Archiv 2013

Berufliche Bildung an Deutschen Auslandsschulen voranbringen


Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, besuchte am 1. Oktober die Deutsche Schule Villa Ballester in Buenos Aires. Zwei Themen standen im Mittelpunkt ihres Besuchs: das kürzlich verabschiedete Auslandsschulgesetz und der Ausbau der beruflichen Bildung.

Begleitet wurde die Staatsministerin von Bernhard Graf von Waldersee, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Argentinien, und Joachim Lauer, Leiter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Schulleiter Andreas Grüderich, die Vorsitzende des Schulvorstandes Silvia Dittler und Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Villa Ballester hießen die Gäste willkommen.

Bei einem Schulrundgang nahm Staatsministerin Pieper Einsicht in den laufenden Unterricht und unterhielt sich u.a. mit Schülerinnen und Schülern der Grundschule. „Und das natürlich auf Deutsch, was umso bemerkenswerter ist, wenn man weiß, dass die Deutsche Schule Villa Ballester zu 95 Prozent von argentinischen Schülern besucht wird, die in der Regel erst hier und zum ersten Mal mit der deutschen Sprache in Berührung kommen“, berichtet Schulleiter Grüderich. „Die Staatsministerin war sichtlich beeindruckt zu erfahren, dass die vier Deutschen Schulen in Buenos Aires zusammen etwa 5.000 Schüler repräsentieren“, ergänzt er. Sie alle lernen und sprechen Deutsch und legen zu etwa 70 Prozent das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz Stufe II ab.

Austausch zum Auslandsschulgesetz

Zur Delegation der Staatsministerin gehörten auch Helmuth Riethmüller, Generalmanager Forum Berufsbildung, Heiko Schwarz, Referent für Berufliche Bildung im Auswärtigen Amt, Markus Haas, Kultur- und Medienbeziehungen des Auswärtigen Amtes, und Max Maldacker, Büroleiter der Staatsministerin. Gemeinsam mit Schulleiterinnen und Schulleitern weiterer Deutscher Auslandsschulen in Buenos Aires fand ein Austausch zum Auslandsschulgesetz statt. Konkrete Fragen zur Umsetzung des Gesetzes, das am 1. Januar 2014 in Kraft treten wird, konnten direkt an die Staatsministerin und ihre Delegation gerichtet werden.


Schulleiter Michael Röhrig von der Pestalozzischule fasste für drei große Schulen in Buenos Aires, die nicht das Abitur, sondern das Gemischtsprachige International Baccalaureate (GIB) anbieten, die Sorgen der Schulleitungen zusammen: Ohne adäquate personelle und finanzielle Förderung wäre es schwer, die erreichten Fortschritte, wie zum Beispiel die jährliche Verdoppelung ihrer Abschlüsse, auch in Zukunft zu halten. Die gesetzlich vorgesehene personelle Ausdünnung auf nur noch eine Auslandsdienstlehrkraft pro Schule sei vor diesem Hintergrund nur schwer für die Schulleitungen zu verstehen und zu managen. Joachim Lauer, Leiter der ZfA, verwies auf die verbesserte rechtliche Situation, die vor allem Planungssicherheit für drei Jahre bedeutet und machte deutlich, dass es nicht zu einer Verschlechterung kommen werde: „Die Zukunft der GIB-Schulen ist sicher.“

Starker Informationsbedarf zur beruflichen Bildung

Anschließend informierte sich die Staatsministerin über das Berufsbildungszentrum (BBZ) des Instituto Ballester, dem sie vor zwei Jahren den Innovationspreis für ein herausragendes Videokonferenzprojekt verliehen hatte. Agaton Nachtigall, Leiter des BBZ, stellte den Grundaufbau mit Blockunterricht in drei beruflichen Bildungsgängen und zahlreiche Projekte vor. Auch länderübergreifende Projekte, zum Beispiel zwischen Argentinien, Chile, Bolivien und Brasilien, gehören mittlerweile zum regelmäßigen Programm.

Die Frage von Staatsministerin Pieper, was man tun müsse, um die berufliche Ausbildung weiter voranbringen zu können, konnte der Leiter des BBZ spontan beantworten: „Sowohl die argentinischen Unternehmen als auch die Schülerinnen und Schüler selbst sind einfach zu wenig und zu ungenügend über das Angebot und das universitäre Profil informiert“, so Nachtigall. Hinzu komme, dass alle Ausbildungsgänge gute Deutschkenntnisse verlangen. „Das BBZ leistet hier schon Pionierarbeit, indem es den Schülern, die mit geringen Deutschkenntnissen aber ansonsten guten Zeugnissen kommen, die Möglichkeit einräumt, die notwendigen Deutschkenntnisse während der Ausbildung zu erwerben bzw. nachzuholen.“ Die argentinischen Unternehmen wiederum würden in der dualen Ausbildung durch das Berufsbildungszentrum noch nicht immer die Chancen erkennen, die sich für ihre Mitarbeiter dahinter verbergen.

Am Ende zogen alle am Instituto Ballester eine positive Bilanz: „Der hohe Besuch hat uns gezeigt, dass wir nicht nur für Argentinien und den Großraum Buenos Aires, sondern auch für die benachbarten Regionen zwar eine kleine, aber doch eminent wichtige Rolle spielen“, resümiert Grüderich und ergänzt: „Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich das Instituto Ballester Gedanken macht, wie Bildungsgänge miteinander zu verzahnen sind, um damit netzwerkartig den individuellen Bedürfnissen unserer Schülerinnen und Schüler und ihren Familien sowie Deutschland und den hier wie dort ansässigen Unternehmen unschätzbare Dienste auf dem international umworbenen Bildungssektor zu leisten.“

Die Deutschen Schulen in Argentinien und die insgesamt neun Berufsbildenden Zweige gehören zu den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.
Datum: 18.10.2013
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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