Archiv 2013

PASCH-Fest 2013 in Seoul: Herr Kim und Schwester Lotusblüte


Das diesjährige Fest der Partnerschulinitiative (PASCH) bot den passenden Rahmen für eine Theateraufführung von 100 koreanischen Schülerinnen und Schülern verschiedener DSD-Schulen am 14. September in Seoul.

Vor 50 Jahren schlossen Deutschland und Korea einen Vertrag zur Entsendung von koreanischen Krankenschwestern und Bergarbeitern. Zwischen 1963 und 1976 arbeiteten mehr als 18.000 junge Koreaner in Deutschland. Dies war Thema des diesjährigen PASCH-Festes in der Kyunggi Girls‘ High School in Seoul, das unter Leitung von Christine Barteczko, Fachschaftsberaterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), organisiert wurde. Zum 50-jährigen Jubiläum des deutsch-koreanischen Anwerbeabkommens für Krankenschwestern und Bergarbeiter erarbeiteten die 100 koreanischen Schülerinnen und Schüler verschiedener Sprachdiplomschulen unter Anleitung des deutschen Theaterpädagogen Heinz-D. Haun eine Aufführung.

Kurzweilige und abwechslungsreiche Inszenierung

„Wir glauben, dass Sie für unsere Schülerinnen und Schüler ein Vorbild sein können. Sie haben in jungen Jahren den Schritt in die Fremde gewagt, um am anderen Ende der Welt zu leben und zu arbeiten. Trotz schwieriger Bedingungen, trotz der Probleme, sich in einer unbekannten Welt mit einer anderen Kultur und einer anderen Sprache zurechtfinden zu müssen, haben Sie nicht aufgegeben“, so Barteczko zu den anwesenden ehemaligen Krankenschwestern und Bergarbeitern, die der Einladung zum PASCH-Fest gefolgt waren. Auch der deutsche Botschafter Rolf Mafael sowie Vertreter der Mittlerinstitutionen und anderer deutschsprachiger Botschaften, Schulleiter, Eltern und vor allem viele Schülerinnen und Schüler waren gekommen.


In zwei arbeitsintensiven Wochen führte Theaterpädagoge Haun an jeder der geförderten Sprachdiplomschulen einen ganztägigen Theaterworkshop durch. Nach nur einer Gesamtprobe präsentierten die rund 100 Schülerinnen und Schüler das erfolgreich erarbeitete Theaterstück „Herr Kim und Schwester Lotusblüte“. „Eine kurzweilige und abwechslungsreiche Inszenierung mit fetziger Musik aus den Sechzigern, traditioneller koreanischer Musik, deutschen Volksliedern, Gesangs- und Tanzeinlagen machten die Aufführung zu einem besonderen Erlebnis“, freut sich Barteczko. Für die früheren Auswanderer war es ein besonderes Ereignis: „Ich danke den Schülerinnen und Schülern für diese Aufführung, in der wir unsere eigene Geschichte vorgespielt bekommen haben. Es hat mich sehr berührt, dass so viele junge Menschen sich mit unserer Geschichte beschäftigen“, so ein ehemaliger Bergarbeiter.

Sehnsucht hat einen Namen

Authentische Zitate - von den Schülerinnen und Schülern in Szene gesetzt - erzählten verschiedene Facetten der Geschichte der Auswanderer: die Angst vor dem Unbekannten, die Trauer über den Verlust der Heimat, die Probleme mit der fremden Sprache etc. „Ich fühlte mich wie ein Vogel, der zum ersten Mal in seinem Leben am Nestrand sitzt und die Flügel zum Flug ausbreitet, ohne es je zuvor geübt zu haben“, bekannte Minkyung als Krankenschwester Lotosblüte. „Ich vermisste die mir vertrauten Menschen und die gewohnte Umgebung, die mir verständliche Sprache, die mir gängige Gewohnheit und den Umgang miteinander. Diese brennende Sehnsucht, diese wahnsinnigen Schmerzen hatten einen Namen: Heimweh“, verkündete Sung-Nim als Bergarbeiter Kim.

Kein Wunder, dass der Erfolg des Schüler-Stücks wiederholt werden soll: Botschafter Mafael lud die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler für den 24. September in seine Residenz ein. Dort sollen Szenen des Theaterstückes auf einer Veranstaltung zu Ehren der Bergarbeiter und Krankenschwestern nochmals aufgeführt werden. Die Schülerinnen und Schüler spielen dann vor 200 geladenen Gästen aus der koreanischen Gesellschaft und vor laufenden Fernsehkameras.

Das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern. Die Prüfungssätze werden von der ZfA in Köln erstellt. Hier findet auch die Auswertung der Ergebnisse statt. Alle Regularien des DSD werden im Zentralen Ausschuss behandelt. Die Sprachdiplomprüfung ist mehr als eine bloße Sprachfeststellungsprüfung. Sie hat darüber hinaus Auswirkungen auf den Deutschunterricht in vielen Ländern und ermöglicht eine weltweite Vergleichbarkeit der Leistungen, weil sie am Europäischen Referenzrahmen für Sprachen orientiert ist.

Datum: 24.09.2013
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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