hammadi und verweist auf die große Wasseraufbereitungsanlage in der Nähe seines Hauses, die zunehmend versalzenes Wasser vom Meer in die Böden der Küstenebene pumpt und damit die Landwirtschaft im Oman gefährdet.

Kreativität im Umweltschutz

Die letzte Station der vierwöchigen Workshop-Reihe war schließlich Doha, die schnell wachsende Hauptstadt Qatars. Die Deutschschüler der Tariq bin Ziad Independent School zeigten hier, dass Umweltschutz und Kreativität sich nicht ausschließen. Im Qatar Scientific Club entwickelte eine Gruppe ein Gerät, das aus Klimaanlagen tropfendes Wasser auffängt und unmittelbar zur Bewässerung von Pflanzen genutzt wird. Eine andere Gruppe baute einen Behälter für die Schule, in dem die Mitschüler Restwasser aus Trinkflaschen sammeln können.

Die vier entstandenen Kurzfilme werden in Kürze auf PASCH-Global unter dem Projetloge der Aquanauten zu sehen sein. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler der Golfregion, sondern alle PASCH-Schülerinnen und -Schüler weltweit können dann die Filme kommentieren, Fragen stellen und sich untereinander austauschen.

„Die Aquanauten“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Goethe-Instituts Golf-Region im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) und dem Kayser Forum for Sustainibility in Zusammenarbeit mit Bosse Film.
Datum: 20.01.2014
Quelle: Goethe-Institut Golf-Region
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